Die Redaktion empfiehlt: »Moon Knight« von Warren Ellis / Declan Shalvey Grafisch eindrucksvoller Superheld

16. Juli 2015

Da ich alles andere als ein Experte für Superhelden-Comics bin, war mir der Charakter des Moon Knights bisher nur vom Namen her bekannt. Immerhin tauchte er – meiner Erinnerung nach – in einigen »Daredevil«-Folgen auf, wurde dort aber nie ein wichtiger Handlungsträger. Erfunden worden war die Figur bereits in den 70er-Jahren, sie wurde aber nicht sonderlich berühmt.

Aus diesem Grund wurde der Comic-Autor Warren Ellis, den ich sehr schätze, damit beauftragt, die Figur und ihre Serie neu zu konzipieren. Der Neustart der Serie »Moon Knight« in den USA war erfolgreich, und jetzt liegen die neuen Abenteuer in deutscher Sprache vor. Bei Panini wurden die ersten sechs Hefte als Paperback veröffentlicht, und ich habe sie mit großer Faszination gelesen.

Um was geht's denn eigentlich? Um einen ehemaligen Söldner, der in Ägypten einem uralten Gott begegnete. Dieser holte ihn vom Tod zurück und schickte ihn erneut auf die Erde. Seither widmet er sich als Moon Knight dem Kampf gegen das Verbrechen, wobei er immer wieder mit seinem ägyptischen Gott und dessen Geheimnissen in Beziehung steht.

Das alles muss man übrigens nicht im Voraus wissen – ich hatte vor Beginn meiner Lektüre so gut wie keine Ahnung von dieser Comic-Figur –, denn die Geschichten entwickeln sich wirklich von Anfang an. Sie sind kurz und überraschend; sie stecken voller Pointen und knalliger Ideen. Und sie machen in schnellen Sequenzen klar, um welche Figur es sich bei Moon Knight handelt und welche Ziele er hat.

Was niemanden überraschen wird: Warren Ellis weiß, wie man Comics schreibt. Seinen Einzelkämpfer im weißen Anzug schickt Ellis in einen Kampf mit einer Heerschar von Gangstern, er schickt ihn auf eine psychedelische Reise in ein bizarres Traumland oder lässt ihn auf Geister treffen. Das alles ist sehr knapp erzählt, jede Geschichte ist völlig in sich abgeschlossen. Ellis bekommt das hin, ohne in ausufernde Brutalität zu verfallen oder seine Dialoge mit unzähligen Schimpfwörtern aufzufüllen; er bleibt damit in der sauberen Atmosphäre der üblichen Superhelden-Geschichten.

Der Zeichner Declan Shalvey und die Koloristin Jordie Bellaire, die mir beide bislang nichts sagten, leisten ebenfalls hervorragende Arbeit. Allein schon der Gegensatz zwischen dem weiß gekleideten Helden und der Szenerie, die meist in der Nacht angesiedelt ist, beeindruckt. Darüber hinaus greift das Kreativ-Team zu ungewöhnlichen Grafik-Lösungen: Einzelne Seiten lösen sich buchstäblich in psychedelischen Gebilden auf oder verwandeln sich in weißen Raum, dann wieder sind die Geschichten extrem sparsam illustriert.

Ich glaube nicht, dass ich ein »Moon Knight«-Fan werde – aber der Start in die neue deutschsprachige Ausgabe war absolut ansprechend und hat mich fasziniert. Wer Superhelden-Comics mag oder mal eine ungewöhnliche Superhelden-Geschichte lesen möchte, sollte auf jeden Fall diesen Comic-Band testen. Erfreulicherweise gibt es auf der Internet-Seite des Verlages eine kostenlose Leseprobe. Ich empfehle, diese gründlich anzuschauen.

Das 140 Seiten starke Paperback – mit schickem Klappcover – kostet 16,99 Euro. Man kann es überall im Comic-Fachhandel sowie im spezialisierten Buchhandel kaufen; »normale« Buchhändler könnten Probleme haben, es zu bestellen. Aber einige Versender wie Amazon führen das Paperback ebenso wie der Shop von Panini Comics

Klaus N. Frick