Die Redaktion empfiehlt: »Lebensstufen« von Julian Barnes Ein Roman über den Schmerz des Todes

10. März 2016

Ich sehe mir gern die Fernsehsendung »Druckfrisch« des Journalisten Denis Scheck an. Nicht nur deshalb, weil der Mann mit PERRY RHODAN »sozialisiert« wurde und wir uns seit über dreißig Jahren kennen, sondern vor allem deshalb, weil er ein exzellenter Kenner der Literatur ist und seine Kenntnisse liebevoll und gleichzeitig begeistert vermitteln kann.

Eine Empfehlung in einer »Druckfrisch«-Sendung brachte mich dazu, den kurzen Roman »Lebensstufen« des englischen Schriftstellers Julian Barnes zu kaufen und zu lesen. Dabei handelt es sich um keine Science Fiction, auch nicht um Genre-Literatur im weitesten Sinne. Es ist eine Mischung aus persönlicher Lebensbeichte, einem historischen Exkurs und einem erzählenden Teil über Fotografien. Wer mag, kann das Buch als Sammlung von drei unabhängigen Texten verstehen, in Wirklichkeit hängt alles zusammen.

Durchaus unterhaltsam steigt der Autor mit einer Geschichte ein, in der es um die frühen Fahrten mit einem Ballon geht; es folgen Betrachtungen zur Fotografie. Auch im zweiten Teil des Buches gibt es Zusammenhänge zur Ballonfahrt, dazu kommt ein unterhaltsamer Teil über die Schauspielerin Sarah Bernhardt.

Mich berührte vor allem der dritte Teil des Buches, der sehr autobiografisch ist: Der Autor verarbeitet darin die Liebe und den Tod – im Prinzip behandelt dieser Teil des Buches die Geschichte seiner verstorbenen Frau Pat, an die sich Julian Barnes ausgiebig erinnert. Er spiegelt ihr gemeinsames Leben, und er macht klar, welche Leerstelle sie in seiner Existenz hinterlassen hat. Diese Seiten rühren einen fast zu Tränen.

Wer jetzt an dieser Stelle keine »vernünftige« Inhaltsangabe findet, soll sich nicht grämen. »Lebensstufen« enthält wenig von dem, was ich in anderen Romanen schätze; es gibt keine Action – wie auch? – und nur wenige Dialoge. Trotzdem ist das Buch unterhaltsam, und es packt einen auf eine Weise, die mich zumindest überraschte.

Der Autor spiegelt gewissermaßen sein Leben und seine Weltsicht, das alles mit einer stilistischen Eleganz, die beeindruckt. Man muss sich darauf einlassen – wer durch diese kurze Besprechung zumindest ein wenig neugierig wurde, kann sich ja die Leseprobe auf der Internet-Seite des Verlages anschauen. Die Lektüre ist bereichernd und lohnenswert – zumindest ich empfand sie so.

Das Buch ist bereits im Februar 2015 erschienen: als 144 Seiten schmaler Hardcover-Band mit Schutzumschlag. »Lebensstufen« kostet 16,99 Euro, und die ISBN 978-3-462-04727-1 ist bei einer Bestellung über die örtliche Buchhandlung behilflich. Selbstverständlich kann das Buch auch jeder Versender liefern – unter anderem Amazon. (Ein Taschenbuch ist übrigens für den Sommer 2016 geplant.)

Die E-Book-Version – unter anderem für den Kindle – kostet 14,99 Euro. Das ungekürzte Hörbuch erschien in der Argon Edition. Als Sprecher wirkt Wolfram Koch. Als Verkaufspreis werden 16,99 Euro empfohlen.
 

Klaus N. Frick

 

 

Lebensstufen
Barnes, Julian
Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co KG
ISBN/EAN: 9783462047271