Die Redaktion empfiehlt: »LastMan – Band 1« von Balak / Sanlaville / Vivés Actionreicher Start zum Fantasy-Comic

30. Juni 2015

Auch wenn man glaubt, sich mit Comics auszukennen, gibt es immer wieder überraschend neue Namen. Der französische Künstler Bastien Vivés ist beispielsweise eine Person, von der man hierzulande noch nicht so viel gehört hat. In seinem Heimatland zählt der gerade erst 30 Jahre alte Mann zu den aufstrebenden Talenten, der mit seinen Alben erste Preise kassiert hat.

Stilistisch ist der Künstler nicht festgelegt, und er scheint noch Lust auf Experimente zu haben. Das belegt sehr schön die Fantasy-Serie »LastMan«, von der nun der erste Band in deutscher Übersetzung erschienen ist. Den Stil, den manche als »France Manga« bezeichnen, fand ich gewöhnungsbedürftig – aber ich stufe ihn als ausgefallen und originell ein.

Mit Balak und Michaël Sanlaville hat Vivés darüber hinaus zwei wichtige Mitstreiter. Balak, von dem ich keinen Vornamen kenne, arbeitet für amerikanische Comic-Verlage; von ihm stammt die eigentliche Geschichte. Und Sanlaville ist derjenige, der aus der Filmbranche kommt und die grafischen Grundlagen der Serie so gestaltet, dass sie dynamisch und untypisch für die meisten Comics zugleich ist.

Die Geschichte selbst fängt eher konventionell an. In einem Fantasy-Reich, das von einem weisen König regiert wird, trainieren Jugendliche für ein großes Turnier. Held der Geschichte ist Adrian Velba, ein Junge, der sich seit Monaten auf das Turnier freut. Weil man bei dem Turnier als Duo antreten muss, nimmt er sich einen merkwürdigen Mann als Partner. Mit Richard Aldana an seiner Seite hat Adrian auf einmal eine Chance – doch er kann noch nicht abschätzen, wohin ihn diese Partnerschaft führen wird.

Vor allem der erste Teil des Comics wird von Szenen beherrscht, in denen trainiert und gekämpft wird. Im weiteren Verlauf der Geschichte treten emotionale Szenen in den Vordergrund: Adrians Mutter wird immer wichtiger, die Geheimnisse hinter Richard Aldana werden stärker, und man erfährt mehr Details über die Fantasy-Welt.

Diese steckt seltsamerweise voller Brüche. Auf den ersten Blick wirkt sie »normal«, fast mittelalterlich, wie man es von Fantasy-Welten gewohnt ist. Doch Richard raucht Zigaretten, und er macht den Anschein, als stamme er aus »unserer« Welt. Wie das alles zusammenhängt, ist nach der Lektüre des ersten »LastMan«-Bandes noch lange nicht klar; ich bin auf die Fortsetzungen gespannt.

Das Projekt ist groß angelegt: Das kreative französische Trio produziert derzeit mehrere Comic-Bände im Jahr, man will insgesamt zwölf Bücher in den Handel bringen. Es heißt, dass insgesamt 2500 Seiten geplant seien. Im deutschen Handel ist bislang ein Band erschienen, der die ersten 200 Seiten abdeckt; die weiteren sollten rasch folgen.

Seien wir ehrlich: Der Comic wird nicht jedermanns Geschmack sein, dazu ist er zu ausgefallen. Ich hatte am Anfang selbst meine Probleme, in die Geschichte hineinzufinden. Der Zeichenstil erinnert für meinen Geschmack zu oft an Mangas, die Geschichte wirkt auf mich – durch die seltsame Welt, in der sie spielt – ein wenig verwirrend. Andere Leser dürften das anders empfinden; kein Wunder, dass »LastMan« sehr viele Freunde gefunden hat.

Letztlich handelt es sich um einen Mix aus verschiedenen Einflüssen, es ist ein schnell erzählter Comic mit hohen Action-Anteilen, vielen Emotionen und abrupten Sprüngen. Wer das mag, kommt auf seine Kosten. Wer groß angelegte Fantasy-Szenarien mit »Breitwand-Optik« lieber mag, wird eher einen kritischen Blick auf das Werk werfen.

Erschienen ist der Comic im Reprodukt-Verlag; er hat ein ungewöhnliches Format: größer als ein Taschenbuch, kleiner als ein Comic-Album. Er umfasst 216 Seiten, die als Klappenbroschur gebunden sind. Die meisten Seiten sind in Schwarzweiß gehalten, es gibt aber auch farbige Seiten – auch das ist ungewöhnlich.

Der Comic kostet 18 Euro, und man kann ihn mithilfe der ISBN 978-3-95640-010-0 überall im Comic- oder Buchhandel erwerben, ebenso bei Versendern wie Amazon.

Klaus N. Frick

 

LastMan 1
Balak/Sanlaville, Mickaël/Vivès, Bastien
Reprodukt Dirk Rehm
ISBN/EAN: 9783956400100