Die Redaktion empfiehlt: »Kein Schlaf bis Langenselbold« von Linus Volkmann Jugend in der hessischen Einöde

17. Oktober 2013

»Eine Jugend in der Provinz voll verzweifeltem Sex, Feldhockey, Wahnsinn, mit Helmut Kohl, Benzin und den neuen Postleitzahlen.« So umschreibt der Ventil-Verlag in seiner Information den aktuellen Roman des Journalisten und Schriftstellers Linus Volkmann. Der Roman hat nicht das geringste mit Science Fiction, Fantasy oder sonstiger Phantastik zu tun, dafür umso mehr mit dem realistischen und zugleich sarkastischen Blick auf eine Jugend zu Beginn der 90er-Jahre.

Das merkt man schon am Titel: »Kein Schlaf bis Langenselbold« ist selbstverständlich eine Anspielung. »No Sleep To Brooklyn« von den Beastie Boys spielt auf jeden Fall eine Rolle, meinetwegen auch »No Sleep To Hammersmith« von Motörhead. Wer beide Stücke nicht kennt, wird möglicherweise sowieso nicht so viel mit dem Buch anzufangen wissen ...

Die Helden des Romans – sofern man den Begriff Helden überhaupt benutzen kann – sind Zwillinge, die sich nicht für Fußball begeistern, sondern ausgerechnet für Feldhockey. Malte und Frederick betreiben diese eher »uncoole« Sportart, ansonsten mogeln sie sich durchs Leben. Sie verlieben sich in Mädchen, sie trinken zu viel Alkohol, sie benehmen sich schlecht. Vor allem Malte, der eher brav ist, wird dabei immer wieder von seinem rabaukenhaften Bruder Frederick vorgeführt.

Soweit so gut, nichts besonderes in der Provinz also. Doch dann kommt Lumpinchen zu Besuch, die Cousine der beiden. Sie stammt aus Hamburg, hat eine »Karriere« in besetzten Häusern und politischen Zusammenhängen hinter sich, ist definitiv »cool« und wirbelt das Leben der Zwillinge gründlich durcheinander.

Das Buch hangelt sich auf unterhaltsame Weise von Situationskomik zu Situationskomik, ist mal haarsträubend lustig, dann wieder abenteuerlich skurril, beleuchtet auf jeden Fall eine x-beliebige Jugend, wie es sie in den frühen 90er-Jahren wohl zu Millionen gab. Linus Volkmann, der selbst in dieser Zeit sozialisiert wurde und aus Südhessen stammt, weiß wahrscheinlich genau, wovon er schreibt: Seine Beschreibungen und Dialoge sind zielsicher und treffen immer den Punkt.

Wer anspruchsvolle Literatur sucht, ist hier fehl am Platz. Wer kunterbunte Popliteratur mag, die den Zeitgeist einer Generation einfängt, sollte zugreifen. Das Buch ist unterhaltsam, es macht Spaß, und es ist sehr schnell gelesen. Häufiges Schmunzeln und lautes Lachen dürften bei den meisten Lesern garantiert sein ...

Erschienen ist »Kein Schlaf bis Langenselbold« als 220 Seiten starkes Paperback im Ventil-Verlag, es kostet 12,90 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-931555-27-6 kann man es in jeder Buchhandlung bestellen, selbstverständlich auch bei Versendern wie amazon.de. Der Ventil-Verlag bietet das Buch in seinem eigenen Online-Shop an – ein Grund vielleicht, einmal durch das reichhaltige Sortiment an Popliteratur und Popkultur-Sachbüchern zu blättern.
 

Klaus N. Frick

 

Kein Schlaf bis Langenselbold
Volkmann, Linus
Ventil Verlag
ISBN/EAN: 9783931555276