Die Redaktion empfiehlt: »Jenseits der Grenze« von François Schuiten / Benoit Peeters Starke Bilder aus einem phantastischen Land

20. November 2013

Zu den Comic-Universen, die seit vielen Jahren die Leser begeistern, gehört die Serie »Geheimnisvolle Städte«. Sie besteht aus zahlreichen Bänden, und jeder Comic für sich ist unabhängig. Alle miteinander sind sie jedoch in einem Zyklus aus Träumen und Geschichten und phantastischen Bildern verbunden.

Ich habe aus dieser Reihe zuletzt den Band »Jenseits der Grenze« gelesen. Die phantastische Geschichte kam in den Nuller-Jahren erstmals in den Handel und liegt jetzt in einer wunderschönen Gesamtausgabe beim Verlag Schreiber & Leser vor. Der durchaus rätselhafte, aber sehr gelungene Comic ist ohne jegliche Kenntnis anderer Alben aus der Serie »Geheimnisvolle Städte« verständlich.

Zur Handlung: In einer Wüstenlandschaft steht das kartografische Zentrum eines fiktiven Großreiches. Dort tritt ein junger Mann seinen Dienst an; er lernt die Einzelheiten seiner Arbeit kennen, stellt Verknüpfungen her und trifft auf Kollegen sowie eine Prostituierende. Und während er langsam erkennt, wie er seine Tätigkeit auszuüben hat, stellt er fest, dass es gewissermaßen eine zweite Ebene gibt.

Der Herrscher über das Reich, zu dem das Zentrum gehört, möchte nämlich seine Macht ausdehnen. Dafür benötigt er neu zu zeichnende Karten, die seine Ansprüche gewissermaßen auf Papier fixieren. Gleichzeitig tragen manche Menschen aber offenbar eine Art Landkarte auf ihrer Haut, die mit der täglichen Arbeit des jungen Kartografen nichts zu tun haben. Während politische Intriganten das Zentrum in ihren Griff bekommen, verstrickt sich der junge Mann immer stärker in die Konflikte des Reiches – bis er in einer aussichtslosen Lage feststeckt.

Was sich schon in der Kurzfassung recht komplex liest, wird im fertigen Comic noch komplexer. Benoit Peeters erzählt eine Geschichte, bei der manchmal nicht klar ist, welche Sequenzen seine Hauptfigur erlebt und welche sie träumt. Der junge Kartograf wirkt verloren zwischen den riesigen Mauern seines Arbeitsplatzes und den politischen Wirrnissen; er wird hin- und hergeschoben, und als Leser fällt es manchmal schwer, seinen Gedanken und Überlegungen zu folgen.

Wer mit der Geschichte seine Probleme hat, dürfte dennoch von der beeindruckenden Grafik begeistert sein. François Schuiten arbeitet mit feinen Schattierungen und wunderschönen Farbeffekten, sein Strich ist fast zart, und das Spannungsverhältnis zwischen wuchtiger Architektur und charaktervollen Gesichtern gelingt ihm nahezu perfekt. Toll gemacht!

»Jenseits der Grenze« ist keine einfache Lektüre, aber ein sehr gelungener Comic. Der phantastische Anteil zieht sich durch, wenngleich sich die Geschichte einer eindeutigen Kategorisierung entzieht. Aber angesichts der Qualität macht das nichts aus.

Erschienen ist das Album als großformatiges Paperback mit Klappcover; gedruckt auf dickem Papier. Es umfasst 136 Seiten und kostet 26,80 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-941239-99-9 kann man es in jeder Buch- oder Comicfachhandlung bestellen, ebenso im Internet bei Versendern wie amazon.de.

Auf der Internet-Seite des Verlags Schreiber & Leser gibt es übrigens eine Übersicht zu den bisherigen Schuiten-und-Peeters-Alben; bei »Jenseits der Grenze« kann man eine kostenlose Leseprobe anschauen. Ich kann's nur allen Lesern dieser Rezension empfehlen, die aus meinen Zeilen vielleicht nicht schlau werden.
 

Klaus N. Frick
 

 

Jenseits der Grenze
Peeters, Benoît
Verlag Schreiber & Leser
ISBN/EAN: 9783941239999