Die Redaktion empfiehlt: »Fehlstart ins Atomzeitalter« von Heinz J. Galle Ein Sachbuch über die strahlende Zukunft

18. März 2013

Noch während meiner Schulzeit in den 80er-Jahren galt man als Außenseiter, wenn man die Atomkraft grundsätzlich kritisch beäugte: Während die meisten Bundesbürger gegen Atomraketen eingestellt waren, fanden die meisten die Atomkraftwerke ganz praktisch. Heute ist bekanntlich sogar die Regierung gegen die Atomkraft eingestellt, die Mehrheit der Bevölkerung sowieso – es hat sich sehr viel geändert im Bewusstsein der Mitteleuropäer.

Wie war das in den fünfziger Jahren, als der Schock über die Atombombe zwar noch relativ frisch, die Euphorie über die unbegrenzte Energie der Atomkraft aber ebenso frisch war? Das unterhaltsame Sachbuch »Fehlstart ins Atomzeitalter« von Heinz J. Galle verweist auf diese Zeit und betrachtet die Atom-Euphorie der damaligen Zeitgenossen vor allem aus der Sicht der populären Unterhaltungsliteratur.

Galle ist einer der Experten für Unterhaltungsliteratur schlechthin, vor allem für Science Fiction und Artverwandtes. In mehreren Büchern berichtete er über die Anfänge der Science Fiction; seine Sachkenntnis ist immens. Das von ihm verfasste, in drei Bänden veröffentlichte Standardwerk »Volksbücher und Heftromane« ist Pflichtlektüre für jeden, der sich mit populärer Literatur beschäftigt.

Der Autor ist Jahrgang 1936 und bekam deshalb die Anfänge der Science Fiction im deutschsprachigen Raum mit. Er las die ersten SF-Heftromane und erlebte, wie Karl-Herbert Scheer oder Walter Ernsting alias Clark Darlton ihre ersten Werke veröffentlichten – quasi die Vorarbeiten für den Welterfolg PERRY RHODAN. Kein Wunder, dass Galle kenntnisreich auf diese Zeit zurückblickt.

Dabei bleibt er nicht komplett ernst, sondern berichtet mit einem gelegentlichen Augenzwinkern und vor allem mit einer gewissen Eigenironie. Er macht klar, wie begeistert er selbst als junger Mann von allen Zukunftsträumen war, wie sehr er sich nach einer friedlichen Zukunft voller Technik sehnte.

In seinem Sachbuch lässt er den Anfang des sogenannten Atomzeitalters noch einmal lebendig werden. Heinz J. Galle betrachtet Science-Fiction-Romane und Filme, aber auch Sammelbilder und andere »Randthemen«. So entsteht ein abwechslungsreiches und informatives Kompendium teilweise sehr skurriler Veröffentlichungen – ein schöner Blick auf eine Zeit, die für die meisten der heutigen Leser tief in der Vergangenheit liegt.

Zahlreiche Abbildungen prägen das Buch. Sie sind zwar »nur« in Schwarzweiß wiedergegeben, präsentieren aber Titelbilder und Innenillustrationen, Werbegrafiken und Autorenfotos als Ergänzung zum sowieso unterhaltsamen Stil des Buches. Das alles zusammen macht es zu einer gelungenen Lektüre. Ein grundsätzliches Interesse an der Science Fiction oder an den fünfziger Jahren sollte man als Leser allerdings auf jeden Fall mitbringen ...

Mit 149 Seiten ist das Paperback angenehm schlank; es lässt sich flott durchlesen. Es ist im kleinen Verlag Dieter von Reeken erschienen und kostet 15,00 Euro. Detaillierte Informationen zum Inhalt sind auf der Verlags-Homepage zu finden; dort kann das Buch auch bestellt werden. Aber selbstverständlich kann es mithilfe der ISBN 978-3-940679-71-0 überall im Buchhandel gekauft werden.

Klaus N. Frick