Die Redaktion empfiehlt: »Exodus 33« überzeugte wieder einmal

18. März 2016

Die Ausgabe 33 der Zeitschrift »Exodus« erschien bereits im Herbst 2015, und in wenigen Wochen kommt bereits die Ausgabe 34 heraus – aber weil ich nicht rasch genug mit der Lektüre vorangekommen bin, gibt es leider erst heute meine entsprechende Empfehlung.

Dabei lohnt sich das Magazin auf jeden Fall: Es nimmt seinen Untertitel »Science Fiction Stories & Phantastische Grafik« sehr ernst, und ich finde nach wie vor, dass es die derzeit beste Publikation ist, in der deutschsprachige Autorinnen und Autoren kürzere Science-Fiction-Texte veröffentlichen können. Die Optik ist hervorragend, die Redaktion steckt zudem sehr viel Arbeit in die Texte und redigiert sehr sorgfältig.

In der aktuellen Ausgabe wird der Grafiker Timo Kümmel präsentiert. Dieser zeichnet seit mehreren Jahren für Verlage im In- und Ausland, seine Titelbilder schmücken viele Romane, die etwa im Atlantis-Verlag erscheinen. Christian Endres beschreibt in einem schönen Artikel die Arbeit des Grafikers, dann kommt eine umfangreiche Galerie: Raumschiffe, Aliens und gigantische Panoramen sind die Schwerpunkte im Werk von Timo Kümmel – das Magazin präsentiert sie ganzseitig und in Farbe.

Darüber hinaus sind in dem Magazin zahlreiche weitere Grafiker mit aktuellen Arbeiten vertreten, dazu kommen witzige Cartoons. Wenn »Exodus« also von sich behauptet, für die »phantastische Grafik« zuständig zu sein, ist das absolut korrekt.

Ähnliches gilt für die Kurzgeschichten. Stilistisch schlagen diese ganz unterschiedliche Wege ein: mal ganz klassische Science Fiction mit Raumschiffen, dann wieder eher märchenhaft oder auch ironisch, Zeitreisen und ein Blick in die nächste Zukunft – das präsentierte Angebot ist sehr vielseitig.

Eine starke Geschichte, die ich beispielhaft herausheben möchte, stammt von Christian Weis und trägt den Titel »Der Zwillingsfaktor«. Sie spielt in einer nahen Zukunft, in der Bundeswehrsoldaten im Sudan stationiert sind. Daneben spielen Nanobots und die Zwillingsforschung eine große Rolle. Die popkulturell anmutende Geschichte ist richtig gut erzählt und hat mir am besten gefallen.

Ebenfalls in die nahe Zukunft blickt Arno Behrend mit »Friendly Faces«. In dieser Geschichte werden die Wunderwelt von Datenbrillen und eine künftige Filmproduktion miteinander verbunden – ein packender Ausblick in eine realitätsnah anmutende Zukunft! Zum Ausgleich liefert Boris Koch mit »Ein glücklicherer Ort« eine Zeitreisegeschichte, die sehr nett und ironisch ist und mir viel Spaß bereitet hat.

»Agnosticca — Planet der leeren Säulen« greift eine klassische Science-Fiction-Thematik auf, die für meinen Geschmack ein wenig zäh erzählt wird. Wer aber auf fremde Welten und deren Erforschung steht, könnte mit Michael Tillmanns Geschichte vielleicht mehr anfangen als ich. Geschmäcker sind nun einmal verschieden ...

Hin wie her: Die Ausgabe 33 von »Exodus« ist in ihrer vielseitigen Art absolut gelungen – ich empfehle sie allen Freunden der Science-Fiction-Kurzgeschichte!

Die aktuelle »Exodus«-Ausgabe ist 110 Seiten stark, die als Paperback gebunden sind. Das Magazin hat einen farbigen Umschlag und enthält im Innenteil die bereits erwähnten Farbseiten. Für 12,90 Euro kann die Einzelausgabe über die Internet-Seite des Magazins bezogen werden; bei einem Versand ins Ausland sind die Kosten höher.
 

Klaus N. Frick