Die Redaktion empfiehlt: »Dunkelsprung« von Leonie Swann Phantastischer Ideenroman

2. Dezember 2016

Die Autorin Leonie Swann wurde vor allem durch ihren Krimi »Glennkill« bekannt. Die Geschichte der Schafe, die beschließen, einen Mord aufzuklären, begeisterte ab 2005 zahlreiche Leserinnen und Leser – das Buch ist witzig und abwechslungsreich, und es lohnt sich tatsächlich. Es wäre allerdings falsch, die Autorin auf dieses Thema zu reduzieren. Wie gut sie phantastische Welten beschreiben kann, belegt ihr Roman »Dunkelsprung«.

Dieser erschien bereits 2014 als Hardcover und wurde pünktlich zur diesjährigen Buchmesse als Taschenbuch veröffentlicht. Wer in diesem Jahr noch unbedingt einen tollen phantastischen Roman lesen möchte, sollte sich dieses Ideenfeuerwerk nicht entgehen lassen. »Dunkelsprung« spielt zwar im Hier und Jetzt, ist aber stets eine Handbreit von unserer Realität entfernt. Es gibt Magier und seltsame Wesen, merkwürdige Menschen laufen durch die Städte.

Es fällt mir schwer, die Geschichte in wenigen Sätzen zusammenzufassen. Hauptperson ist Julius Birdwell, der Direktor und Dompteur eines Floh-Zirkus. Er lebt mit seinen Flöhen, er liebt sie geradezu. Seine Tiere sind eigenständige Charaktere, die Namen tragen und für sich auch Entscheidungen treffen können. Das ist schon schräg genug – doch dann trifft Birdwell auf eine junge Frau, die er faszinierend findet und die ihn noch mehr in seltsame Gefilde hinein zieht.

Die Geschichte ist im »wirklichen« England angesiedelt, irgendwo zwischen London und ländlichen Regionen. Wer schon einmal in Großbritannien war, kann die Schauplätze einordnen; sie wirken glaubhaft. Aber genau dadurch werden sie so phantastisch: Leonie Swann bevölkert die bekannte Stadt mit Fabelwesen und seltsamen Menschen, mit auffallenden Charakteren und merkwürdigen Sitten. Da taucht auf einmal eine Schneckenfrau auf, da muss man sich mit Nixen herumschlagen, und ein Floh namens Lazarus Dunkelsprung wird immer bedeutender.

Das klingt nicht nur absonderlich, das ist es streckenweise auch. Leonie Swann erzählt ihre Geschichte mit unglaublich viel Phantasie, mit augenzwinkerndem Humor und mit einem Sinn für ungewöhnliche Wendungen. Man gewinnt als Leser die Figuren richtiggehend lieb, man folgt ihnen mit viel Vergnügen durch die Handlung, die mal sehr realistisch anmutet, dann wieder wie ein Märchen wirkt, insgesamt aber stets Phantastik auf einem wunderbaren Niveau liefert.

Mir ist es ein wenig schleierhaft, wieso dieser Roman nicht die Aufmerksamkeit erhalten hat, die ihm gebührt. Vielleicht weil er sich zwischen mancherlei Stühle setzt: Die Autorin ist vor allem bei den Lesern von witzigen Krimis und »Frauenbüchern« populär, und mit »Dunkelsprung« hat sie definitiv einen Roman verfasst, der für viele Leser zu »abgefahren« ist. Dem klassischen Fantasy-Leser dürfte zum Ausgleich zu viel Realität in der Geschichte stecken.

Sagen wir’s so: Wer »Harry Potter« mochte, sollte »Dunkelsprung« unbedingt antesten (Die Leseprobe auf der Verlags-Website ist dabei hilfreich). Er oder sie wird sich auf einen Roman einlassen, der unterhaltsam und abwechslungsreich ist. Mir hat das Werk auf jeden Fall viel Vergnügen bereitet, und ich empfehle es allen Menschen, die Phantastik im weitesten Sinne mögen.

Das Taschenbuch ist 384 Seiten stark, wurde mit einem Klappenbroschur-Umschlag ausgestattet und kostet 9,99 Euro. Veröffentlicht wurde es im Goldmann-Verlag. Mithilfe der ISBN 978-3-442-48542-0 kann man es in jeder Buchhandlung bestellen, ebenso bei Versendern wie Amazon. Wer mag, kann auch noch die wunderschön gestaltete Hardcover-Ausgabe kaufen; diese kostet 19,99 Euro und hat die ISBN 978-3-442-31387-7.

Ebenso gibt es das Buch als E-Book – unter anderem für den Kindle –, und es kostet in dieser Form dann 8,99 Euro. Wer lieber eine Hörbuch-Ausgabe bevorzugt, findet bei den einschlägigen Händlern unterschiedliche Versionen; die Qualität kann ich natürlich nicht beurteilen.

 

Klaus N. Frick