Die Redaktion empfiehlt: »Die Stimme einer Toten« von Olaf Kemmler Thriller-Erstlingswerk mit phantastischen Zügen

28. April 2015

Der Autor und Herausgeber Olaf Kemmler ist Science-Fiction-Fans vor allem dadurch bekannt geworden, weil er die Zeitschrift »Exodus« mitveröffentlicht. Seine eigenständigen Science-Fiction-Kurzgeschichten mochte ich bereits, deshalb las ich mit großem Interesse seinen ersten Thriller: »Die Stimme einer Toten« erschien als Taschenbuch im Blitz-Verlag und sollte nicht nur Krimifreunden großen Spaß bereiten.

Hauptfigur des Thrillers ist eine junge Frau namens Laura Herbst. Nachdem ihre Schwester viel zu früh gestorben ist, kann sie sich nicht vorstellen, dass das alles nur ein Unfall gewesen sein soll. Bald ist sich Laura sicher: Ihre Schwester, die sich in der sogenannten Gothic-Szene herumgetrieben hat, wurde ermordet.

Unheimliche Träume, die Laura in der Folge heimsuchen, tragen dazu bei, dass sie damit anfängt, selbst zu ermitteln. Nicht zuletzt deshalb, weil die Polizei sich weigert, ihrem Verdacht nachzugehen.

Laura findet bald heraus, dass der Schlüssel zu allen Geheimnissen tatsächlich ein altes Buch ist. In diesem geht es um sogenannte Hexenkräuter, denen alle möglichen Wirkungen nachgesagt werden. Spätestens dann ist klar, dass auch Laura in Gefahr ist, von ihren Widersachern umgebracht zu werden ...

Zur Hauptfigur gesellen sich bald einige schön gezeichnete Nebenhauptfiguren: Ein unrasierter, anfangs mürrischer, später aber immer sympathischer wirkender Jung-Kommissar  sowie ein knorriger Rentner mit viel Zeit und einem schrägen Humor werden zu den Helfern einer jungen Frau, die von ihrem Ziel nicht abzubringen ist.

Streckenweise war ich mir bei der Lektüre nicht sicher, ob der Autor vielleicht doch einen phantastischen Roman schreiben wollte und diesen als Thriller tarnt. Aber Olaf Kemmler bleibt auf der »seriösen Seite«: Das einzig phantastische Element seines Romans sind die Träume seiner Hauptfigur, die er packend zu schildern weiß, ansonsten ist sein Roman komplett im »Hier und Jetzt« verankert.

Weil der Autor sich klar auf die Perspektive seiner Hauptfigur konzentriert, schafft er es stets, die Handlung übersichtlich zu steuern. Der Leser fiebert mit Laura mit, er forscht an ihrer Seite – und er irrt mit ihr zusammen durch eine Welt von rätselhaften Hinweisen. »Die Stimme einer Toten« ist dabei kein überragender Thriller, aber ein gelungener Einstieg, zu dem ich Olaf Kemmler nur gratulieren kann.

Wer sich angenehm unterhalten lassen und einen neuen Krimi-Autor aus Deutschland entdecken möchte, ist bei diesem Werk auf jeden Fall sehr gut beraten. (Und wer ganz nebenbei gern nach Seitenhieben auf Science-Fiction-Autoren aus dem Großraum Wuppertal suchen mag, für den ist dieser Roman sowieso ein riesiger Spaß!)

Erschienen ist das Taschenbuch in der Reihe »Bergischer Thriller«. Es umfasst 384 Seiten und kostet 12,95 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-89840-017-6 kann man es in allen Buchhandlungen kaufen, ebenso bei Versendern wie Amazon.

Selbstverständlich gibt es den Roman auch als E-Book, unter anderem für den Kindle – in dieser Version kostet er 4,99 Euro.

Auf der Internet-Seite des Blitz-Verlages gibt es weitergehende Informationen zu dem Roman sowie eine kostenlose Leseprobe.

Klaus N. Frick