Die Redaktion empfiehlt: »Die schützende Hand« von Wolfgang Schorlau Ein Krimi mit erschreckend viel Realität

27. April 2017

Um es vorwegzunehmen: Wer sich in einer Science-Fiction-Serie wie PERRY RHODAN mit der Manipulation von »Wahrheiten« beschäftigt, sollte sich diese Buchempfehlung durchaus mal anschauen ...

Der Schriftsteller Wolfgang Schorlau zählt zu den Autoren im deutschsprachigen Raum, die in ihren Romanen immer wieder aktuelle Themen aufgreifen. Damit überschreitet er bewusst die Grenzen zum politischen Sachbuch. Obwohl seine Romane manchmal sperrig erscheinen, kommt er damit immer wieder auf die Bestsellerlisten.

Ein sehr gutes Beispiel ist der Roman »Die schützende Hand«. Hunderttausende von Menschen kauften ihn, was mich auch neugierig machte. Ich las den Roman dann mit wachsender Spannung, obwohl mich einige Dinge nicht so sehr ansprachen. Und als ich damit fertig war, empfahl ich ihn vielen Lesern weiter. Aber seien wir ehrlich: Müsste man »Die schützende Hand« als reinen Krimi betrachten, wäre es kein guter Roman. 

Der Autor versucht die unheimliche Mordserie des NSU – also diese rechtsradikale Terrorgruppe, die zahlreiche Menschen ermordete – in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Sein Held, der Privatdetektiv Georg Dengler, wird zu Beginn des Romans von einem Unbekannten kontaktiert. Er bekommt eine ordentliche Geldsumme und ein Handy, dazu einen Auftrag: Er soll herausfinden, wer die beiden rechtsradikalen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Bönhardt wirklich ermordet hat. Das verwundert Dengler – denn alle staatlichen Untersuchungen haben doch ergeben, dass die beiden Selbstmord begangen haben, um nicht verhaftet zu werden.

Dengler beginnt zu ermitteln und zu stöbern, und recht schnell wird ihm klar, dass er in ein Wespennest gestochen hat. Ihm fallen die Widersprüche auf, die Fehler in den Ermittlungen, die zahlreichen Aussagen der Polizei und der Verfassungsschützer, die einfach nicht stimmen können – und er bekommt Ärger mit Unbekannten.

Lässt man sich auf das Buch ein und auf die Tatsache, dass der Autor zeitweise wohl nicht wusste, ob er einen Krimi oder ein spekulatives Sachbuch schreiben wollte, macht die Lektüre richtig Spaß. Mit wachsendem Staunen folgte ich den Enthüllungen des Detektivs, betrachtete die dokumentarischen Fotos und kam auf sehr ähnliche Schlussfolgerungen wie Wolfgang Schorlau und sein Ermittler. Das muss man alles nicht glauben – aber man muss den verschwörerischen Tonfall des Buches schon mitmachen.

Ob Wolfgang Schorlau ein guter Autor ist, kann ich nach diesem Buch nicht sagen. Ich fand den Roman spannend, ich mochte die Art und Weise, wie er den »NSU-Komplex« beleuchtete. Wer sich gern mit »Fake News« und verschiedenen Wirklichkeiten beschäftigt, kommt hier auf seine Kosten. Während ich das Buch las, wollte ich auch nicht ernsthaft nachprüfen, ob alle Fakten stimmen – ich glaubte dem Ermittler das, was er herausfand. Insofern hat der Roman für mich hervorragend »funktioniert«.

Tatsächlich ist er auch und gerade für Science-Fiction-Fans spannend. Wer sich gern mit der Wirklichkeit und den Fährnissen der Realität beschäftigt, wird bei allen Themen rings um den Nationalsozialistischen Untergrund auf zahllose Seltsamkeiten stoßen. Das alles greift Schorlaus Roman auf und gießt es in ein Szenario, das sehr glaubhaft erscheint.

Der Roman ist bereits Ende 2015 erschienen; da das Thema immer noch aktuell ist, kann man ihn auch heute noch vorstellen. Das 384 Seiten starke Paperback mit Klappenbroschur wurde vom KiWi-Verlag veröffentlicht; es kostet 14,99 Euro.

Mithilfe der ISBN 978-3-462-04666-3 kann man den Roman in allen Buchhandlungen bestellen, ebenso bei Versendern wie Amazon. Es gibt auch eine E-Book-Ausgabe; diese kostet 12,99 Euro.

Die schützende Hand
Schorlau, Wolfgang
Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co KG
ISBN/EAN: 9783462046663