Die Redaktion empfiehlt: »Die neuen Sprachen von Pao« von Jack Vance Limitierte Neuauflage eines SF-Klassikers

5. Mai 2015

Eines der ersten Science-Fiction-Taschenbücher, das ich las, stammte von dem amerikanischen Autor Jack Vance. Das war Ende der 70er-Jahre, und ich machte mir noch keine Gedanken über die Qualität einer Übersetzung oder die einheitliche Länge der »Terra«-Taschenbücher. Der Roman hieß »Der neue Geist von Pao« und begeisterte mich.

In den Jahren danach lernte ich weitere Vance-Romane schätzen; sie steckten voller phantastischen Ideen und ungewöhnlicher Charaktere. Ich erkannte auch, wie sehr die früheren Ausgaben seiner Werke hierzulande gekürzt worden waren.

Mittlerweile liegt der Pao-Roman in einer neuen Übersetzung durch Andreas Irle vor, die dieser in seinem eigenen Verlag publiziert hat. Das Buch ist unter dem Titel »Die neuen Sprachen von Pao« erschienen, es ist ungekürzt und basiert auf der aktuellen amerikanischen Ausgabe. Weil der Hardcover-Band in einer extrem limitierten Auflage von nur 150 Exemplaren gedruckt wurde, ist der Preis entsprechend hoch.

Lohnt sich denn die Anschaffung? Die Frage ist schwer zu beantworten, die Antwort hat sehr viel mit persönlichem Geschmack zu tun. Ich genoss die Lektüre des Romans, und ich werde weitere Vance-Romane aus der Edition Andreas Irle bestellen. Vance zählt zu Recht zu den Klassikern der Science Fiction, und der Autor hat eine so schöne Ausgabe wirklich verdient.

Der Roman selbst spielt in einer fernen Zukunft; man erfährt nicht, wie weit sie von unserer Zeit entfernt ist. Längst haben sich die Menschen in der Milchstraße ausgebreitet und zahllose planetare Kulturen aufgebaut. Die Erde gibt es noch, sie wird gelegentlich erwähnt, aber sie spielt offenbar keine führende Rolle mehr. Letztlich geht es sowieso nur um den Planeten Pao.

Pao ist eine dicht bevölkerte Welt: Gut fünfzehn Milliarden Paonesen besiedeln die Kontinente, es handelt sich um ein gelassenes Volk, das weder zum Widerspruch noch zum Widerstand neigt. Auch die Sprache ist eher gemütlich; es gibt so gut wie keine Gut-Schlecht- oder Größer-Kleiner-Vergleiche, und sie plätschert gewissermaßen vor sich hin. Kein Wunder, dass es einer Bande von Piraten von einem nahe gelegenen Planeten gelingt, mit einigen tausend Mann ganz Pao zu unterdrücken und künftig einen Tribut aus den Bewohnern der Welt herauszupressen.

Was kann man dagegen tun? Man erzieht die Bevölkerung um. Das geschieht, indem einige Ländereien vom »normalen« Pao abgetrennt werden. Dort siedelt man junge Leute an, die von frühester Jugend im Geist von neuen Sprachen erzogen werden – anfangs ohne jeglichen Kontakt zur Normalbevölkerung. So entsteht ein Volk von Kriegern, ebenso ein Volk von Technikern, und langsam verändert sich der Planet Pao.

Ob die Science-Fiction-Idee, die Jack Vance seinem Roman zugrunde legt, wissenschaftlich fundiert ist, bezweifle ich. 1957 war es eine außergewöhnliche Idee, die auch heute noch fasziniert: Kann man das Bewusstsein von Menschen – oder gar von ganzen Staaten – verändern, indem man neue Sprachen einführt? Kann Linguistik letztlich ein Weg dazu sein, dass Konflikte entstehen oder auch verhindert werden?

Der Science-Fiction-Klassiker fesselt noch heute. Vance schafft es, in diesem Roman eine phantastische Stimmung zu vermitteln, ohne dass es viel Action gibt. Der Roman beginnt eher langsam, er wird auch nie zu einem spannenden Werk, aber erzeugt die ganze Zeit eine wachsende Faszination. Ich stellte fest, dass er mich 2015 erneut zu fesseln verstand – eine echt gelungene Lektüre.

»Die neuen Sprachen von Pao« sieht schön aus: ein Hardcover mit Leinenbezug, schlicht und edel gestaltet. Die 186 Seiten sind aufgrund der geringen Auflage recht hochpreisig – das Buch kostet 50 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-936922-23-3 ist es in jeder Buchhandlung zu bestellen, ebenso bei Versendern wie Amazon; wer aber einen kleinen Verlag unterstützen möchte, bestellt dort direkt.
 

Klaus N. Frick