Die Redaktion empfiehlt: »Der Tag, an dem das UFO vom Himmel fiel« von David Halperin Zwischen Ufo-, Jugend- und Science-Fiction-Roman

25. Februar 2013

»Ich erforsche UFOs, weil sie, im Gegensatz zu Gott, real sind und man sie sehen kann.« Das sagt Danny Shapiro, ein amerikanischer Jugendlicher, der in den frühen 60er-Jahren in ungeheuerliche Geschehnisse verwickelt wird. Danny zählt zu einer Gruppe von Jugendlichen, die sich in dieser Zeit für Unbekannte Flugobjekte interessieren. Sie lesen alle möglichen Berichte, sie forschen selbst in Archiven und notieren ihre Erkenntnisse. Als Danny selbst ein UFO sieht, das im Dezember 1962 vom Himmel fällt, verändert sich seine Welt komplett ...

David Halperin war Theologie-Professor, und gleich mit seinem ersten Roman legt er eine reizvolle Mischung vor: »Der Tag, an dem das UFO vom Himmel fiel« ist kein reiner Science-Fiction-Roman, er spielt aber mit allen Motiven der phantastischen Literatur und stellt einen ungewöhnlichen Charakter vor. Danny Shapiro ist nämlich ein Jugendlicher, der voller eigener Probleme steckt, der eine reichhaltige Phantasie besitzt und sich recht schnell unglücklich verliebt.

Die Folge: Als Leser weiß man während der Lektüre des Romans häufig nicht, was er der Hauptfigur »glauben« soll und was nicht.

Für Danny ist die Jagd nach UFOS eine Möglichkeit, andere seltsame Jugendliche kennenzulernen und so aus seiner Außenseiter-Rolle herauszukommen. Während sich seine Gedanken auf die Außerirdischen richten und er diese sogar kennenlernt, kann er verdrängen, dass er eine todkranke Mutter und einen gefühlskalten Vater hat, mit denen er nicht viel anzufangen weiß. Und wenn er all seine UFO-Beobachtungen aufschreibt, befreit er sein Bewusstsein von dem Druck, der zu Hause auf ihm lastet.

Kurz darauf werden aber seine Notizen gestohlen, Danny hat eine extrem merkwürdige Begegnung in der örtlichen Bibliothek, und dann wird er tatsächlich von Außerirdischen entführt. Seine Reise ist seltsam, manchmal weiß der Junge nicht, was Realität ist und was nicht. Zu einem bizarren Höhepunkt gelangt die Geschichte letztlich in Palästina, wo Danny zwischen Arabern und Israelis um sein Leben rennen muss ...

Die Kurzfassung des Romans klingt verwirrend, der Roman ist es ebenfalls. David Halperin erzählt seine Geschichte mit Vor- und Rückblenden. Sie ist dennoch unterhaltsam, weil der Autor stets sehr eng am Charakter seiner Hauptfigur bleibt und alles wesentliche aus Dannys Perspektive erzählt. Recht schnell wird dem Leser bewusst, dass viele Geschehnisse nur in Dannys Kopf stattfinden – doch bis zum Ende des Buches ist eben nie komplett klar, wieviel Realität jetzt wirklich wo existiert.

Für beinharte Science-Fiction-Fans ist »Der Tag, an dem das UFO vom Himmel fiel« möglicherweise keine Science Fiction; dafür passt das Buch zu sehr zur »allgemeinen« Literatur und bezieht seine Spannung zu einem großen Teil aus dem Innenleben der Hauptfigur. Der Roman lebt von seinen Beschreibungen, von den sauber geschilderten Bildern und den persönlichen Konflikten – das ist richtig klasse. Die Verwirrung beim Leser ist gewünscht, das muss man bei der Lektüre aushalten ...

Mir hat das Buch großen Spaß bereitet. Es ist unterhaltsam und abwechslungsreich, mal witzig, dann wieder todtraurig, unterm Strich psychologisch dicht erzählt. Kein gewöhnlicher Science-Fiction-Roman – aber ein starkes Stück Literatur!

Erschienen ist »Der Tag, an dem das UFO vom Himmel fiel« im Goldmann Verlag als Hardcover mit Schutzumschlag. Es umfasst 384 Seiten und kostet 19,99 Euro. Die ISBN 978-3-442-31278-8 ist dabei behilflich, es in einer Buchhandlung zu bestellen; ebenso bekommt man es bei Versendern wie amazon.de. Übrigens gibt es auch eine E-Book-Version, etwa für den Kindle – diese kostet 15,99 Euro.
 

Klaus N. Frick
 

 

Der Tag, an dem das UFO vom Himmel fiel
Halperin, David
Goldmann Verlag
ISBN/EAN: 9783442312788