Die Redaktion empfiehlt: »Der Mann, der Lucky Luke erschoss« von Matthieu Bonhomme Wie man einen klassischen Westernhelden modernisieren kann ...

4. April 2017

Seit der erste Band der Western-Parodie »Lucky Luke« erschienen ist, sind über siebzig Jahre vergangen. Die Künstler, die vor allem in den 50er- und 60er-Jahren für den Welterfolg des Comic-Klassikers sorgten, sind längst verstorben; jüngere Autoren und Zeichner traten an ihre Stelle. Trotzdem soll »Lucky Luke« nicht sterben – also überlegt sich der französische Originalverlag immer wieder etwas Neues, um die Marke zu beleben.

Mit »Der Mann, der Lucky Luke erschoss« liegt der erste Teil einer Hommage-Reihe vor. Verantwortlich dafür ist der Zeichner Matthieu Bonhomme, der mit einer Comic-Serie namens »Texas Cowboys« schon einige Erfahrungen sammeln konnte. Wenn er sich des mythischen Helden Lucky Luke annimmt, kann man davon ausgehen, dass keine konventionelle Geschichte dabei herauskommt. Und man kann sich denken, dass nicht jeder Leser das mögen wird, was sich Bonhomme textlich wie zeichnerisch ausdenkt ...

Es geht entsprechend düster los: mit einem Duell, an dessen Ende ein toter Lucky Luke im Dreck einer unbedeutenden Stadt im Wilden Westen liegt. So einen Start haben die Fans von »Lucky Luke« in all den Jahrzehnten nicht zu Gesicht bekommen. Es geht realitätsnah weiter; so viel sei aber schon verraten: Selbstverständlich stirbt Lucky Luke in diesem Comic-Band nicht, aber er spielt tatsächlich mit Leben und Tot.

Der Leser erhält eine echte Western-Geschichte, in der Postkutschen und ein Sheriff ebenso vorkommen wie der Zigaretten-Konsum des Helden. Das ist gelegentlich auch witzig, meist aber eher ernsthaft – also alles andere als ein typischer »Lucky Luke«-Band. Bonhomme erzählt die Geschichte geradlinig, zitiert gelegentlich Filme und behält seinen Respekt vor der siebzig Jahre umfassenden Tradition bei.

Der Autor kennt den Western-Klassiker, und er weiß, an welchen Stellen er zitieren kann. Augenzwinkernd macht er beispielsweise klar, warum der liebenswerte Cowboy irgendwann seine dauernde Zigarette mit einem glimmenden Strohhalm vertauscht hat. Die Texte sitzen, auch wenn die Dichte an Gags nicht so hoch ist wie in der klassischen Phase der 60er- und 70er-Jahre.

Zeichnerisch braucht sich Bonhomme auch nicht zu verstecken. Sein Lucky Luke wirkt deutlich realistischer, aber man erkennt deutlich, wie sehr er sich vor dem künstlerischen Vorbild verneigt – er hat die Morris-Klassiker gelesen und die Grafik sehr schön adaptiert. Das ist modern und richtig gut gemacht, und es sieht nicht fremdartig oder zu fremd aus.

Was Bonhomme ebenfalls richtig macht: Er verzichtet darauf, eine Parodie zu veröffentlichen. »Lucky Luke« an sich ist eine Parodie auf die klassischen Western-Filme – was also brächte es, die Parodie zu parodieren? Der Künstler nimmt die Serie ernst, und das spürt man: Bei allen Versuchen, das bisherige Erzählschema aufzubrechen, bleibt Bonhomme dennoch dem guten alten »Lonesome Cowboy« verpflichtet.

Der Comic ist als Hardcover-Band in der Ehapa Comic Collection erschienen, umfasst 64 Seiten und kostet 15 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-7704-3925-6 kann er in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso im Comic-Fachhandel oder bei Versendern wie Amazon. Nicht nur für Western-Fans zu empfehlen – auch für diejenigen, die »Lucky Luke« als Kind und Jugendlicher mochten und heute sehen wollen, was aus dem Klassiker wurde.

Klaus N. Frick

 

Der Mann, der Lucky Luke erschoss
Bonhomme, Matthieu
Ehapa Comic Collection
ISBN/EAN: 9783770439256