Die Redaktion empfiehlt: »Der Hintermann« von Daniel Silva Ein Thriller über den Anti-Terror-Krieg

31. März 2015

Attentate, Terror, Krieg – wenn man in den ersten Wochen und Monaten des Jahres 2015 die Nachrichten verfolgte, bekam man wenig Positives vermittelt. Da bietet es sich an, als konsequente Ergänzung einen Roman zu lesen, in dem es von der ersten bis zur letzten Seite um den Kampf gegen Terror geht.

»Der Hintermann« von Daniel Silva erschien hierzulande bereits 2013 als Hardcover-Band, die Taschenbuchausgabe gibt es seit 2014 – und ich habe sie mit großer Faszination gelesen. Dabei ist die politische Weltsicht des Autors, um es vorsichtig anzudeuten, nicht unbedingt die meine. Wie er es aber schafft, seine Helden durch eine ungemein spannende Handlung zu scheuchen, das ist schon sehr gut gemacht ...

Der Autor lässt es gleich zu Beginn krachen: Mehrere Terror-Anschläge erschüttern europäische Städte, die zahlreiche Todesopfer fordern. In London könnte Gabriel Allon, ein ehemaliger Agent des israelischen Geheimdienstes, sogar selbst ein Attentat verhindern – doch zwei Polizisten hindern ihn aufgrund eines Irrtums daran. Nach den vielen Toten im Zentrum der britischen Hauptstadt ist Allon wieder mitten drin im Anti-Terror-Krieg.

Wie es sich herausstellt, steckt hinter den aktuellen Selbstmordanschlägen ein dschihadistischer Prediger, der jahrelang vom amerikanischen Geheimdienst CIA aufgebaut wurde. Jetzt aber ist er in den islamistischen Untergrund abgetaucht und plant anscheinend eine große Attacke auf die »westliche Welt«. Die einzige Chance, die der israelische und der amerikanische Geheimdienst haben, wird von Gabriel Allon vorangetrieben: Man muss jemanden in die Reihen der Dschihadisten einschleusen. Dieser Jemand ist ausgerechnet eine junge Araberin, deren Vater vor Jahren von Allon erschossen worden ist ...

Es handelt sich bei »Der Hintermann« um einen Teil der Gabriel-Allon-Serie. Wer sich mit dieser Serie auskennt, wird zahlreiche Bezüge verstehen; ihm wird auch klar sein, warum sich manche Figur wie verhält. Wer sich nicht auskennt, kommt dennoch schnell in das Geschehen hinein – die Handlung ist so gestaltet, dass ein »Neuleser« überhaupt nicht überfordert wird und den Roman völlig losgelöst von den anderen Bänden der Serie lesen kann.

Keine Frage: Was der Autor hier auffährt, ist ein knallhartes Geheimdienstdrama mit vielen persönlichen Verwicklungen seiner Hauptfiguren, einem klarem Blick auf den islamistischen Untergrund und einer sehr konservativen Weltsicht. Gut und Böse sind klar getrennt – wobei Daniel Silva klar zwischen »normalen« Muslimen und Terroristen unterscheidet. Aber dass der Autor sowie sein Held klar auf der Seite Israels stehen, liegt nahe.

Was ich persönlich am interessantesten fand, war die Tatsache, dass der Roman auch dann spannend ist, wenn vorgeblich nicht viel passiert. Der Autor schafft es, sogar Besprechungen so zu gestalten, dass man geradezu mitfiebert, dass man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht und ob sich die Pläne der Hauptfiguren überhaupt so erfüllen. Er ist dicht an seinen Figuren dran, er macht stets klar, wie sie denken und fühlen – und damit erzeugt er die spannende Unterhaltung in diesem Thriller.
 

Klaus N. Frick

 

Der Hintermann
Silva, Daniel
Piper Verlag
ISBN/EAN: 9783492304788