Die Redaktion empfiehlt: »Deepwater Prison« von Christophe Bec / Stefano Raffaele Ein ausbruchssicherer Knast als SF-Vision

8. Januar 2015

Ein Dutzend Jahre in der Zukunft: Um besonders gefährliche Straftäter möglichst perfekt unterzubringen, hat die amerikanische Regierung ein Hochsicherheitsgefängnis errichten lassen. In einem Meeresgraben des Atlantischen Ozeans, fast einen Kilometer unter dem Meeresspiegel, steht Deepwater Prison: ausbruchssicher, hundertprozentig abgeriegelt und von vielen Geheimnissen umwittert.

Das ist der Ausgangspunkt für den neuen Science-Fiction-Comic, den der französische Autor Christophe Bec verfasst hat. Der erste Band des Dreiteilers erschien unter dem Titel »Constellation« im Splitter-Verlag und macht bereits auf die Fortsetzung neugierig. Das liegt sowohl an der packenden Story als auch an den realistisch anmutenden Zeichnungen von Stefano Raffaele.

Der Autor und der Zeichner haben schon mehrfach zusammengearbeitet, unter anderem bei der erfolgreichen Science-Fiction-Serie »Prometheus«. Das eingespielte Team zeigt auch bei dieser neuen Trilogie, dass es sein Handwerk versteht: Die Katastrophe auf einer Ölbohrinsel gleich zu Beginn der Geschichte, die Vorstellung des Protagonisten, der wegen einer Gewissensentscheidung ins Gefängnis muss, die düstere Situation im Untersee-Knast – das alles wird mitreißend erzählt und ist sehr ansprechend gezeichnet.

Selbstverständlich ist die Grundlage der Geschichte nicht völlig neu. Dass man in Science-Fiction-Stories die Häftlinge in ausbruchssichere Gefängnisse steckt, aus denen dann – natürlich! – trotzdem irgendwann ausgebrochen wird, ist fast schon ein Klischee. Dass der Held ein Mann ist, der seinem Gewissen folgt, der eigentlich nicht in den Knast gehört und der unter dem Druck der Verhältnisse nicht zerbricht – das gehört ebenfalls dazu.

Handlungsklischees stören aber zumindest mich nicht, wenn die Geschichte funktioniert. Die Darstellung des Gefängnisses und seiner Verhältnisse bekommen der Autor und der Zeichner so glaubhaft wie möglich hin. Intrigen und Verhandlungen auf politischem Parkett oder faszinierende Unterwasserbilder sorgen durch die unterschiedlichen Szenarien für Abwechslung – auf die Dauer wäre der düster beleuchtete Knast allein wohl auch zu langweilig geworden.

An drastischen Bildern wird eh nicht gespart. In Deepwater Prison gehören Vergewaltigungen und Misshandlungen offenbar zur Tagesordnung; sadistische Wärter und gemeingefährliche Banden regieren mit eiserner Hand. Und in der unterseeischen Welt treibt sich zudem allerlei Getier herum, das sogar einem Tauchboot gefährlich werden kann ...

Alles in allem ist »Constellation« der gelungene Startschuss zu einer neuen Trilogie. Wenngleich Bec und Raffaele das Comic-Rad nicht neu erfinden, liefern sie rundum unterhaltsame Science-Fiction- oder Thriller-Unterhaltung. Der zweite Band ist in Frankreich bereits im Handel und sollte im Jahr 2015 auch bereits in den deutschsprachigen Raum kommen. Ich bin gespannt!

Band eins von »Deepwater Prison« ist als 48 Seiten starker Hardcover-Band erschienen; er kostet 14,80 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-95839-017-1 kann er überall im Buch- und Comicfachhandel bestellt werden, auch bei den bekannten Versendern wie Amazon oder direkt im Online-Shop des Splitter-Verlags. Dort gibt es übrigens eine kostenfreie Leseprobe.
 

Klaus N. Frick

 

Deepwater Prison 1
Bec, Christophe
Splitter Verlag GmbH & Co. KG
ISBN/EAN: 9783958390171