Die Redaktion empfiehlt: »Das Schwert und die Lämmer« von Claudia Kern Der Kinderkreuzzug als packender Roman

6. Juli 2012

Von Claudia Kern habe ich im Lauf der Jahre vergleichsweise viel gelesen: Serienromane unter anderem für PERRY RHODAN oder »Professor Zamorra«, Artikel für Zeitschriften wie die »Space View« oder »Geek!«, Fantasy-Romane sowohl für die »Elfenzeit«-Serie als auch mit eigenen Ideen in der Trilogie »Der verwaiste Thron«. Dass die Autorin gut schreiben kann, war mir also schon lange bekannt – mit »Das Schwert und die Lämmer« hat sie mich allerdings so sehr gefesselt wie bisher mit keinem ihrer Romane.

Es handelt sich um einen historischen Roman, angesiedelt im Mittelalter des 13. Jahrhunderts. Die Geschichte beginnt im Rheinland, aus dieser Gegend stammt auch die mittlerweile in Berlin lebende Autorin. Ihre Hauptfigur ist eine verwitwete Magd namens Madlen, die harte Arbeit auf einer Burg zu verrichten hat und komplett unter der geistig-moralischen Knute der katholischen Kirche steht.

Gleichzeitig aber steckt eine Portion Widerspruchsgeist in Madlen. Dieser bringt sie dazu, gegen eine Anordnung »von oben« zu verstoßen und eine Pilgerreise nach Köln anzutreten. Dort will sie ihre Söhne besuchen, die bei einem Schreiner in der Lehre sind. Mit vielen anderen Menschen gerät sie in den Bann des Schafhirten Nicolaus, der sich als charismatischer Redner erweist. Er fordert die Armen und die Kinder dazu auf, einen Kreuzzug ins Heilige Land zu unternehmen, um Jerusalem von den »Heiden« zu befreien.

Der Kinderkreuzzug, wie ihn die Historiker später nennen sollten, zieht den Rhein entlang in Richtung Süden und wird auf seinem Marsch immer größer. Als er die Schweiz und den Rand der Alpen erreicht, besteht der Kreuzzug aus Tausenden von Menschen, die in christlichem Fanatismus glauben, dass sich vor ihnen das Mittelmeer öffnen wird, damit sie trockenen Fußes bis nach Palästina gehen können. Das ganze endet in einem fürchterlichen Desaster.

Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Was sich in der kurzen Zusammenfassung bereits derb liest, ist streckenweise harte Kost: Claudia Kern schildert das Mittelalter als eine harte, oft grausame Zeit. Frauen genießen so gut wie keine Rechte, die Standesordnung wird eisern eingehalten, und wer gegen die Regeln verstößt, erhält selten Gnade.

Die Autorin schildert alles mit den Augen ihrer »Heldin«: Madlen glaubt den Heilsversprechen der katholischen Kirche, und sie hasst Juden – ohne zu wissen, wie diese aussehen – sowie andere »Ungläubige«. Strafen sieht sie als von Gott gegeben an, Entbehrungen treffen vor allem die Sünder und andere Menschen, die sie »verdient« haben. Die Charakterisierung der Hauptfigur empfinde ich zumeist als glaubwürdig, sie ist zudem fesselnd und zieht einen unweigerlich in das Geschehen hinein.

»Das Schwert und die Lämmer« ist ein außerordentlich packender Roman, der ohne jegliches phantastisches Element auskommt. Claudia Kern stellt Menschen in Extremsituationen dar, sie zeigt Verzweiflung und Hass ebenso wie Menschlichkeit und Liebe. Das liest sich spannend und abwechslungsreich – ich habe den Roman mit großer Faszination durchgeschmökert.

Erschienen ist der Roman als Taschenbuch bei Blanvalet; es umfasst 480 Seiten und kostet 9,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-442-37439-7 kann es überall im Buchhandel bestellt werden, selbstverständlich auch über Versender wie amazon.de. Übrigens gibt es den Roman als E-Book; in der Kindle-Version kostet er 8,99 Euro.

Wer sich vorher ein wenig mit dem Thema beschäftigen möchte, findet auf der Internet-Seite des Verlages eine Leseprobe. Hintergründe zur Autorin und ihren Romanwerken gibt es auf Claudia Kerns eigener Homepage.

Klaus N. Frick
 

 

Das Schwert und die Lämmer
Kern, Claudia
Blanvalet Taschenbuch Verlag
ISBN/EAN: 9783442374397