Die Redaktion empfiehlt: »Das Lächeln der Signorina« von Andrea Camilleri Ein Kommissar gerät auf Abwege

8. März 2017

Auch wenn der italienische Schriftsteller Andrea Camilleri in seinem Heimatland vor allem für seine politisch-gesellschaftlichen Romane geschätzt wird, kennt man im deutschsprachigen Raum von ihm die Krimis, die bei Lübbe veröffentlicht werden. In diesen ermittelt der Commissario Montalbano zwischen gutem Essen und gutem Wein, zwischen der Mafia und der lokalen Unterwelt. Ganz nebenbei wird viel über das Lebensgefühl in Sizilien erzählt.

Der Roman »Das Lächeln der Signorina« passt wunderbar in die erfolgreiche Reihe – und erzählt neben einer Krimihandlung mit viel Augenzwinkern die Geschichte einer erotischen Verwirrung ...

Man versteht den Roman ohne Vorkenntnisse; der Commissario und seine Beziehungen sprechen für sich und werden im Roman auf unterhaltsame Weise präsentiert.

Wobei man fairerweise sagen muss, dass sich der Reiz des Romans vor allem jenen Lesern erschließen wird, die schon mehr von Montalbano und seinen Mitstreitern gelesen haben. Die Witze innerhalb der Polizeitruppe empfindet man als witzig, wenn man weiß, dass sie als »Running Gags« dienen. Wer als völliger Neuleser einen Roman aus der Montalbano-Reihe liest, hat sicher nicht so viel Spaß daran.

Und der eigentliche Kriminalfall? Eine Reihe von Einbrüchen beschäftigt die Polizei. Wie sich rasch herausstellt, hängen die Einbrüche in mancherlei Hinsicht zusammen – und offenbar hat der Kopf der Einbrecherbande eine spezielle Freude daran, die Polizei zu veräppeln und ihr die Grenzen aufzuzeigen.

Montalbano und seine Beamten verbringen viel Zeit damit, Menschen zu verhören oder in langen Nächten auf der Lauer zu liegen, aber sie kommen lange Zeit nicht so richtig voran.

Als erfahrener Krimileser erkennt man allerdings schnell, in welche Richtung der Fall läuft. Insofern ist »Das Lächeln der Signorina« kein Krimi mit überraschenden Details, der einen packt oder fordert. Die Handlung macht Spaß, sie entfesselt allerdings keinen »mörderischen« Sog.

Letztlich ist der aktuelle Montalbano-Fall dann doch ein mehr oder weniger typischer Roman, der aus einer Serie stammt. Wer die Serie kennt und liebt, wird auch »Das Lächeln der Signorina« lieben – das sind viele –, wer bisher keinen Montalbano-Krimi gelesen hat, wird mit einem leichten und unterhaltsamen Krimi belohnt.

Als Zwischendurch-Lektüre kann ich den Roman somit auf jeden Fall empfehlen.

Erschienen ist »Das Lächeln der Signorina« als Hardcover mit Schutzumschlag. Er ist 256 Seiten stark und kostet 22,00 Euro. (Das Taschenbuch erscheint übrigens im August 2017.) Wer möchte, kann ihn mithilfe der ISBN 978-3-7857-2544-3 in jeder Buchhandlung bestellen, ebenso bei Amazon. Die E-Book-Ausgabe, unter anderem für den Kindle, gibt es für 16,99 Euro.
 

Klaus N. Frick

 

Das Lächeln der Signorina
Camilleri, Andrea
Bastei Lübbe AG
ISBN/EAN: 9783785725443