Die Redaktion empfiehlt: »Das Implantat« von Daniel H. Wilson Science Fiction aus der nahen Zukunft

18. Juli 2014

In den USA, keine zwanzig Jahre von unserer heutigen Zukunft entfernt. Dank der modernen Technik ist es möglich, auch komplizierte Krankheiten zu heilen: Epileptiker bekommen beispielsweise ein Implantat, das die »Anfälle« reduziert; Sprachbehinderte erhalten ein Implantat, das ihnen Fähigkeiten verleiht, die sie sonst nicht hätten. Doch was als Segen für die Menschheit betrachtet wird, kann auch ausgenutzt werden – das scheint leider eine Selbstverständlichkeit zu sein.

Während sich auf der einen Seite die Freunde der sogenannten Amp-Technologie zu Gruppen zusammenschließen, formieren ich auf der anderen Seite ihre Gegner. Es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen. Sie haben zur Folge, dass sich Amp-Träger in abgeschottete Wohnbezirke zurückziehen – und dann werden sie in diesen Gebieten abgeriegelt, von der Polizei abgeschirmt und vom Mob der verunsicherten Bürger belagert.

So düster sieht Daniel H. Wilson die Zukunft einer Technologie, die derzeit schon entwickelt wird. Der Autor, der einen Doktortitel für Robotik besitzt, lebt und arbeitet an der Westküste der USA; er weiß offensichtlich, wovon er schreibt. Seine technische Zukunft, die er anfangs kritisch und mit wachem Blick für die Möglichkeiten der Wissenschaft schildert, verwandelt sich am Ende zwar nicht in eine positive Utopie, bietet aber zumindest einen optimistischeren Blick.

Wilson erzählt in seinem Roman »Das Implantat« eine spannende Science-Fiction-Geschichte, die in der nahen Zukunft spielt und extrem realistisch wirkt. Seine grundlegende Idee ist in der Science-Fiction-Literatur nicht unbedingt neu, die Verbindung von Mensch und Maschine wurde schon von den Klassikern vergangener Jahrzehnte geschildert – doch Wilsons Welt ist so nahe an der unseren dran, dass die Lektüre seines Romans manchmal beklemmend wird.

Wenn er schildert, wie die Amp-Träger sich zuerst in abgeschottete Gebiete  flüchten, später dann in Lager gesperrt werden, hat er garantiert das Abschieben von Minderheiten vor Augen, ebenso die Konzentrationslager des Nazi-Regimes. Dass sein Roman nicht zu einer trockenen Abhandlungen wissenschaftlicher und politischer Fakten wird, ist ein Glücksfall – ähnliche Themen wurden in der Vergangenheit schon sehr langweilig geschildert.

Daniel H. Wilson erzählt die Geschichte eines Lehrers stets aus dessen Perspektive, dabei formuliert er im Präsens. Alles, was im Roman geschieht, wirkt unmittelbar und »dicht«; der Autor bleibt stets an seiner Hauptfigur dran und behält ihre Sicht bei. Die veränderten Sinneswahrnehmungen, die ein Implantat mit sich bringen kann, schildert er ebenso glaubhaft, wie Action oder emotionale Szenen; Gegner und Freunde seiner Hauptfigur werden dadurch ebenso klar gezeichnet.

Ob »Das Implantat« das Zeug zu einem modernen Klassiker hat, bezweifle ich; dafür ist die Idee nicht neu genug. Aber damit hat Wilson einen Roman geschaffen, der einen spannenden Blick in eine mögliche Zukunft wirft. Science-Fiction-Fans werden an ihm ihre Freude haben – er ist abwechslungsreich und spannend genug.

Er ist vor allem aber eine Empfehlung für jene Leser, die mit Science Fiction bisher wenig anfangen konnten. Für sie dürfte diese Zukunftsvision, die vom Verlag im übrigen nicht als Science Fiction vermarktet wird, mit all ihren technischen und gesellschaftlichen Folgen eine aufregende Lektüre sein.

Erschienen ist der Roman als Paperback – mit Klappumschlag – im Droemer-Verlag. Wer sich einlesen möchte, findet auf der Internet-Seite des Verlages kostenlose Leseproben sowie Informationen zum Autor.

»Das Implantat« ist 366 großzügig bedruckte Seiten stark und kostet 14,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-426-51348-4 ist er überall im Buchhandel erhältlich, ebenso bei Versandhändlern wie Amazon. Und selbstverständlich gibt es eine E-Book-Version, unter anderem für den Kindle, die 12,99 Euro kostet.
 

Klaus N. Frick

 

Das Implantat
Wilson, Daniel H
Droemer Knaur
ISBN/EAN: 9783426513484