Die Redaktion empfiehlt: »Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte« von Peter Heller Melancholische Endzeit-Science-Fiction

5. Juli 2013

Amerika in einer vergleichsweise nahen Zukunft: Eine verheerende Seuche hat die Bevölkerung ausgerottet, nur wenige Menschen haben in winzigen Gruppen überlebt. Zu ihnen gehört Big Hig, ein Pilot, der mit Bangley, seinem schießwütigen Nachbarn, und seinem Hund Jasper eine verzweifelte Notgemeinschaft eingegangen ist. Die zwei Männer helfen sich gegenseitig, sie wehren Plünderer ab, und sie richten sich in der Zeit nach der Katastrophe so gut wie möglich ein.

Das ist der Ausgangspunkt für den Roman »Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte« des amerikanischen Schriftstellers Peter Heller. Für Science-Fiction-Fans ist ein solches Weltuntergangs-Szenario ein alter Hut, und die Grundidee ist alles andere als überraschend – was Heller aber daraus macht, ist eine eindrucksvolle Schilderung menschlicher Gefühle und Handlungen.

Big Hig ist nämlich Pilot. Mit einer alten Cessna fliegt er über die Prärie und die Ausläufer des Gebirges hinweg, sein Hund als treuer Begleiter. Er erkundet das Gelände, und er wehrt »von oben« mögliche Angreifer ab. In seinen Naturbeobachtungen spiegelt sich der Niedergang der Menschheit, in seinen Erinnerungen lässt er die Katastrophe noch einmal Revue passieren. Mit aller Tragik: Big Hig erlöste seine eigene Frau von ihren Schmerzen, in dem er sie umbrachte ...

Weil er immer wieder Funksignale empfängt, die auf einen Flugplatz hindeuten, beschließt er irgendwann, diesen Signalen zu folgen und Kontakt aufzunehmen. Damit verändert sich Big Higs Blick auf die Welt. Aus unverhofften Begegnungen erwachsen zaghafte Beziehungen, und in aller Depression gibt es doch eine winzige Chance auf Hoffnung.

»Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte« ist ein Science-Fiction-Roman, den viele Fans dieses Genres nicht als Science Fiction betrachten werden. Weder spielen technische Neuerungen eine Rolle, noch geht es um die Begegnung mit fremden Lebewesen oder um andere typische SF-Elemente. Der Roman ist bei Eichborn erschienen, mittlerweile ein Imprint der Lübbe-Verlagsgruppe, wird aber auch nicht als Science Fiction vermarktet. Wer den Roman in einer Buchhandlung sieht, wird ihn als »normale«, eher anspruchsvolle Literatur betrachten.

Falsch ist das nicht: Peter Heller, der mit diesem Werk sein Debüt vorlegt, erzählt sehr literarisch und nicht unbedingt mit den Mitteln eines Genre-Romans. Seine Sprachbilder sind schön, sein Blick auf die Welt ist stets faszinierend, und manche Sätze lesen sich geradezu lyrisch.

Trotzdem ist sein Roman höchst unterhaltsam. Kein Wunder: Der Autor hält sich eng an die Innenperspektive seiner Hauptperson, beleuchtet die Welt gewissermaßen durch die Augen von Big Hig. Da sein »Held« mit wachen Augen durch die Welt geht, zieht das den Leser unweigerlich in das Geschehen hinein. Es gibt Action-Szenen, in denen geschossen und gekämpft wird, und es gibt Szenen von filigraner Schönheit, bei denen man als Leser am liebsten mitweinen würde.

Was Heller geschaffen hat, ist ein packendes Buch, das Themen wie Glück und Verzweiflung ebenso behandelt wie Tod und Verlust, Menschlichkeit und Zusammenhalt. Wer sich auf den Stil einlässt, der von der Übersetzerin Eva Bonné hervorragend übertragen wurde, wird mit einem ungewöhnlichen Roman belohnt. Ich war sehr beeindruckt!

Der Roman ist als 320 Seiten starker Hardcover-Band bei Eichborn erschienen und kostet 19,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-8479-0519-6 kann er in allen Buchhandlungen bestellt werden, auch bei Versendern wie amazon.de. Selbstverständlich gibt es auch eine E-Book-Version, die 14,99 Euro kostet und die es bei vielen E-Book-Portalen gibt, unter anderem für den Kindle.

Die Hörbuch-Version, die ich nicht kenne, wird von Olaf Pressler gesprochen und ist bei Lübbe-Audio erschienen. Es handelt sich dabei um eine bearbeitete Version, die auf sechs CDs herauskommt und 467 Minuten umfasst. Mithilfe der ISBN 978-3-7857-4840-4 gibt es sie in allen Buchhandlungen sowie bei Versendern wie amazon.de; sie kostet 19,99 Euro. Im Download steht sogar eine ungekürzte Version zur Verfügung.

Wer sich ein wenig mit dem Roman vertraut machen möchte, findet auf der Verlags-Homepage eine kostenlose Leseprobe sowie einen kurzen Werbefilm.
 

Klaus N. Frick
 

 

Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte
Heller, Peter
Eichborn
ISBN/EAN: 9783847905196
Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte
Heller, Peter
Bastei Lübbe AG
ISBN/EAN: 9783785748404