Die Redaktion empfiehlt: »Catwoman 7« von Genevieve Valentine / Garry Brown / Pat Olliffe Die doppelte Catwoman

23. Februar 2016

Dass es möglich ist, eine klassische Comicfigur so zu modernisieren, dass zwar ihr Mythos erhalten bleibt, sie aber trotzdem frisch und neu wirkt, das zeigen die amerikanischen Kreativen bei DC Comics derzeit mit »Catwoman«. Im deutschen Raum erschien zuletzt die siebte Ausgabe der Paperback-Reihe. Sie ist gut für sich verständlich und entfernt sich meilenweit von den üblichen Superhelden-Klischees.

In früheren Zeiten war die Figur der Catwoman vor allem dadurch gekennzeichnet, dass die Dame sehr kurvenreich war und gerne die Reichen bestahl – vor allem war sie eine Gegnerin von Batman. Bereits vor über einem Dutzend Jahren wurde die Figur einem »Relaunch« unterzogen und wesentlich pfiffiger positioniert; vor allem der Zeichner Darwyn Cooke schaffte es, ihr einen frechen Charakter zu verleihen.

Die amerikanische Schriftstellerin Genevieve Valentine ist für die weitere Veränderung der Figur zuständig. Bisher wurde Valentine vor allem durch ihre Kurzgeschichten bekannt; sie schrieb Fantasy und wurde für alle wichtigen Genre-Preise nominiert. Bei »Catwoman« versetzt sie die Katzenfrau in einen knallharten Mafia-Thriller.

In ihrer bürgerlichen Existenz als Selina Kyle ist Catwoman mittlerweile das Oberhaupt einer Mafia-Familie und muss mit anderen Mafia-Organisationen einen unerbittlichen Kampf um die Unterwelt von Gotham führen. Ihre Kontakte zu Batman und anderen Superhelden sind in dieser Zeit auf ein Minimum reduziert – was der Geschichte sehr gut tut –, und nun muss sie sich mit Widerständen in der eigenen Familie und mit den Mordanschlägen anderer Mafiosi herumschlagen.

Das ist spannend und schnell erzählt, vor allem auch deshalb, weil eine zweite »Catwoman« auf den Dächern der Metropole unterwegs ist. Das Rätsel löst sich für den Leser zwar schnell auf, es macht das Zusammenwirken der Figuren allerdings gleich faszinierender: Selina Kyle kann ihre Herkunft als Catwoman nicht verleugnen, muss sich aber in einer neuen Welt behaupten.

Die teilweise recht düstere Geschichte wird durch Bilder ergänzt, die nicht »schön«, sondern oftmals schroff und hektisch wirken. Verantwortlich für die Illustrationen sind die Zeichner Garry Brown und Pat Olliffe; die Unterschiede zwischen beiden sind teilweise echt drastisch. »Catwoman« wirkt nicht sonderlich sexy, sondern düster und grob, schnell skizziert und oftmals gegen den Mainstream gebürstet.

Ich fand's großartig. Wer sich von der Qualität der neuen »Catwoman« überzeugen möchte, kann dies anhand einer kostenlosen Leseprobe tun; diese steht auf der Internet-Seite des Panini-Verlages zur Verfügung. Bei Panini ist die deutschsprachige Ausgabe erschienen; sie ist 196 Seiten stark und kostet 19,99 Euro. Für diesen Preis erhält man ein schönes Paperback mit Klappumschlag; das Titelbild wirkt sehr »stylish«.

Mithilfe der ISBN 978-3-95798-468-5 kann das Paperback in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso bei Versendern wie Amazon, über den Shop des Verlages oder über jedes Comic-Fachgeschäft. Wer sich für cool gezeichnete Comics aus den USA begeistern kann und ein Herz für Krimis hat, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren.

Klaus N. Frick