Die Redaktion empfiehlt: »Bruno Brazil – Gesamtausgabe 1« von William Vance / Greg Rückkehr des coolen Comic-Agenten

31. Januar 2014

Ende der 60er-Jahre erblickten einige Comic-Serien das Licht der Welt, die bis heute für ihre jeweiligen Genres stilprägend sind. Dazu zählt auch »Bruno Brazil«: Die Serie erschien im deutschsprachigen Raum anfangs im »Zack«-Magazin und erlebte in späteren Jahrzehnten mehrere Neuauflagen. Jetzt hat der Ehapa-Verlag damit begonnen, die Serie in drei schönen Gesamtausgaben zu präsentieren – und ich habe den ersten Band gelesen.

Bruno Brazil ist eine Art Geheimagent in bester James-Bond-Manier: kühl und überlegen, gut aussehend und dynamisch. Seine weißen Haare unterscheiden ihn rein optisch von den üblichen Agenten; ansonsten aber ist er stets mit allen technischen Hilfsmitteln unterwegs. Er kennt sich mit Waffen und Technik aus, kann jederzeit ein Kommando anführen und wird stets für Geheimaktionen eingesetzt, die gewöhnliche Agenten nicht leisten können.

Die jeweiligen Einsätze bringen zudem einen »futuristischen« Aspekt ein, der in den späten 60er- und frühen 70er-Jahren wie Science Fiction wirkte: seltsame Strahlen beispielsweise, die Menschen verwirren können, geheimnisvolle Atombunker und anderes. Damit war die Serie keine Science Fiction, das ist schließlich auch »James Bond« nicht – aber sie spielte mit der Erwartungshaltung der Leser ihrer Zeit. Das liest sich heutzutage übrigens nach wir vor spannend, wenngleich die technische Entwicklung längst weiter ist.

Michel Régnier, der unter seinem Pseudonym Greg einer der einflussreichsten Comic-Zeichner des frankobelgischen Raums war, erarbeitete die Geschichten. Seine Figuren wirken für heutige Betrachter vielleicht ein wenig klischeehaft, waren damals aber originell – Geheimagenten, wie man sie sich vorstellte. Von Anfang an brachte er Frauen als Agentinnen ein, die nicht ganz dem üblichen Klischeebild entsprachen. Hauptsächlich aber ging es ihm darum, packende Action-Geschichten zu erzählen.

Mit William Vance, der eigentlich William Van Cutzem hieß, hatte er einen idealen Partner. Seine realistisch anmutenden Zeichnungen waren für die damalige Zeit unglaublich dynamisch und begeistern mich noch heute. Ungewöhnliche Bildeinstellungen setzen die Handlung hervorragend in Szene. Vance und Greg präsentierten mit »Bruno Brazil« somit eine Reihe von packenden Agentenabenteuern, die sich heute mit viel Vergnügen lesen lassen.

Was mir sehr gut gefällt: Neben den insgesamt vier Comic-Alben enthält der erste Band der Gesamtausgabe über zwanzig redaktionelle Seiten. Dieser Teil beleuchtet den Hintergrund der Serie, stellt den Zeichner sowie den Autor vor und zeigt, wie in den späten 60er-Jahren die Comics konzipiert wurden. Für Leser, die gerne mehr über ihre Lektüre wissen wollen, ist so etwas klasse.

Genug des Lobes: Wer einen modernen Comic-Klassiker lesen möchte, ist hier richtig. Diese Gesamtausgabe lohnt einen Kauf; sie umfasst 216 Seiten, die es für 29,99 Euro überall im Comicfach- oder Buchhandel gibt, selbstverständlich auch bei Versendern wie amazon.de. Die ISBN 978-3-7704-3712-2 ist bei einer Bestellung behilflich.

Klaus N. Frick

 

Bruno Brazil Gesamtausgabe 1
Vance, William/Greg
Ehapa Comic Collection
ISBN/EAN: 9783770437122