Die Redaktion empfiehlt: »Bruce J. Hawker « von William Vance Gesamtausgabe des besten Seefahrer-Comics

15. April 2014

Zwischen den modernen amerikanischen Superhelden-Comics, den japanischen Mangas, der Disney-Familie und den sogenannten Graphic Novels scheinen klassische Abenteuer-Comics geradezu eine Schattenexistenz zu fristen. Außerhalb von Comic-Fachgeschäften findet man sie kaum, und außer Lesern, die älter als vierzig Jahre sind, ist offensichtlich keine »Zielgruppe« dafür vorhanden. Dabei ist gerade eine Serie wie »Bruce J. Hawker« hervorragend geeignet dafür, in der heutigen Zeit wieder entdeckt zu werden.

Erstmals erschienen die Abenteuer des tapferen Seefahrers in den 70er-Jahren, im deutschsprachigen Raum kamen sie ab den 80er-Jahren in unterschiedlichen Ausprägungen in den Handel. Der Splitter-Verlag präsentiert jetzt die gesamte Serie in zwei prachtvollen Bänden, die jedes Comic-Bücherregal schmücken.

Um was geht's eigentlich? Bruce J. Hawker ist ein junger Offizier der britischen Marine. In den andauernden Kriegen ab dem Jahr 1800 muss er sich auf hoher See bewähren. Mit seinen Kameraden kämpft er gegen Spanier und Franzosen, schlägt sich auf dem Festland ebenso durch wie auf dem Meer, erleidet zwischendurch Gefangenschaft oder wird zu einem miesen Dienst an Bord eines Kriegsschiffes abkommandiert.

Der belgische Comic-Künstler William Vance, der mit bürgerlichem Namen William Van Cutsem heißt, schuf die Serie, wobei er alle Details sehr gründlich recherchierte: Sowohl die Bilder als auch die Texte wirken extrem realitätsnah; die Kämpfe zwischen den Kriegsschiffen und die harten Auseinandersetzungen Mann gegen Mann sind kein fröhlicher Spaß wie in »Fluch der Karibik«. Die Uniformen in den Bildern stimmen ebenso wie die Umgangsformen in den Texten; »Bruce J. Hawker« wirkt stets glaubhaft.

Die Geschichten nehmen ungewöhnliche Wendungen, sie sind spannend erzählt und beeindruckend illustriert. Zwar richtete sich die Serie beim ersten Erscheinen an Jugendliche und junge Erwachsene, sie kann heute aber getrost von erwachsenen Comicfreunden gelesen oder auch neu entdeckt werden. Ganz nebenbei werden die Moralbilder des frühen 19. Jahrhunderts vermittelt und kritisiert – der moralische Zeigefinger wird nicht erhoben, aber die Schrecknisse des Krieges werden vom Künstler eben auch nicht ignoriert.

Ich kannte die Serie von früher her, fand sie beim Wiederlesen erneut spannend. Die Gesamtausgabe, die der Splitter-Verlag präsentiert, ist hervorragend gestaltet und wird durch die zusätzlichen redaktionellen Seiten aufgewertet. Die Extraseiten liefern zahlreiche Hintergründe zum eigentlichen Comic, zu seinem Schöpfer und zur Zeit, in der die Abenteuer spielen – sehr schön!

Band eins von »Bruce J. Hawker« umfasst 192 Seiten im Hardcover-Format und hat die ISBN 978-3-86869-608-0; er kostet 34,80 Euro. Band zwei ist mit 216 Seiten im Hardcover-Format deutlich umfangreicher und kostet 39,80 Euro; der Band ist mithilfe der ISBN 978-3-86869-609-7 überall im Buch- und Comicfachhandel bestellbar. Selbstverständlich können beide Bücher auch bei den einschlägigen Internet-Versendern wie amazon.de oder direkt beim Shop des Splitter-Verlages gekauft werden.

Klaus N. Frick

 

Bruce J. Hawker 1
Duchâteau, André-Paul/Vance, William
Splitter Verlag GmbH & Co. KG
ISBN/EAN: 9783868696080
Bruce J. Hawker 2
Duchâteau, André-Paul/Vance, William
Splitter Verlag GmbH & Co. KG
ISBN/EAN: 9783868696097