Die Redaktion empfiehlt: »Birds Of Prey Megaband 1« von Duane Swierczynski u.a. Geballte Superheldinnen-Attacke

13. Januar 2015

Früher hätte ich auf die Frage, ob ich Superhelden-Comics mag, mit einem ungläubigen »Du spinnst wohl?« geantwortet. Das hat sich im Verlauf der vergangenen zwölf bis fünfzehn Jahren stark geändert: Was mir bis in die frühen 90er-Jahre sowohl zeichnerisch als auch erzählerisch überhaupt nicht gefiel, hat sich massiv verändert – und so kann ich mich mit mancher Serie anfreunden, die ich sonst ignoriert hätte.

Auch Heldinnen sind in dem Genre heute wesentlich stärker vertreten als früher. Vor Jahren noch waren die Superhelden-Comics eine weitestgehend männlich dominierte Geschichte – das ist heute anders. Ein schönes Beispiel dafür ist die amerikanische Serie »Birds Of Prey«, die im Zuge des Neustarts im Comic-Verlag DC in eine neue Ära entlassen wurde.

Hierzulande liegt seit einiger Zeit der erste »Megaband« – so nennt der Verlag die dicken Gesamtausgaben – mit den Abenteuern der attraktiven Superheldinnen vor. Ich habe ihn jetzt erst mit großem Vergnügen gelesen und möchte ihn hiermit empfehlen. Erzählt wird von vier cool auftretenden jungen Frauen, die allesamt über spezielle Kräfte verfügen und den Kampf gegen das organisierte Verbrechen aufnehmen.

Batgirl dürfte dabei die populärste Figur sein; sie wirkt seit langem im Batman-Universum mit. Ihre Begleiterinnen Black Canary und Starling sind nur jenen Lesern bekannt, die sich mit Superhelden-Comics aus dem DC-Verlag auskennen – mangelnde Vorkenntnisse schaden bei der Lektüre allerdings nicht. Mit Poison Ivy ist zudem eine Figur dabei, die eigentlich meist als »böse« geschildert wird, das Team der »Birds Of Prey« aber ganz schön aufmischt.

Alle vier Heldinnen haben eine düstere Vergangenheit mit halb vergessenen Problemen, die immer wieder in die Gegenwart einbrechen und für Konflikte innerhalb des Teams sorgen: mit Ex-Freunden und ehemaligen Gegnern beispielsweise.

Dieser erste »Megaband« fasst die amerikanischen Comicausgaben 0 bis 12 zusammen. Duane Swierczynski, der die Geschichten verfasste, jagt die jungen Heldinnen durch einen hektischen Parcours mit unterschiedlichsten Abenteuern. Sie müssen sich mit Monstern und Gangstern anlegen, mit gierigen Geldhaien und politischen Hasardeuren – das alles in rasanter Abwechslung.

Die Zeichnungen, für die unter anderem Künstler wie Jesus Saiz, Javier Pina und Travel Foreman verantwortlich sind, empfand ich meist als hervorragend. Action können die Zeichner, coole Büro- und Barszenen schaffen sie ebenfalls; geht es in den Dschungel oder in die Unterwelt, wissen die Zeichnungen ebenfalls zu überzeugen. Das ist nicht schreiend originell, aber stets klar und deutlich: Die schnell erzählte Geschichten werden durch knallige Zeichnungen unterstützt, ohne dass irgend etwas übertrieben erscheint.

Mit 260 Seiten ist der erste »Birds Of Prey«-Band der neuen Generation respektabel ausgefallen: ein ordentliches Paket voller Superheldinnen-Action. (Es gibt bereits einen zweiten Band auf dem deutschen Markt, den ich allerdings noch nicht in meinem Besitz habe ...) Wer sich einlesen möchte, findet auf der Seite des Panini-Verlages eine schöne Leseprobe.

Den Band selbst gibt's für 24 Euro im Buch- und Comicfachhandel, ebenso bei Versendern wie Amazon. Die ISBN 978-3-86201-699-9 ist bei einer Bestellung im Buchhandel unter Umständen hilfreich.
 

Klaus N. Frick