Die Redaktion empfiehlt: »Batgirl – die neuen Abenteuer« von Cameron Stewart u.a Batgirl mit Smartphone

6. Juni 2016

Wie schafft man es, »alten Helden« ein neues Leben einzuhauchen? Die Verantwortlichen der amerikanischen Comic-Verlage haben hierzu im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte die unterschiedlichsten Experimente gewagt. Meist werden Serien schlichtweg neu gestartet – es gibt also eine neue Nummer eins.

Bei der Serie »Batgirl« ging man anders vor: Mitten in der laufenden Serie zog die Hauptfigur an einen bislang unbekannten Schauplatz um. Das führte zu neuen Nebenfiguren, einem anderen Kreativ-Team und vor allem einer frischen Art, die Geschichten zu erzählen.

Für die Leser im deutschsprachigen Raum wurden die »Batgirl«-Hefte 35 bis 40 zu einem Paperback zusammengefasst und als Nummer eins der Serie »Batgirl – die neuen Abenteuer« in den Handel gebracht. Und das ist so flott erzählt, dass ich diesen Band sehr gern durchlas – auch wenn ich ganz eindeutig nicht die Zielgruppe bin, die das Kreativ-Team um Cameron Stewart im Blick hat.

Angepeilt werden wohl in erster Linie junge Frauen: Barbara Gordon zieht in einen Außenbezirk von Gotham City, der eher von einer Universität und flippigem Partyleben geprägt ist. In Burnside beschäftigt sich die Jung-Superheldin mit ihrem Studium, ist ständig mit ihrem Smartphone zugange, trifft sich mit jungen Männern und geht auf lustige Studentenpartys.

Mit dem düsteren »Batman«-Kosmos, in dem Barbara Gordon alias Batgirl seit vielen Jahren eine wichtige Rolle spielt, hat das nichts mehr zu tun. Konservative Stammleser dürften die Neuausrichtung der Serie deshalb auch nicht sonderlich mögen.

Rein inhaltlich hat die Serie weiterhin etwas mit dem bekannten Superhelden-Kosmos zu tun. Cameron Stewart als neue Chefautorin weiß das offenbar und lässt die runderneuerte Barbara Gordon viel Ärger erleben: mit der Polizei, mit den Mitbewohnerinnen, mit irgendwelchen Gaunern, die sich – der Zeitgeist lässt grüßen! – auch in Social-Media-Bereichen aufhalten, mit der Superheldin Black Canary als Freundin. Die einzelnen Abenteuer sind schnell und flott erzählt, sie sind rundum unterhaltsam und haben nicht die erzählerische Schwere, die manches »Batman«-Abenteuer der vergangenen Jahre befallen hat.

Das macht sich auch zeichnerisch bemerkbar. Cameron Stewart zeichnet die neuen »Batgirl«-Geschichten teilweise selbst, unterstützt von Babs Tarr und Irene Koh. Die Zeichnungen sind flott und dynamisch, die Farbgebung ist eher hell, aber stets abwechslungsreich, die weiblichen Heldinnen wirkten sexy und bei allen Gefahren positiv – das ist geschickt gemacht und gefällt mir gut.

Vor allem aber zielt das Ganze auf eine Zielgruppe, die mit Comics oftmals nicht so viel anfangen kann. Vielleicht gelingt es mit der neuen »Batgirl«-Ausrichtung wirklich, jüngere Comic-Leserinnen zu bekommen.

Alles in allem ist es eine gelungene Auffrischung der Serie. Wer einen anspruchsvollen Erwachsenen-Comic sucht, ist hier falsch. Allen anderen empfehle ich zumindest einen Blick – es gibt auf der Internet-Seite von Panini-Comics eine kostenlose Leseprobe.

Die 148 Seiten sind in einem schönen Paperback erschienen und kosten 16,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-95798-754-9 kann man den Comic-Band überall im Buchhandel bekommen; lieferbar ist er auch über den Comic-Fachhandel sowie Versender wie Amazon.
 

Klaus N. Frick