Die Redaktion empfiehlt: »Babys machen« von Laurie Penny Science-Fiction-Geschichten mit politischem Anspruch

11. Januar 2017

Laurie Penny ist Journalistin und Autorin; sie lebt in Großbritannien und schreibt für Zeitungen wie den »Guardian«. Einer ihrer Schwerpunkte ist der Konflikt der Geschlechter; sie gilt nach Sachbüchern wie »Fleischmarkt. Weibliche Körper im Kapitalismus« als populäre Feministin. Darüber hinaus veröffentlicht sie allerdings auch Science Fiction und hat sich in Interviews mehrfach als Fan der Literaturgattung geäußert.

Deshalb war ich sehr auf ihren Kurzgeschichtenband »Babys machen & andere Storys« gespannt, der bei Nautilus erschienen ist. Zehn Geschichten präsentieren allerlei Science-Fiction-Ideen, allesamt unterhaltsam, allesamt gelungen, nicht immer schreiend originell, was die Ideen angeht, aber immer wieder mit einem interessanten Blickwinkel.

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie die Situation im göttlichen Callcenter ist, in dem die Gebete der Gläubigen auflaufen, erfährt mehr darüber in »Kleine Gnaden«. In »Das Haus der Unterwerfung« dient eine Zeitreise dazu, eine politische Utopie zu präsentieren. Und »Pretty Whispers« ist eine klassische Phantastik-Geschichte, wie sie auch von Roald Dahl oder Stephen King stammen könnte.

Das sind nur drei Beispiele für außergewöhnliche Phantastik-Ideen der Autorin. Laurie Penny kann ihren gesellschaftskritischen Blick nicht verleugnen, das will sie auch nicht. Ihre Phantastik steckt voller Betrachtungen, die man von herkömmlichen Genre-Autoren kaum zu lesen bekommt. Darauf muss man sich teilweise einlassen – die Lektüre bereitet aber stets Vergnügen.

»Wie man seine Gefühle isst« beispielsweise ist eine klassische Science-Fiction-Geschichte, in der Außerirdische und Menschen vorkommen. Gleichzeitig ist es aber eine kluge Geschichte über Bildungssysteme und interkulturelle Anpassung – wie weit müssen sich die Angehörigen einer Spezies verleugnen, um von den »anderen«, die eben mächtiger sind, endlich anerkannt zu werden? Das ist typisch für die Autorin und ihre Texte: Ihre Geschichten spielen mit den Erwartungen der Leser, sie bleibt im Science-Fiction- oder Phantastik-Umfeld, möchte aber immer auch ein gesellschaftliches Thema behandeln.
Da kann es auch um das Thema Kindererziehung gehen – etwa in der Titelgeschichte –, aber eben nicht auf normale Art und Weise, sondern wieder im Gewand einer SF-Geschichte, in der es eben Roboter gibt. Oder sie dreht die Geschlechterrollen einfach um, beispielsweise in »Wikinger-Nacht« – der Text sagt viel über Klischees aus und spielt mit der Erwartungshaltung der Leser.

Alles in allem ist »Babys machen« eine gelungene Sammlung von Kurzgeschichten, die Science-Fiction-Fans testen sollten. Für mich war es 2016 eine hervorragende Textsammlung, die Autorin hat mich damit überzeugt.

Das Buch ist nicht dick, es umfasst gerade einmal 176 Seiten. Das Hardcover kostet 19,90 Euro und kann mithilfe der ISBN 978-3-96054-000-7 in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso bei Versendern wie Amazon. Die E-Book-Version, die es unter anderem für den Kindle gibt, kostet übrigens 13,99 Euro.
 

Klaus N. Frick