Die Redaktion empfiehlt: »Auf den Spuren des Weißen Gorillas« von Parthoens/Culliford/Garray Luc Parthoens / Thierry Culliford / Pascal Garray: Benni Bärenstark 14

29. Dezember 2016

Ältere Comic-Leser kennen Benni Bärenstark von früher her: Der sympathische Comic-Held erlebte seine Abenteuer schon ab 1960 im frankobelgischen Raum, im deutschsprachigen Raum nahm man ihn ab den 70er-Jahren wahr. Dem Toonfish-Verlag ist zu verdanken, dass die wunderbare Serie heute in einer gelungenen Hardcover-Ausgabe komplett vorliegt.

Zuletzt erschien mit »Auf den Spuren des Weißen Gorillas« der vierzehnte Band der Reihe. Die Geschichte beginnt in der üblich naiven Art dieser klassischen Comic-Geschichten: Benni Bärenstark hat die Chance, an einer Reise nach Afrika teilzunehmen. Sein Begleiter und er landen in Mulundi, wo es politische Unruhen gibt: Der Präsident hat den Kampf gegen Wilderer aufgenommen und wird deshalb von Attentätern bedroht. Selbstverständlich setzt sich Benni gegen die Bösewichte und für den guten Präsidenten ein, und alles kommt zu einem weitestgehend guten Ende.

Die »Benni Bärenstark«-Geschichten sind von jeher für Kinder gedacht – und für Erwachsene wie mich, die sich so in ihre Kindheit zurückversetzt fühlen –, weshalb die schlichte Story nicht verwundern darf. Die Logik ist einfach, die Charaktere verhalten sich stets klar, und natürlich ist Benni nicht nur ein kleiner Junge, sondern auch ein immer korrekt handelnder Held.

Trotzdem ist »Auf den Spuren des Weißen Gorillas« ein Beleg dafür, dass sich klassische Kinder-Comics in die heutige Zeit »retten« lassen, ohne dass sie peinlich werden. Die Geschichte strahlt den Geist der »guten alten Zeit« aus; sie wirkt in den Zeichnungen so, als sei sie zu Peyos Zeiten entstanden.

Die Geschichte allerdings ist im Hier und Jetzt angesiedelt, so dass sie sehr wohl für heutige Kinder geeignet sein dürfte. Wobei sicher die »Alt-Fans« viel Vergnügen mit der Geschichte haben dürften, die sowohl ein phantastisches Element enthält als auch ein sehr aktuelles Thema behandelt. Wilderer in Afrika bedrohen bekanntlich eine Reihe von Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind; so ein Thema in einem Kinder-Comic könnte mit »erhobenem Zeigefinger« daher kommen, wird hier aber mit leichter Hand erzählt.

Die heutige Generation an Kreativen, die »Benni Bärenstark« fortsetzt, orientiert sich bewusst an den Klassikern. Bekanntlich wurde die Figur mit ihrem ganzen Umfeld von Peyo erfunden, jenem Comic-Künstler, der auch die »Schlümpfe« geschaffen hatte. Peyo starb 1992, seitdem schreibt sein Sohn Thierry Culliford die Geschichten, arbeitet mit weiteren Autoren zusammen und wird grafisch von Pascal Garray unterstützt.

Das Ergebnis ist eine gelungene Comic-Geschichte, die Kindern sicher gefallen wird, für deren Lektüre man sich als Erwachsener auch nicht zu schade sein muss. »Auf den Spuren des Weißen Gorillas« ist leichtgängige Unterhaltung mit Herz, grafisch wie textlich charmant und kindgerecht zugleich. Die klassischen Elemente sind allesamt enthalten: Benni ist stark wie eh und je, die Erwachsenen glauben ihm nicht, und wenn er einen Schnupfen erhält, wird er außer Kraft gesetzt.

Mehr als fünfzig Jahre nach den ersten Abenteuern mit dem kleinen Benni zeigt das aktuelle Album, dass eine Serie mit neuen Kreativköpfen erfolgreich fortgesetzt werden kann.

Erschienen ist »Auf den Spuren des Weißen Gorillas« als Hardcover-Band im Toonfish-Verlag. Das Buch ist 56 Seiten stark und kostet 12,95 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-86869-945-6 bekommt man es in jeder Buch- oder Comicfachhandlung, ebenso bei Versendern wie Amazon.
 

Klaus N. Frick