»Delgado der Apache« von Werner J. Egli Skalpjäger, Apachen und ein alter Schamane

17. Januar 2013

Wenn es irgendein Genre der Unterhaltungsliteratur gibt, das so richtig »out« ist, dann dürfte das der Western sein. Sieht man von einigen Heftromanserien des Bastei-Verlages sowie einigen unentwegten Kleinverlegern ab, ist dieses Genre fast komplett aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden. Das finde ich schade – gut geschriebene Western-Romane mag ich nämlich sehr.

Wer sich darüber wundert, muss einfach mal zu einem gelungenen Western greifen und sollte den entsprechenden Schrott im Regal liegen lassen. Denn in seiner klassischen Art ist der Western mit der Science Fiction und der Fantasy eng verwandt: Wenn es sich um gut geschriebene Romane handelt, sind es schlichtweg Abenteuergeschichten in einer fremdartigen Umgebung, die mit unserer heutigen Realität nicht viel zu tun hat.

Deshalb passt der Roman »Delgado der Apache« auch gut zum Programm des kleinen und engagierten Blitz-Verlages, der sich ansonsten auf Science Fiction, Krimis und phantastische Literatur aller Art konzentriert. Er eröffnet eine Reihe, die den verlockenden Titel »Goldener Western« trägt und in der hoffentlich bald weitere Bände erscheinen.

Autor des ersten Romans ist Werner J. Egli, der in den vergangenen Jahren vor allem durch seine Jugendbücher bekannt geworden ist, in den 70er- und 80er-Jahren aber mit historisch korrekten Western auf sich aufmerksam machte. »Delgado der Apache« erschien erstmals 1978 in der Taschenbuchreihe des Pabel-Verlages – und damit schließt sich glatt ein Kreis zurück zu PERRY RHODAN und zu dieser Rezension.

Das vorliegende Buch wurde seit den 70er-Jahren übrigens noch einmal gründlich überarbeitet. An der grundsätzlichen Handlung änderte der Autor nichts.
Zum Roman selbst: Delgado ist ein junger Mann aus dem Volk der Apachen, der in den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts weißen Skalpjägern in die Hände fällt. Sie misshandeln ihn brutal, sie stellen ihn in der Stadt Prescott zur Schau, sie versteigern ihn öffentlich als Sklaven – und dann gelingt ihm die Flucht. Damit ist sein Kampf noch nicht zu Ende, denn jetzt muss der junge Mann versuchen, die verstreuten Gruppen seines Volkes vor den Skalpjägern zu warnen ...

»Delgado der Apache« ist ziemlich heftig, an drastischen Details wird nicht gespart – in einen »Folter-Porno« artet das Buch aber zu keiner Sekunde aus. Aber es ist realistisch und macht klar, in welcher Brutalität und Schonungslosigkeit die Eroberung des sogenannten Wilden Westens ablief: Mord und Totschlag, Folter und Vergewaltigung sowie die systematische Vernichtung jeglicher Lebensgrundlage der Indianer waren die ständigen »Begleiterscheinungen« dieser in vielen Romanen und Filmen verherrlichten Pionierzeit.

Der Autor blendet von der Perspektive des Indianers immer wieder zu den Weißen hinüber und macht klar, welche Motive sie antreiben. In der Person des alten Schamanen, der sich furchtlos den Skalpjägern entgegenstellt, präsentiert er eine Persönlichkeit voller Würde und Stolz – in diesen Szenen kommt übrigens immer ein bisschen Phantastik ins Spiel. Alles in allem erweist sich »Delgado der Apache« als spannender und abwechslungsreicher Roman, den ich jederzeit empfehlen kann.

Erschienen ist das Buch als Hardcover mit Schutzumschlag; es umfasst 256 Seiten und kostet 15,95 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-89840-345-0 kann man es überall im Buchhandel bestellen, ebenso bei Versendern wie amazon.de oder direkt beim Verlag. Auf der Verlags-Homepage steht außerdem eine Leseprobe zum Antesten bereit. Und wer wissen möchte, was der Autor sonst so verfasst hat, findet auf seiner Homepage genügend Informationen.

Klaus N. Frick