PERRY RHODAN Infotransmitter
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Üüüüh … Ist denn schon wieder Infotransmitter-Zeit …?

Rainer Nagel


Manchmal passieren sonderbare Dinge. Zum Beispiel letzte Woche, am Mittwoch. Da kam eine Mail von Katrin Weil  mit dem Inhalt: »Ist jetzt etwas kurzfristig, aber vielleicht bekommst du die Meldung ja doch noch unter. Geht morgen online.« Und ich dachte mir: Was will sie jetzt von mir? Der nächste IT kommt doch erst nächste Woche? Sagte zumindest mein Terminkalender. Aber da irrte er – er kam schon letzten Freitag. Oder hätte kommen sollen.

Wie peinlich.

Man muss dazu wissen: Ich erstelle die Grundstruktur eines IT meist am Wochenende und runde ihn dann bis Mittwochabend ab, da ich bis donnerstags 12 Uhr abgeben muss, was aber aufgrund von Unterricht so nicht geht. Insofern liegt immer ein freies Wochenende zwischen zwei Infotransmittern, weshalb ich der festen Ansicht war, es wäre noch nicht so weit. Was ich vergessen hatte, war der AustriaCon (mehr darüber später), der hatte  mir gleichsam ein Wochenende »geklaut«, ohne dass ich es gemerkt hatte. Und so mussten wir auf Montag verschieben.

Also jetzt das »Ü«. Kurzer Tipp: Wenn ihr auf die Idee kommt, Überschriften nach Anfangsbuchstaben zu gestalten, ist das »Ö«, trotz all meines Gejammers von vor zweieinhalb Wochen, einfacher als das »Ü«. Es sei denn, man möchte dauerhaft klingen wie ein Jülziish.

Wenigsten sind gerade Herbstferien mit anschließender Projektwoche (ich mumifiziere in »Das Alte Ägypten zum Anfassen« wieder Fische mit einer Horde Sechstklässler, und da ich derzeit eine Biologin als Praktikantin habe, verfüge ich sogar über sachkundige Beratung). Meine Kleinen hingegen, die mir sehr nachdrücklich mitgeteilt haben, dass sechs Wochen Schule ganz schön anstrengend seien und sie jetzt dringend ihre Ferien bräuchten, haben diesen sowie den nächsten Infotransmitter Pause.

Immerhin führte meine Terminverschwurbelung (Zeitverwerfungen passen ja gut zum abgelaufenen Zyklus …) dazu, dass ich noch die ganz neuen Exposés lesen konnte, die am Freitagnachmittag eintrafen. Wie ich schon in Wien sagte: Da hat sich jemand ein Versteck im Keller gebaut. Und es kam ein neues Hantelraumer-Datenblatt. In den aktuellen Manuskripten hingegen geht es um die Geheimnisse der Wuutuloxo und den Mechanischen Orden – es wird also nicht langweilig in Orpleyd, wo ja, wie ihr letzte Woche schon lesen konntet, auch die RAS TSCHUBAI mittlerweile eingetroffen ist .

Der Infotransmitter verkündet Dinge über PERRY RHODAN-Trivid. Hinzu kommt die Buchausgabe von »Die falsche Welt«, und Jupiter darf natürlich ebenso wenig fehlen wie NEO. Wir berichten über den AustriaCon und weisen auf den nahenden BuchmesseCon hin. »Hinter den Materiequellen« befasst sich mit Utopien, Dystopien und PERRY RHODAN, wie schon letztes Mal angedroht.

Überraschungen, die wohl keine mehr sind

PERRY RHODAN-Trivid Prolog
Auf dem AustriaCon gab es diesen Programmpunkt, am Samstag so gegen 20.30 Uhr: Roman Schleifer und Oliver Fröhlich plauschten über das »Geheimprojekt«. Heraus kam – PERRY RHODAN-Trivid, eine nur in elektronischer Form erhältliche Miniserie aus sechs Kurzromanen, die von Christian Montillon und Oliver Fröhlich verfasst wurden. Forumsmitglied »Richard« äußerte die Vermutung: »Aktuell habe ich eher das Gefühl, dass man sich mit Trivid mehr in Richtung der ›Space Thriller‹-Buchreihe bewegt – im Sinne eher Krimi/Thriller im SF-Umfeld und im Perryversum verankert.« Dazu vermerkte Christian Montillon lapidar: »das stimmt«. Olivers Ausführungen in Wien gingen in die gleiche Ecke.

Kurze Zeit später wurde vermeldet: »Die Titel für PERRY RHODAN-Trivid stehen fest«: »Kontakt – Klinik – Labor – Heimkehr – Experiment – Zusammenhalt«. Foristin »Alexandra« bemerkte dazu: »Die Abfolge der Titel klingt gut, auf Kernbegriffe reduziert.«

Seit heute wissen wir auch, wie die Hauptfigur Lian Taupin aussieht. Schaut mal hier.

Den Link zur Leseprobe findet ihr im ersten der hier erwähnten Beiträge – aber da ihr ja alle bereits viel Zeit für Band 2878 hattet, habt ihr den dort ebenfalls abgedruckten Text natürlich längst gelesen.

Also geht es am 27. Oktober 2016 mit Band 1 weiter. Eine Folge kostet 1,49 Euro.

Und für alle, die nun das Ende des gedruckten Heftromans heraneilen sehen, hat unser Chefredakteur Klaus N. Frick noch ein paar erläuternde Worte parat.

Überall liegt das neue Land der Schiqalaya …

Jupiter-Cover Band 9 von Arndt Drechsler
… und der Weg dahin führt über den Jupiter. Zumindest seit letztem Freitag.

Nachdem Christian Montillon und Kai Hirdt in Band 7 unserer Miniserie, »MERLINS Todesspiel«, uns die eher handfesten Erlebnisse unserer Protagonisten in der Gewalt des Syndikates der Kristallfischer nahegebracht haben, liegt es nun an Wim Vandemaan, den Handlungsstrang um die kosmischen Hintergründe der Geschehnisse fortzuführen, die er selbst in Band 6 (»Jupiters Herz«) eingeleitet hatte.

Herausgekommen ist eine farbige Geschichte von kosmischer Bedeutung, die einige Aspekte der Kosmologie unserer Serie neu definiert und einem ganz bestimmten Ereignis einem neuen Sinn gibt: der ersten Aktivierung des Terranova-Schirms am 16. März 1344 NGZ – also 117 Jahre vor den Ereignissen von Jupiter –, so geschildert in Heft 2307, »Der Psi-Korresponder« von Arndt Ellmer (November 2005). Dass »Wie man Sterne programmiert«  (so auch der Titel des Kapitels im seinerzeitigen Ziegelstein) den Untertitel » Krieg um den Psionen-Born – die lange Flucht der Schiqalaya« trägt, wisst ihr natürlich mittlerweile alle.

Forist »Aarn Munro« vermerkte zu diesem Roman: »Habe den achten Band jetzt durch; ein toller Parforceritt: früher hätte es hundert Bände Zyklus dafür gebraucht ... oder ein Taschenbuch mit genauso kompakter Erzählweise wie hier, Thema ausgelagert...jedenfalls hat der Band meine Erwartungen an Wim Vandemaans Text voll erfüllt ... sehr spannendes kosmisches Erzählabenteuer ...«

In anderthalb Wochen blenden wir in Band 9 (»DANAE« von Kai Hirdt und Christian Montillon) zu Mondra Diamond und ihren Gefährten sowie zu Chayton Rhodan zurück, damit wir endlich erfahren, wie es nach der »Halbzeit« (dem Titel des letzten Kapitels von Band 7) weitergeht. Und was Oread Quantrill so vorhat, denn (so sagt uns der Hautpersonenkasten): »Der Stationschef von MERLIN offenbart seine Pläne.«

Apropos: Mittlerweile stehen auch die Autoren und Titel der letzten drei Bände der Miniserie fest; ihr könnt sie hier nachlesen. »Ganymed fällt« klingt schon ganz schön bedrohlich …

Überliefertes aus der Erdgeschichte

NEO-Cover Band 133 von Dirk Schulz
Am 7. Oktober hat uns Susan Schwartz in »Melodie des Untergangs« eindringlich vor Augen geführt, welches Chaos die Aktivitäten der Sitarakh auf der Erde ausgelöst haben.

Damit befassen wir uns am nächsten Freitag aber erst einmal nicht, wenn Michael H. Buchholz»Raumzeit-Rochade« uns einen Einblick in die kosmischen Hintergründe des Neoversums gibt. »Wir folgen den verschlungenen Wegen einer Reihe wichtiger Figuren, insbesondere Anathema di Cardelah und Tuire Sitareh«, so das Exposé. Und: »Ein Schlüsselroman, der viele Fragen beantwortet – und neue aufwirft!« Na dann.

Auch dieser Roman kam mit vier Arbeitstiteln daher: »Hinter dem Tor«, »Scouts der Geistwesen«, »Boten der Geistwesen« und »Unmögliche Mission«. Es scheint also um »Geistwesen« zu gehen, entsprechend wohl auch um das »Ringen«. Wir erfahren weiteres über Atlans Abenteuer im Amerikanischen Bürgerkrieg, und auch der »zweite Rico« spielt eine Rolle.

Großes kosmisches Kino also. Am 21. Oktober ist es soweit.

Hatte ich eigentlich schon das »Gespräch« unserer beiden Exposé-Autoren zum aktuellen Zyklus »Meister der Sonne« verlinkt? Ich glaube nicht. Na, jedenfalls unterhalten sie sich über den Zeitsprung und das Schicksal von Crest sowie über den Zusammenhang zwischen Rahmenexposé, Einzelexposé und Roman.

Und letztlich: Am 14. November erscheint immerhin schon Band 10 der NEO Platin Edition – also ein kleines Jubiläum, wenn man so möchte. Forist »Papageorgiu«  sagt dazu: »Glückwunsch zum Jubiläum! Erstaunlich, wie gut Neo sich behaupten kann!« Recht hat er.

»Die Macht des Imperiums« leitet die fünfte Staffel der Serie ein, also den zweiten Versuch des Vorstoßes nach Arkon. Wie die bisherigen Titel der Edition umfasst dieser Band über 600 Seiten und enthält vier Romane: »Die Stardust-Verschwörung« von Christian Montillon, »Der Celista« von Michelle Stern, »Der König von Chittagong« von Michael Marcus Thurner und »Planet der Seelenfälscher« von Oliver Fröhlich. Hinzu wird wie immer eine eigens für diesen Band geschriebene Geschichte kommen, über die ich informiere, sobald ich mehr weiß.

Üben für die Scherung

»Die falsche Welt«
Im Juli 2015 erschien ein vierbändiger »Mini-Zyklus« in der PERRY RHODAN-Serie (die Bände 2812 bis 2815), in dem uns Andreas Eschbach und Verena Themsen eine Milchstraße vorstellten, in der das Atopische Tribunal seine Ziele erreicht und den Weltenbrand verhindert hat – und Perry Rhodan tot ist (so richtig tot, nicht so »übergangsweise« tot wie zu Beginn des aktuellen Zyklus).

Wir nannten das damals »Die falsche Welt« – denn aus der Sicht unserer Helden (und somit auch der Leser) war sie das ja auch. Von daher nutzten wir diese vier Romane als Entwurf, was passieren könnte, wenn unsere Helden »verlieren« – damit sie noch mehr Motivation haben, für das zu kämpfen, was sie haben.

Mit dem Ende des Zyklus »Die Jenzeitigen Lande« sowie der von Matan Addaru eingeleiteten und von Thez gebilligten Scherung könnte es durchaus sein, dass diese »falsche Welt« ganz so »falsch« vielleicht doch nicht war und es im »Thez-Universum« durchaus so oder ähnlich abgehen könnte – nicht schön, aber doch eine Ausprägung der von Thez angestrebten »Utopie« (siehe dazu auch »Hinter den Materiequellen«). Immerhin nannte Julian Tifflor später sie ja den Beginn der Tarania.

All das ist mittlerweile auch schon wieder anderthalb Jahre Realzeit her – und da ist es doch passend, dass Bastei Lübbe gerade diese vier Bände noch einmal in einer Buchausgabe mit einem Titelbild von Arndt Drechsler herausgebracht hat. Die Romane wurden dazu von Mit-Exposéautor Christian Montillon bearbeitet, erhielten einige neue ergänzende Texte, manche Stellen wurden gestrafft.

Das Ganze nennt sich nun auch tatsächlich »Die falsche Welt« und ist seit letztem Freitag für 10 Euro erhältlich.

P.S.: Für die Chronisten unter uns: Die Meldung zu diesem Taschenbuch ist jene, die ich am Anfang dieser Ausgabe erwähnt habe …

Überdosis Österreich?

Der PERRY RHODAN-AustriaCon in Wien
Nein, ganz im Gegenteil: Der AustriaCon am 1./2. Oktober 2016 in Wien war eine sehr schöne Erfahrung – gerade für jemanden wie mich, der mit seinen 53 Jahren tatsächlich noch nie in Wien war. Entsprechend nutzten meine Verlobte Alexandra (nicht mit der oben zitierten Foristin identisch) und ich den in Deutschland feiertäglichen Montag, um uns neben dem Con an sich auch noch ein wenig von Wien anzusehen – einschließlich Wiener Schnitzel bei Figlmüller und Sachertorte im gleichnamigen Hotel. Aber das will hier vermutlich keiner wissen.

Der Con selbst war gut besucht, auch und gerade von der »Prominenz«, die sich so manche Informationen entlocken ließ (und das nicht nur zu PERRY RHODAN-Trivid). So gab Uwe Anton bekannt, dass voraussichtlich im April eine neue Miniserie unter seiner Leitung erscheinen wird (allerdings ohne Verbindung zu Stardust), und Rüdiger Schäfer verriet, dass es ihn schon reizen würde, den NEO-Bully umzubringen. Leider hatte Christian Montillon seine Teilnahme aus familiären Gründen kurzfristig absagen müssen, aber er hatte eine Erklärung zum abgelaufenen Zyklus vorbereitet, die vor Ort verlesen wurde. Eine Skype-Schaltung zu Wim Vandemaan scheiterte an der Technik (Ist die Hyperimpedanz in Wien höher als anderswo?) – aber immerhin verriet uns der Expokrat, dass es eines der Ziele des Zyklus gewesen sei, Perry Rhodan in Form von Vetris-Molaud gleichsam einen Spiegel vorzuhalten.

Mein eigener Programmpunkt zusammen mit Michael Thiesen zu den Hintergründen der Serie erzielte einen ungeplanten Lacherfolg, als ich als Mini-Spoiler für den aktuellen Zyklus anbot: »Da hat sich jemand ein Versteck im Keller gebaut.« Und nein, das war wirklich nicht als Fritzl-Witz gedacht, obwohl das außer Michael Thiesen und mir wohl jeder der Anwesenden angenommen hat – es stimmt einfach, und Michael hielt die Bemerkung für »genial«; da hat er wohl Recht. Für meine Versuche, den Zyklus zu erklären, hat man mir den Titel »der Philosoph von Wien« verliehen, Ich nehme das jetzt einfach mal als Kompliment.

Wien war sehr schön, die Mitglieder des ausrichtenden PERRY RHODAN-Stammtisches Wien allesamt sehr nett und stets hilfsbereit – der Aufwand, den sie betrieben haben, war wirklich ohne Beispiel! (Während ich dies schreibe, knabbere ich gerade an den M&Ms mit den »AustriaCon«- und »Perry Austria«-Aufdrucken.) Da kommt man gern wieder.

Normalerweise mache ich mir nach so einer Veranstaltung immer die Mühe, für die Daheimgebliebenen Reaktionen im Internet zu suchen, aber dank des Eifers der Stammtischler brauche ich das nicht zu tun – auf der Homepage des Cons haben sie mehr Quellen und Berichte zusammengetragen, als ich das gekonnt hätte. Um das alles zu lesen bzw. zu sehen, muss man schon mehrere Stunden einplanen!

Überaktive in Dreieich

Buchmesse Con 2016
Und noch eine Veranstaltungsankündigung: PERRY RHODAN wird zwar keinen Stand auf der Frankfurter Buchmesse haben (was nicht heißt, dass unser Chefredakteur arbeitslos sein wird …), aber das hindert das BuCon-Team, den Science Fiction Treff Darmstadt und den Jugendclubs WIRIC im Bürgerverein Buchschlag e.V. nicht daran, wieder einen BuchmesseCon zu veranstalten – den 31. seiner Art schon.

Der Veranstaltungsort ist am Samstag, den 22. Oktober 2016, erneut das Bürgerhaus in Dreieich-Sprendlingen. Der Con beginnt um 11 Uhr, Einlass ist bereits um 10 Uhr. Für die PERRY RHODAN-Serie werden Verena Themsen, Madeleine Puljic, Kai Hirdt sowie Chefredakteur Klaus N. Frick vor Ort sein und um 18 Uhr einen gemeinsamen Programmpunkt abhalten. Wer also nicht in Wien war und wissen möchte, wer Madeleine Puljic ist, ist in Dreieich genau richtig.
Weitere Informationen findet ihr hier.

Über Utopien und Dystopien hinter den Materiequellen


Vor viereinhalb Wochen ging der Zyklus »Das Atopische Tribunal« mit Band 2874 (»Thez« von Wim Vandemaan und Christian Montillon) zu Ende. Nachdem ich mich in der letzten Ausgabe des Infotransmitters daran versucht habe, ganz philosophisch das Zyklusende zu erklären, beschäftige ich mich heute mit der Frage, ob PERRY RHODAN eine positive Utopie ist – und was Thez damit zu tun haben könnte.

Unsere Exposéautoren sehen die PERRY RHODAN-Serie als Ausprägung einer »positiven Utopie« an. Gar mancher Leser widerspricht dem und hält den Mord und Totschlag dagegen, der sich gerade seit Band 2700 so stark in der Serie eingenistet habe. (Der Begriff »positive Utopie« setzt voraus, dass es irgendwo, irgendwie auch eine »negative Utopie« geben muss. Für dieses Konzept benutze ich im Verlauf dieses Artikels den Begriff »Dystopie«, auch wenn das laut meiner Rechtschreibprüfung kein Wort der deutschen Sprache ist.)

Was aber ist denn nun eine Utopie?

Rolf Schwendtner definiert dies in seiner Arbeit »Utopie. Überlegungen zu einem zeitlosen Begriff« zu Beginn des Kapitels »Begriff und Authentizität von Utopie« so: »Utopien gelten als Wunschbilder eines künftigen Zeitalters. Zunächst, von einzelnen Menschen ausgehend, sind Utopien subjektiv gestaltete Zukunftsentwürfe, die im Ganzen oder im Detail eine wünschbare zukünftige Gesellschaft skizzieren.«

Und wie sieht der Gesellschaftsentwurf bei PERRY RHODAN aus?

Schon K. H. Scheer gab sich in Band 400 der Heftromanserie (»Menschheit im Zwielicht«, Mai 1969) große Mühe, die terranische Gesellschaft mit Elementen der Utopie zu versehen. Auf Seite 19f. schrieb er:

»Die sozialen Einrichtungen der Terraner waren beispiellos in der gesamten Galaxis. Es gab kein anderes System, das seinen absolut freien und meinungsungebundenen Bürgern derart hohe Sozialzuwendungen bieten konnte. Ein erkrankter oder erholungsbedürftiger Terraner wurde auf Kosten des Imperiums ohne langwierige Amtsvorgänge zu den schönsten und für seinen speziellen Fall geeignetsten Planeten befördert, um dort unter einem hochwertigen Aufwand an Fachärzten und anderweitig spezialisierten Wissenschaftlern seine Genesung abzuwarten.«

Auf Scheer folgende Exposéautoren taten es ihm nach: Bei William Voltz ist die Kosmische Hanse ein Paradies, in dem die Menschen ohne Not leben und es noch nicht einmal mehr Verbrechen gibt – die einzigen Konflikte, mit denen sich die Terraner auseinandersetzen müssen, werden von außen an sie herangetragen. Peter Terrid spricht im während der Feldhoff-Ära entstandenen »PERRY RHODAN-Handbuch« (siehe das bei Heyne veröffentlichte »Große PERRY RHODAN Fanbuch« von 1996) von einer idealen, »wirkungsvollen Übereinkunft der Bürger selbst« mit ihrem Gemeinweisen.

Und wenn wir Wim Vandemaans »Ein Tag in Terrania City«, die Beilage zu Heft 2850 (»Die Jenzeitigen Lande« von Christian Montillon und Wim Vandemaan, April 2016) betrachten, sehen wir eine Gesellschaft, die die Notwendigkeit für Privatkapital abgeschafft hat und in der das Lebensnotwendige vom Staat nach den Bedürfnissen seiner Bürger gestellt wird. Es handelt sich um ein Gemeinwesen, mit dem sich jeder Bürger identifizieren kann. Nicht umsonst sagt Claudius Heroun: »Wir sind nicht einfach #Bürger der Liga.# Wir #sind# die Liga.«

Insofern: Ja, die Terraner des Jahres 1519 NGZ (und die von 1522 auch, oder wieder) leben in einer positiven Utopie. Erneut gilt: Die Konflikte, mit denen sich die Menschheit auseinandersetzen muss, kommen von außen, man muss die eigene Gesellschaft – die Utopie – verteidigen.

Durch diesen Konflikt – den Angriff auf die Utopie – kommt erst die Spannung einer Heftromanserie auf. Nicht wenige Leser beklagen sich darüber, dass sie zu wenig von dieser Utopie sähen, dass die Handlung stets nur aus der Abwehr von Angriffen (gleich welcher Art) besteht: Scheers Cappins, Voltz’ Seth-Apophis, Feldhoffs Shabazza und seine Horden, Montillon/Vandemaans Atopisches Tribunal. Für ein oder zwei Romane kann man gern auf das Leben in der Utopie eingehen (Uwe Antons im Vorwort erwähnter 2878 ist so ein Roman) – aber dann wird es irgendwann langweilig, da sich in einer Welt ohne Konflikte auf Dauer keine Literatur schreiben lässt, die von Konflikten lebt. Und dadurch wiederum lernen wir den Wert der utopischen Gesellschaft deutlich besser kennen, als wenn wir uns wochenlang darin bewegen würden.

Kurzer Exkurs: Das Thema »Utopien und Dystopien« gehört zu den Pflichtinhalten der Gymnasialen Oberstufe in Englisch, und ich habe das gerade mit meinem 12er-Grundkurs eingehend behandelt. Eine Aufgabe war, in Kleingruppen eine eigene Utopie zu erschaffen (und diese dann später in eine Dystopie zu verwandeln). Beim Arbeiten in ihrer Gruppe sagte Katharina plötzlich: »Aber Herr Nagel, egal was wir machen, um zu unserer Utopie zu kommen, irgendwann müssen wir die Menschen zu etwas zwingen. Kann es sein, dass jede Utopie bereits den Kern der Dystopie in sich trägt?«

Sie ist clever, die Katharina.

Und das bringt uns zurück zu William Voltz.

In seiner Kosmischen Hanse gibt es keine Verbrecher mehr, richtig. Das liegt aber nicht zuletzt daran, dass der Staat entsprechend eingreift. Schon auf Seite 7 von Heft 1007 (»Die Kosmische Hanse« von William Voltz, Dezember 1980) erfahren wir: »Negative psychische Veranlagungen werden bereits im Kindesalter erkannt und korrigiert.« Und als man später eine Barriere durchstoßen muss, die ethisch hochstehende Wesen abweist, ist schnell eine Kandidatin gefunden (Seite 26):

»Die Raumfahrerin hieß Joanna Demy, und sie besaß, wie von den Bordcomputern blitzschnell ermittelt worden war, die schwächste Wertung aller Besatzungsmitglieder. Das bedeutete nicht, dass ihre ethische Grundeinstellung schlecht gewesen wäre, aber sie war nicht so positiv wie die aller anderen Teilnehmer an diesem Unternehmen.

Joanna Demy, das hatte Rhodan ihrem Psychogramm weiterhin entnommen, war eine impulsive, bei bestimmten Umständen hysterisch reagierende Person …. «

Das ist schon ziemlich dünnes Eis, auf dem William Voltz sich da bewegt. Es verwundert wenig, dass diese Idee schnell in der Versenkung verschwand – denn der Kern der Dystopie reckt da schon sehr stark sein Haupt.

Und somit kommen wir zu Thez.

Thez ist dem Grunde nach ein sehr wohlwollendes Wesen, das verstanden hat, wie das Universum funktioniert, und das alles Leben liebt. Thez liebt das Leben so sehr, dass er es gern aus Gefahr rettet und ihm in den Jenzeitigen Landen ein sicheres und sorgenfreies Dasein ermöglicht, Unsterblichkeit gleich eingeschlossen. Band 2874 illustriert dies am Beispiel des Motuners Doureo: Thez hat ihn gerettet, und jetzt serviert er Atlan etwas zu trinken. Wie viel der Motuner mit seiner Rettung nun wirklich anfangen kann, sei dahingestellt. Oder denken wir an die Gleitschirmflieger auf Seite 59 des Romans: Sie fliegen, damit sie fliegen. Weil sie fliegen. Das ist ihre ganze Existenz – ein pittoreskes Detail, an dem sich Thez erfreut.

Entsprechend erklären sich die Aktivitäten der Atopischen Richter in der Milchstraße und in Larhatoon. Thez weiß, wie die Katastrophen dort zu verhindern sind, die Einheimischen wissen es nicht – selbst ES nicht, das wird auf Seite 36 des Romans deutlich ausgesagt. Gut, es sagt Tifflor, nicht Glossberc oder gar Thez, aber wir dürfen davon ausgehen, dass Tifflor von Thez gut instruiert worden ist. Oder indoktriniert?

Also muss man den bedrohten Völkern jemanden schicken, der sie rettet – auch gegen ihren Willen. Und so wird die Atopische Ordo errichtet: Um jene zu retten, die nicht wissen (können), dass sie gerettet werden müssen. Und die sich dagegen wehren, was Thez wiederum nicht zulassen kann, wenn er sie retten möchte. »Thez hat niemals Unterwerfung gefordert, gewünscht oder gebilligt«, sagt Julian Tifflor auf Seite 36. Vermutlich glaubt er das selbst und sieht die Aktivitäten des Tribunals letztlich nur unter dem Aspekt ihrer Wirkung: der Rettung des bedrohten Lebens um jeden Preis.

Der Kern der Dystopie ist fest in der Thezschen Utopie vom Wert des Lebens verankert.
Als ich das schon einmal im Forum erklärte (kurz bevor ich der Philosoph von Wien wurde), antwortete Forist »Raktajino« in aufrichtiger Empörung: »Thez liebt das Leben so sehr, dass es sogleich die Ordo oktroyiert???«

Genau so ist es. Meine Antwort war damals, hier auf das Wesentliche reduziert: »Thez will die Utopie, erzeugt sie aber mit Mitteln, die in sich bereits den Kern der Dystopie enthalten. … Anders ausgedrückt: Nach meiner Interpretation meint es Thez gut, schießt aber bei der Wahl seiner Mittel über das Ziel hinaus.«

Wie später dann auch »Raktajino« schrieb: »So endet die positive Utopie im atopischen Truppenaufmarsch!«

Und genau das ist der Punkt. Der dystopische Kern des Thezschen Utopie entfaltet sich durch die unausweichliche Notwendigkeit des Einsetzens der Ordo. Der Wille nach Rettung ersetzt den freien Willen der Lebewesen.

Um den Kreis zum Anfang dieses Beitrags zu schließen: Thez bietet den Galaktikern (vertreten durch Atlan) seinen Utopieentwurf an, den der Arkonide ablehnt, da er für ihn keine Utopie ist, sondern eine nicht wünschenswerte Zukunft – also eine Dystopie. Wenn auch eine so nicht beabsichtigte. Aber viele Dystopien entstehen aus gutem Willen.

Und so kann Gucky mit Fug und Recht (auch ohne alle Zusammenhänge zu kennen) in Band 2878 (Seite 16) sagen: »Sämtliche Bedrohungen sind abgewendet, eine Zeit des Friedens und des Wandels liegt vor uns!« Auch wenn sie wohl nur bis Band 2900 anhalten wird und die Utopie dann wieder verteidigt werden muss …

Übles naht …


Nicht nur ist dieser Infotransmitter zu spät, nein – er ist auch schon wieder zu Ende. Aber keine Sorge – schon übernächsten Freitag kommt der nächste, ich habe meinen Kalender schon entsprechend korrigiert. Das wird dann mein fünfzigster, also noch ein Jubiläum.

Mal sehen, was ich mir so alles einfallen lassen werde …


Bis dann,
Euer
Philosoph von Wien

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