Zwei Abstecher in die Galaxis Orpleyd – Teil eins

29.11.2016 08:00

Interview mit Robert Corvus

Mit zwei Romanen ist Robert Corvus am laufenden »Sternengruft«-Zyklus beteiligt. »Unter allem Grund« erschien am vergangenen Freitag mit der Bandnummer 2884, während »Der Leidbringer« mit der Bandnummer 2885 am 2. Dezember 2016 veröffentlicht wird. Es ist das zweite Doppelband-Gastspiel des Schriftstellers in der PERRY RHODAN-Serie. Grund genug, ihn zu interviewen – die Fragen stellte Klaus N. Frick.

Weil das Interview ein wenig umfangreicher geraten ist, veröffentlichen wir es in zwei Teilen: heute der erste, morgen der zweite Teil.


Klaus N. Frick: Bei deinen zwei Romanen schilderst du viel Action in einer fernen Galaxis – fielen dir die Außerirdischen leichter, oder war es einfacher, die Menschen zu schildern?

Cover Band 2884 von Dirk SchulzRobert Corvus: Ich habe ja im Figurenensemble dieses Doppelbandes nur einen einzigen Menschen, und der ist ein sehr spezieller: Perry Rhodan selbst. Sogar seine engsten Begleiter, Attilar Leccore und Pey-Ceyan, sind keine Menschen, und alle anderen Protagonisten stammen aus Orpleyd. Für mich bestand die Herausforderung, zugleich aber auch der Reiz, darin, diese Fremdheit präsent zu halten.

Mal geschieht das unterschwellig, wenn etwa Pey-Ceyan als Lebenslichte immer wieder Trost spendet und damit auch in extremen Situationen Erfolg hat, mal explizit, wenn Leccore seine Gestalt wandelt. Stets soll der Leser spüren, dass die Geschichte nicht ein paar Straßenzüge von seinem Lesesessel entfernt spielt, sondern zwischen den Sternen, die er sieht, wenn er in den Nachthimmel schaut.

Zugleich möchte ich die emotionale Verbindung zu den Figuren bewahren. Furcht, Hoffnung, das Austüfteln von Strategien, Machthunger, aber auch Liebe – das sind Dinge, die der Leser nachfühlen kann und die auch meine Figuren motivieren, selbst wenn sie Drifthäute oder vier Nasenlöcher haben.

Besonders viel Spaß hatte ich mit den knackigen Wuutuloxo, die ich im Austausch mit Leo Lukas gestalten durfte.


Cover Band 2885 von Dirk SchulzKlaus N. Frick: Mit Lutoo hast du eine Figur in den Romanen nach vorne geschoben, die zwar vom Exposé vorgegeben war, die aber von dir sehr stark charakterisiert wurde. Wieso hat sie dir so gelegen?

Robert Corvus: Schon im ersten Austausch mit den Exposéautoren habe ich mir gewünscht, einen knallharten Soldaten schildern zu dürfen, gern auch weiblich. Ich kannte die Überlegungen zum neuen Zyklus noch nicht und hatte deswegen die Tiuphoren vor Augen. Da ich bei »BattleTech« (unter meinem Pseudonym Bernard Craw) bereits Military Science Fiction geschrieben habe, traute ich mir zu, eine solche Figur packend zu schildern.

Wenn das mit Lutoo gelungen ist, liegt das zu einem Großteil an der Offenheit der Exposéautoren, auf die Wünsche und Stärken ihrer Autoren einzugehen. Sie haben mir diese Figur »auf den Leib konzipiert«.

Auch die konkrete Charakterisierung ist aus dem Wechselspiel zwischen Exposéautoren und mir entstanden. Ich fand zum Beispiel recht detaillierte Vorstellungen zum Kollekttraum vor, aber die soldatische Härte, die Lutoo insbesondere in »Der Leidbringer« zeigt, kam auf meine Anregung nach dem Studium des Exposéentwurfs zustande. Insgesamt wollte ich eine Figur schildern, die vor dem Hintergrund ihrer Kultur und ihrer Biografie plausibel handelt – und den Leser dennoch mit ihrer kompromisslosen Härte sowohl anderen, als auch sich selbst gegenüber erstaunt.


Klaus N. Frick: Wenn du mitten in einem laufenden PERRY RHODAN-Zyklus zwei Romane schreibst – ist das dann nicht schwer, die Hintergründe zu recherchieren?

Robert Corvus: Das ist nur möglich, weil ein so eingespieltes Team die Serie trägt. Wenn man einfach den Textkörper von 2883 Heftromanen auf den Tisch geknallt bekäme und dann den 2884ten schreiben sollte, könnte ich einpacken.
Glücklicherweise läuft es ganz anders. Man tastet zunächst ab, was von Schreibzeitraum und Inhalt her passen könnte.
Dann bekomme ich eine Aufstellung von bereits erschienenen Heftromanen, die eine besondere Relevanz für meinen Stoff haben. In diesem Fall waren das Nummern, die sich intensiv mit Attilar Leccore beschäftigen. Diese studiere ich intensiv und mache mir Notizen zu Dingen, die ich aufgreifen kann, um den Wiedererkennungswert zu erhöhen. Zum Beispiel verwendet Leccore in meinem Doppelband verschiedene Template, die bereits früher zum Einsatz gekommen sind.

Eine wichtige Unterstützung sind auch die Datenanhänge und ähnliche Erläuterungen in den Exposés. So habe ich einen »Point of Truth«, was etwa die Gyanli angeht. Neue Setzungen aus meinen Romanen fließen übrigens auch zurück, in diesem Fall zum Beispiel die Ränge des gyanen Militärs.

Und dann kann ich auch noch eine Menge Leute fragen, wie Verena Themsen, Michael Thiesen, meine Autorenkollegen oder die Exposéautoren. Ich kann mich nicht erinnern, länger als einen halben Tag auf eine Antwort gewartet zu haben. So bin ich beim Schreiben nie allein, sondern Teil des Teams.

Was bei Abgabe trotzdem noch nicht gepasst hat, konnten wir hoffentlich in den Überarbeitungen glatt ziehen.

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