Ro'argruut, der Braune Zwerg – Teil zwei

20.04.2017 08:00

Ein Werkstattbericht von Rüdiger Schäfer zu PERRY RHODAN NEO 146

Am 21. April 2017 erscheint »Der Schatz des Pilgerschiffes«, der aktuelle Roman von Susan Schwartz innerhalb der Serie PERRY RHODAN NEO. Für den Roman entwickelten die Exposéautoren einen originellen Schauplatz – darüber erzählt Rüdiger Schäfer in einem Werkstattbericht.

Wegen seiner Länge erscheint der Bericht in drei Teilen: gestern Teil eins, heute Teil zwei, morgen Teil drei.

In der PERRY RHODAN-Erstauflage wurden Braune Zwerge bislang ähnlich wie gewöhnliche Sonnen behandelt. Wir stützten uns nun auf neuste Forschungsergebnisse und machten einen (alten) Braunen Zwerg zu einem lebenstragenden Planeten, was laut Ansicht einer Forschungsgruppe der University of Edinburgh (publiziert im renommierten »Astrophysical Journal«) absolut möglich war.

Allein in unserer Milchstraße gibt es schätzungsweise eine Milliarde sogenannte kalte Braune Zwerge. Gemeint sind Himmelskörper, die oft vielfach größer sind als der Jupiter, allerdings immer noch nicht groß genug, um durch ihre eigene Masse das Sternenfeuer, die Fusion, zu entzünden und zu einer Sonne zu werden. Laut einer Studie gleichen die Druckverhältnisse und Temperaturen in den oberen Atmosphärenschichten solcher Brauner Zwergsterne denen unserer Erde – und könnten somit Leben ermöglichen.

Wir sprechen allerdings von »atmosphärischem Leben«, das keinen erdartigen Planeten mit einer Oberfläche benötigt und sich keineswegs nur auf Vögel beschränkt. Tatsächlich ist schon seit Jahrzehnten bekannt, dass Mikroben mit Winden in Höhen hoch oberhalb der Erdoberfläche transportiert werden und dort prächtig gedeihen können.

Und schon 1976 spekulierte Carl Sagan über Ökosysteme in den oberen Atmosphärenschichten jupiterartiger Planeten, deren Lebensformen vom Sonnenlicht versorgt werden. Selbst einen Namen wurde dem »Himmelsplankton« schon verliehen: Sinkers. Zudem waren für Sagan ballonartige Lebensformen, sogenannte Floater vorstellbar, die sich durch die Veränderung des inneren Körperdrucks innerhalb der Atmosphären fortbewegen konnten. Auf diese Weise wurde nicht nur schon Leben in der Jupiteratmosphäre visioniert, sondern auch in jener unseres Nachbarplaneten Venus.

Das Team aus Edinburgh hatte Sagans Visionen nun auf eine Gruppe von Himmelskörpern übertragen, die 1976 noch gänzlich unbekannt waren: kalte Braune Zwerge, deren Oberflächen Raumtemperatur aufweisen oder sogar kälter sind und in höheren Atmosphäreschichten zwischen 30 und 50 Grad Celsius warm werden können.

Ein Beispiel für einen solchen Braunen Zwerg ist der 2013 entdeckte »WISE 0855-0714«. Der gerade einmal sieben Lichtjahre von der Erde entfernte Braune Zwerg scheint sogar Wasserdampfwolken in seiner Atmosphäre zu besitzen.

Wie die Forscher berichten, hängt vieles vom Wetter innerhalb der besagten Atmosphäreschichten ab: Sollten aufsteigende Winde wie jene vorherrschen, die etwa für die markanten Wolkenbänder der Gasriesen Jupiter und Saturn verantwortlich sind, so wären auch schwerere Lebewesen vorstellbar. Im ständigen Schatten der dichten Wolken könnten sich diese Wesen statt vom Licht ihres Sterns auch auf der Grundlage chemischer Substanzen ernähren. Tatsächlich zeigen bisherige Analysen der Atmosphären einiger Brauner Zwerge, dass sich darin ein Großteil der Nährstoffe des irdischen Lebens wie Kohlen-, Wasser- und Sauerstoff finden.

Bislang wurden nur einige wenige Dutzend kalter Brauner Zwerge entdeckt, doch die Statistik legt nahe, dass sich allein innerhalb eines Radius von 30 Lichtjahren um unser eigenes Sonnensystem mindesten zehn dieser Welten finden lassen sollten. Schon mit dem für 2018 geplanten Hubble-Nachfolger, dem »James Webb Space Telescope« könnten deren Atmosphären genauer analysiert werden.

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