»Ich war ein neugieriges Kind«

03.11.2016 08:00

Ein Interview mit Madeleine Puljic

Mit einem wichtigen Teil an »Das Cortico-Syndrom« feierte Madeleine Puljic ihren Einstand bei PERRY RHODAN NEO. Sie verfasste rund die Hälfte des Romans, der mit der Bandnummer 134 erschien; die andere Hälfte stammt von Kai Hirdt.
Grund genug, mit der Autorin ein Interview zu führen. Die Fragen stellte Klaus N. Frick, der PERRY RHODAN-Redakteur.

Klaus N. Frick: Du hast geradezu »klassisch« angefangen: als Leseratte, die viele Dinge liest und sich dann auch vieles aneignet. Warum eigentlich?

Madeleine Puljic: Ich denke, dass der Erstkontakt beim Lesen das spätere Leseverhalten stark beeinflusst. Als Kind habe ich Märchen- und Sagenbücher verschlungen, die einen guten Fantasy-Grundstein legen, aber oft auch schon in eine sehr düstere Richtung gehen. Da ist es kein Wunder, dass ich in der Phantastik gelandet bin.

Außerdem war ich ein sehr neugieriges Kind. Sobald ich irgendwo etwas gehört oder gelesen habe, das ich nicht verstanden habe, habe ich meine Mutter gefragt, was das ist. Daraufhin habe ich dann meistens den Rat bekommen: »Ich weiß nicht mehr genau, lies halt das Buch.« Dafür bin ich ihr bis heute dankbar, denn es hat mich zu Büchern geführt, die mir in dem Alter sonst bestimmt niemand zugetraut hätte.


Klaus N. Frick: Du hast erzählt, dass du mit Heftromanen keine Begegnung hattest – war das bei euch verpönt?

Madeleine Puljic: Nicht direkt verpönt, es war eigentlich nie Thema.  Zu lesen begonnen habe ich so mit sieben Jahren, da finanzieren Eltern nicht gerne »Horror-Hefteln« (als Mädchen bekommt man ab und zu ein »Wendy«, und das war’s). Mein Luxus waren zwei oder drei »Knickerbocker«-Hefte. Ich weiß noch, dass es in einem um Geisterschiffe ging; das Ding habe ich gelesen, bis es auseinanderfiel. Aber meistens habe ich mich mit Krimis und Jugendbüchern aus der Bücherei begnügt.

Mit zehn bin ich dann zu klassischer Literatur gewechselt, und bis dahin war schon fest im Kopf verankert, dass Heftromane Schund sind. Das bezog sich vor allem auf die Romanzen, andere Serien habe ich nicht so bewusst wahrgenommen. Ich habe zwar ab und zu zu »Sinclair« hingelinst, aber ich war viel zu selten beim Kiosk, um in Versuchung zu kommen. Ich hatte stattdessen meine Stammbuchhandlung und habe mich dort versorgt.


Klaus N. Frick: Und wie kam dann der Kontakt zu den Heftromanen zustande?

Madeleine Puljic: In einem Fortbildungskurs habe ich eine PERRY RHODAN-Leserin kennengelernt, die mich auf die Seminare von Michael M. Thurner aufmerksam gemacht hat. Nach ein wenig anfänglicher Skepsis habe ich mich schließlich für das 7-Tages-Camp angemeldet. Inzwischen war ich bereits viermal dort und habe es nie bereut.

Da die Seminare allerdings nicht nur von PERRY RHODAN-Autoren geleitet werden, sondern auch die Besucher großteils begeisterte Leser der Serie waren, waren beim ersten Camp die allabendlichen Tischgespräche vollkommen unverständlich für mich. Und da jeder zweite Schreibtipp mit Worten begann wie »Das kannst du sonst vielleicht machen, aber bei PERRY RHODAN wird dir das nicht durchgehen«, musste ich meine Vorstellung vom Schundroman sehr schnell revidieren. Neugierig, wie ich bin, habe ich mir daraufhin die alten Hörspiele zu Gemüte geführt. Das war mein erster Kontakt mit Heftromanen.


Klaus N. Frick: Du hast aber zu dem Zeitpunkt schon deine eigenen Fantasy-Romane geschrieben?

Madeleine Puljic: Das stimmt. Als ich das erste Camp besucht habe, befand sich mein dritter Roman »Flammen des Sommers« gerade in Überarbeitung. Da kamen mir die ganzen Schreibtipps natürlich gut gelegen, auch wenn die Überarbeitung dadurch doppelt so lange dauerte wie geplant.


Klaus N. Frick: Um was geht es in deinen Fantasy-Romanen?

Madeleine Puljic: Die Fantasy-Reihe ist klassisches Sword and Sorcery, nur dass den Kriegerpart in meinen Büchern eine Heldin übernimmt – zu Beginn allerdings mehr schlecht als recht. Sie läuft vor jeder größeren Konfrontation davon, hat ihre Ausbildung nie beendet, weil sie Angst davor hat, zur Akademie zurückzukehren. Ihr Begleiter war einmal deer mächtigste Magier aller Zeiten, wenn man seinen Worten glauben darf. Er ist nämlich bloß ein sprechender Totenschädel, der gerne die Klappe aufreißt. Bis die beiden in einen Krieg verwickelt werden, aus dem es kein Davonlaufen mehr gibt, und sie sich ihrer Vergangenheit stellen müssen, in der sie eine Sklavin war und er sich seinen Namen als Schlächter gemacht hatte ...


Klaus N. Frick: Michael Marcus Thurner ist also schuld daran, dass du mit PERRY RHODAN infiziert worden bist. Wie kamst du dann zu NEO?

Madeleine Puljic: Angefangen hat es mit Marc A. Herren, der gemeinsam mit Michael das erste Camp geleitet hat, das ich besucht habe. Er hat irgendwann das Erscheinen seiner NEO-Geschichte »Die Frau im Mond« beworben, die ich als folgsame Schülerin natürlich lesen musste. Dabei habe ich gemerkt, dass NEO genau das hatte, was mir in den ersten Bänden der Erstauflage fehlte: die Menschlichkeit. Die Charaktere waren keine Helden, es waren Menschen wie du und ich, die einfach in einer außergewöhnlichen Situation gelandet sind und ihr Bestes tun mussten, um damit klarzukommen.

Als ich dann angefangen habe, für Kai Hirdt »testzulesen«, den ich ebenfalls bei Michaels Seminaren kennengelernt habe, konnte ich quasi gar nicht mehr anders, als an NEO dranzubleiben. Es ist eine tolle Serie, und ich kann mein Glück nicht fassen, dass ich nun auch selbst daran mitwirken durfte.


Klaus N. Frick: Wie soll es nach deinem NEO-Gastspiel eigentlich weitergehen?

Madeleine Puljic: Hoffentlich mit vielen weiteren Bänden, haha.

Ich werde natürlich weiterhin meine eigenen Romane schreiben. Aktuell arbeite ich am Abschluss meines Dystopie-Zweiteilers »Darwin’s Failure«, aber ich habe auch noch einige Fantasy-Projekte in petto, auf die ich mich schon sehr freue.

Außerdem wird es jetzt, da ich Heftromane lieben gelernt habe, auch in diesem Bereich noch einiges von mir zu lesen geben. Im Dezember erscheint zum Beispiel »John Sinclair«-Band 2005, den ich gemeinsam mit Oliver Fröhlich verfasst habe. Also, ab an die Kioske!

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