»Ein Privileg, als Schriftsteller zu arbeiten« – Teil zwei

21.06.2017 07:30

Ein Interview mit Rüdiger Schäfer

Mit Band 151 von PERRY RHODAN NEO beginnt eine neue Handlungsstaffel innerhalb der Science-Fiction-Serie. Davor bildet Band 150 das Bindeglied zwischen zwei Staffeln; verfasst wurde dieser Roman von Rüdiger Schäfer.

Er ist zudem für die Hintergrundarbeit und die Exposés der gesamten Serie verantwortlich – zusammen mit Rainer Schorm. In einem Interview beantwortet er die Fragen des Autorenkollegen Michael Marcus Thurner.

Wegen seiner Länge bringen wir das Interview in zwei Teilen. Gestern kam der erste Teil, heute veröffentlichen wir den zweiten.


Michael Marcus Thurner: Band 150 markiert einen Meilenstein in der Historie von PERRY RHODAN NEO. Was darf der Leser erwarten? Gibst du gemeinsam mit Rainer Schorm der Serie eine neue Richtung, gibt es zum Beispiel einen Zeitsprung, oder wird die bisherige Entwicklung konsequent fortgesetzt?

Rüdiger Schäfer: Einen Zeitsprung wird es geben – eine neue Richtung eigentlich nicht wirklich. Wir führen die bislang erzählten Handlungsstränge konsequent weiter und erschließen neue Inhalte. Wie schon erwähnt, hätten wir die Serie mit NEO 150 abschließen können, wenn wir gewollt hätten. Die Leser wollten das aber nicht. Also heben wir die großen Geheimnisse, die im Hintergrund stets mitschwingen, eine Ebene höher.

Perry Rhodan und die Menschheit werden erkennen, dass sie ein entscheidender Faktor in einem gewaltigen kosmischen Konflikt sind, was auch die ständigen Bedrohungen durch feindliche Mächte erklärt. Und Andromeda ist ein Ort, an dem wichtige Informationen warten, ohne die unsere Helden nicht gegen ihre Gegner bestehen können.

Band 150 ist dennoch ein großer Einschnitt. Er markiert einen Aufbruch und ein neues Ziel. Michael und ich haben die Bände 101 bis 150 unter den Titel »Die Liduuri« gestellt. Auch die Bände 151 bis 200 haben eine solche Überschrift, die ich aber an dieser Stelle noch nicht verraten möchte. Wir starten gewissermaßen in die dritte Epoche der Serie.

Michael Marcus Thurner: Im Jubiläumsband wird es ein neues Raumschiff geben. In die Entwicklung der dazugehörigen technischen Datenblätter ist Blut und Schweiß investiert worden. Wird dieses neue Schiff (eigentlich sind es ja zwei) längerfristig in der Handlung bleiben?

Rüdiger Schäfer: Ich habe mich in die MAGELLAN (und auch in die FERNAO) regelrecht verliebt – erst recht nach Abschluss von Band 150, in dem ich dieses großartige Raumschiff erstmals vorstellen durfte. Ich erinnere mich noch gut an den regen Mailverkehr mit unserem Technik-Experten Peter Dachgruber, auf dessen Arbeit dieses einmalige Schiff beruht.

Wenn es nach mir geht, werden wir an der MAGELLAN noch sehr lange unsere Freude haben, aber Andromeda ist leider ein verdammt gefährliches Pflaster. Selbst Rainer und ich kennen noch nicht alle Bedrohungen, die uns dort erwarten. Vertrauen wir also auf die Kompetenz und das Glück unserer Helden – viel mehr bleibt uns vorerst nicht übrig.

Michael Marcus Thurner: Ich platze übrigens vor Freude, weil ich mittlerweile weiß, wohin es unsere Helden ab Band 150 verschlägt, nämlich nach Andromeda! Willst du nicht einige kleine Andeutungen zur Handlung der nächsten Zehner-Staffel machen, damit ich mir das Zerplatzen erspare?

Rüdiger Schäfer: Da ich nicht verantworten kann, dein Zerplatzen verschuldet zu haben, muss ich wohl oder übel das Nähkästchen öffnen – wenn auch nur einen Spalt.

Aber im Ernst: Ich kann deine Freude nachvollziehen. Wie für viele Leser, ist Andromeda auch für mich ein beinahe magischer Ort. Und wer die Meister der Insel erwähnt, kann sicher sein, bei den meisten PR-Fans eine wohlige Gänsehaut zu erzeugen. Wir wissen außerdem, dass sich Mirona Thetin und Atlan in Andromeda aufhalten. In der Originalserie hat man den beiden nur ein kurzes Glück gegönnt. Es steht also zu vermuten, dass wir es diesmal ein bisschen anders angehen.

Natürlich wird die MAGELLAN Andromeda erreichen. Perry Rhodan und seine Begleiter werden sich dort umsehen und einige ziemlich heftige Abenteuer bestehen müssen. Nach und nach erkennen sie, dass in dieser Galaxis etwas Großes im Gange ist. Und im Staffelfinale platzt dann die Bombe, denn ...
Sorry, hier muss ich abbrechen, wenn ich nicht in der Autorenhölle landen will.

Michael Marcus Thurner: Zum Abschluss hätte ich von dir gerne einen Blick in die Zukunft der Serie. Wie weit ist die Handlung durchkonzipiert? Visierst du bereits Band 200 an?

Rüdiger Schäfer: Bei einer Serie, die unter dem Markennamen PERRY RHODAN läuft, muss man zwangsläufig das ein oder andere Jahr in die Zukunft schauen. Im Vordergrund sollten zwar immer eine spannende Handlung, exotische Schauplätze und glaubwürdige Figuren stehen, doch der oft gepriesene »sense of wonder«, der sich aus dem über Jahrzehnte gewachsenen kosmischen Hintergrund ergibt, ist ebenfalls wichtig. Das erwarten die Leser – auch bei NEO.

Leider ist genau das manchmal ein Problem, weil die Gefahr besteht, dass Neuleser von zu viel Komplexität abgeschreckt werden. Mit diesem Phänomen kämpfen so gut wie alle Serien, die so lange laufen wie PR.
Insofern müssen wir diesen Aspekt immer im Blick behalten. Es darf nicht passieren, dass man erst ein Lexikon lesen muss, bevor man einen PR-Roman versteht. Die Stammleser können da nur müde lächeln, aber jemand, der einfach nur mal in die Serie »reinschnuppern« will, wendet sich ganz schnell wieder ab, wenn er nichts kapiert.

Um Deine Frage zu beantworten: Ja, wir schauen auch schon bis Band 200. Der Fokus liegt aber auf den einzelnen Zehnerstaffeln, die jede ein eigenes Thema hat, sich dabei jedoch in die Gesamtkonzeption einfügt. Insgesamt ist und bleibt es ein Drahtseilakt ...

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