PERRY RHODAN 2800: Logbuch-Countdown 9

10.04.2015 08:00 von vpm

Ein Zyklus endet zu zweit

Oliver Fröhlich

PERRY RHODAN 2799 wurde von zwei Autoren geschrieben ... von Oliver Fröhlich und Christian Montillon. Im Logbuch für diese Woche berichtet als Gast Oliver Fröhlich von der gemeinsamen Schreiberfahrung.


Nun liegt er also vor, der letzte Band des Handlungsabschnitts um das Atopische Tribunal. Geschrieben haben Christian Montillon und ich den Band gemeinsam. Sicherlich gibt es verschiedene Herangehensweisen, wenn sich zwei Autoren einen Band teilen. Wir haben uns für die ursprünglichste entschieden: Seite an Seite haben die Tastaturen geklappert.

Um dieses Projekt zu verwirklichen, habe ich mich eines Donnerstagmorgens in meinen Wagen gesetzt und bin einmal quer durch die Republik gebraust. Keine ganz einfache Fahrt, hatte ich Band 2798 doch erst am Vortag beendet (oder sollte ich besser sagen: in der Vornacht?) und konnte zwischen dem Wörtchen »ENDE« und der Abfahrt Richtung Westen nicht eine Minute schlafen.

Entsprechend zerstört kam ich im Hause Montillon an. Sofort war klar: An diesem Tag würden wir keinen einzigen Buchstaben tippen. Nun ja, so gut wie keinen, denn immerhin verfassten wir die Titelzeile, den Untertitel und das Personarium. Das bedeutet aber nicht, dass wir an diesem Tag nicht fleißig gewesen wären. Wir schmökerten ein paarmal durch das Exposé und teilten die Schreibarbeit für den nächsten Tag auf.

Christian hatte ja das Exposé selbst (mit-)verfasst, aber weil er gedanklich längst im neuen Zyklus nach Band 2800 feststeckte, musste er sich auch wieder einarbeiten und fand Elemente, die ihn selbst überraschten.

Nachdem das erledigt war, gab es erst mal lecker Essen und eine Partie Cribbage. Einige Runden spaßiger Plauderei später konnte ich die Augen aber nicht länger offenhalten und kroch im Gästezimmer von Christians Eltern in die Federn. Vielen lieben Dank auch an dieser Stelle noch einmal für die Gastfreundschaft.

Am nächsten Tag konnte es endlich richtig losgehen. Ohne Frühstück, dafür mit Elan machten wir uns über die Kapitel her. Jeder tippte wild vor sich hin, hielt den anderen mit Zwischenfragen oder bizarren Ideen auf, tippte weiter, vollendete ein Kapitel, schickte es per Mail an den anderen (der ja eigentlich nur zwei Meter entfernt saß). Dann lasen wir die Texte des anderen, änderten darin herum, ergänzten gelegentlich Sätze oder Szenen, schoben hin, schoben her und bauten den Roman nach und nach zusammen.

Zwischendurch gab es immer reichlich zu essen – überreichlich, um genau zu sein – und abends die eine oder andere Partie Abalone, ein paar Kartentricks und viele Plaudereien.

Am Sonntagnachmittag musste ich wieder abreisen, zum Glück deutlich ausgeschlafener als bei der Anreise. Wir hatten tatsächlich zwei Drittel der Romanrohfassung geschafft. Eine sehr schöne, wenn auch anstrengende Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Das letzte Drittel entstand in der darauf folgenden Woche mit vierhundert Kilometern Abstand zwischen uns. Die E-Mails waren trotzdem nicht länger unterwegs ...

Und nein, ich werde nicht verraten, von wem welche Passagen stammen. Obwohl ... na gut, bei einem Satz offenbare ich, wie er entstanden ist.

Es war, wenn ich mich recht erinnere, der Beginn des zweiten Tages, also des ersten richtigen Schreibtags. Wir unterhielten uns über erste Sätze in Romanen und darüber, dass sie idealerweise den Leser gleich packen müssen.

Irgendwann während des Gesprächs kamen wir darauf, dass wir unsere Texte möglichst identisch formatieren sollten, um das spätere Zusammenfügen zu erleichtern. Also bat ich ihn, mir den bisherigen Text (wir erinnern uns: Titelzeile, Untertitel, Personarium) zu schicken, ihn aber aus Formatierungsgründen gleich um den ersten Satz zu ergänzen.

»Am besten etwas Knalliges«, schlug ich vor. Und Christian tippte in einem Anfall von Albernheit das Belangloseste, was ihm einfiel: »Die Sonne scheint.« Eine Zeit lang amüsierten wir uns darüber, bis uns plötzlich nach und nach klar wurde, wie gut dieser Satz doch tatsächlich als Einstieg funktioniert – natürlich erst, wenn man ihn mit dem zweiten Satz kombiniert: »Es ist dunkel.«

Daraus entstanden viele Szenen ... alle »Segel«-Szenen, um genau zu sein. Sie strukturieren grundlegend den gesamten Roman und wären auf andere Weise wohl nie entstanden. Kreativität ist immer wieder etwas Überraschendes.

Im Nachhinein können wir wohl froh sein, dass Christian nicht etwas getippt hat wie: »Der Fussel der Mühe strebt nach Vollendung.« Obwohl, das hätten wir immer noch den Tolocesten in den Mund legen können.

Oliver Fröhlich

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