Logbuch: Wie ist das nun mit den Planetenromanen?

22.03.2013 08:08 von vpm

von Rainer Nagel

Kürzlich kam die Frage nach der Wiederveröffentlichung der alten PERRY RHODAN-Planetenromane auf, gekoppelt mit der nach den Überarbeitungen der »Neuauflagen« in den Taschenheften. Hierzu ein paar Anmerkungen von der Person, die die Romane bearbeitet.

Sinn und Zweck der neuen »Planetenromane« ist es, durch Wiederveröffentlichung in sich abgeschlossener Höhepunkte aus den früheren Taschenbüchern dem Nicht-PR-Leser einen modernen Eindruck von PERRY RHODAN zu geben. Das sollte ihn als »Quereinsteiger« vielleicht dazu bringen, die Erstauflage zu lesen.

Dabei geht es in erster Linie darum, die Interessen der heutigen (potenziellen) Leser zu treffen. Wir möchten also nicht, dass der neue Leser Romane »im Kontext der Zeit ihrer Entstehung« liest, sondern dass er einen Eindruck davon erhält, was PERRY RHODAN ist und warum es Spaß machen könnte, die Serie regelmäßig zu lesen. Hier sind Details wie das Datum der Erstveröffentlichung eher unerheblich. Dass die Romane bearbeitet sind, wird in den Ankündigungstexten erwähnt. Historisch einstufende Anmerkungen zum Text finden sich darüber hinaus seit »Schmied der Unsterblichkeit« im Nachwort.

Die moderneren der Nachdrucke stammen aus den Achtzigern, die »Klassiker« gar aus den Sechzigern. Damals galten in der Literatur andere Konventionen. Mit diesen erreicht man den heutigen Leser nicht mehr. Gerade kürzlich habe ich mir einen der ganz alten Romane zwecks möglicher Neuveröffentlichung angesehen, und da hatte es Dinge wie »Neger«, »verschlagen aussehende Araber« und Schurken, die sich »Exotinnen« als Dienerinnen halten. All das passt durchaus in das Weltbild der Sechziger, aber heute nicht mehr.

In der Regel treffen die »behutsamen Überarbeitungen« sprachliche Merkmale: Wortwiederholungen, zu lange Abschnitte, Trennung von direkter Rede und Redendem in verschiedene Absätze usw. Manchmal sind auch inhaltliche Fehler zu korrigieren, wenn die Handlung klar dem Erstauflage-Kanon widerspricht – man vergleiche die Originalausgabe von »Im Zentrum der Nacht« mit der Neubearbeitung ... Stichwort »Alaska Saedelaere und seine Maske«.

Schwieriger ist der Umgang mit atmosphärischen Details. So kann sich Peter Terrid in »Expedition der Todgeweihten« (1980) durchaus vorstellen, dass eine Positronik eine ganze Wohnung eigenständig lenkt; er kommt aber nicht ohne Briefträger und Einschreiben aus. Trotzdem habe ich diese Szene beibehalten, da sie den Charme der damaligen Zeit einfängt und den Roman mit einer leicht nostalgischen Stimmung eröffnet.

An anderen Stellen habe ich unauffällig modernisiert: So sind die Maschinen, die per Hand eingegebene Koordinaten in Plastikstreifen verwandeln, die man dann wiederum per Hand in eine andere Maschine eingeben muss, unauffällig durch etwas leistungsfähigere Rechner ersetzt worden.

Wir werden es mit diesen Modernisierungen aber nicht übertreiben – das Flair der Originalromane soll weitgehend erhalten bleiben. Aber man muss sie als moderner Leser auch ernstnehmen können.

 

 

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