Logbuch von Wim Vandemaan:

02.08.2017 08:00 von vpm

Transformkanone, ick hör dir trapsen

Neulich war ich in Berlin, genauer: in Köpenick (die Stadt mit dem Hauptmann). Am nächsten Tag sollten die Broilers in der Wuhlheide auftreten; wir hatten Karten. Die Zeit davor nutzten wir, um mit dem Auto nach Kreuzberg zu schlendern; dort gibt es auf der Oranienstraße einen wunderbaren Laden für Punkbedarf, schräg gegenüber vom legendären SO36, außerdem Buchläden satt und einen Comicladen, der einfach alles hat, in Worten: alles.

Man parkt im Schatten und kostenlos.

Ach, Berlin, dachte ich. Man müsste häufiger hier sein.

Oder mindestens manchmal berlinern.

Auf unserer letzten Exposé-Konferenz mit Klaus N. Frick, Christian Montillon und Verena Themsen kam die Sprache auf ein Raumschiff, das demnächst eine größere Rolle spielen soll. Eine etwas zwielichtige Rolle, um genau zu sein.

Verena erzählte, was sich mit dem Schiff mittlerweile getan hatte. Mir war einiges davon durchaus neu. Ja, Christian und ich hatten uns das Schiff ausgedacht, ihm einen Namen gegeben (sogar einen sehr ausführlichen und langen Namen, der seiner Größe und Funktion gerecht wird) und im Exposé seine Mission definiert.

Dann aber hatte Verena die Sache übernommen, das Schiff ausgerüstet, mit technischen Daten versehen, Beschleunigungswerten, Schutzschirmen und einem besonderen Gimmick, was die offensive Ausstattung angeht. Diese Besonderheit sei, informierte uns Verena, auch für einen  Risszeichner reizvoll, und sollte deswegen noch prominenter aufs Bild.

Und wenn sie schon mal im Bild wäre, diese Besonderheit ...

Da dachte ich ganz berlinerisch: Transformkanone, ick hör dir trapsen!

Es gibt eine alte Weisheit, die von dem großen Schriftsteller Anton Pawlowitsch Tschechow überliefert ist. Einer von Tschechows Brüdern versuchte sich auch im Dichten und schrieb Theaterstücke; Anton griff ihm manchmal mit literarischem Rat unter die Arme. Einmal schrieb er ihm (sinngemäß): »Sieh mal, deine Szene funktioniert so nicht. Du hast da einen Diwan auf der Bühne, auf dem Tisch brodelt der Samowar, an der Wand hängt ein Gewehr. Die Teemaschine liefert Tee, das ist okay. Auf dem Diwan sitzen verliebte Leute. Aber das Gewehr hängt nur stumm herum. Wenn in einer Szene ein Gewehr an der Wand hängt, dann muss es irgendwann auch schießen.«

Anton Pawlowitsch Tschechow (dessen Name dem Namen unseres Raumschiffs gar nicht so unähnlich ist) war ein kluger Kopf. Und er gibt Verena recht: Natürlich sollte diese waffentechnische Eigenart eine Rolle spielen.

Diese Eigenart, die im Ursprungskonzept gar nicht vorgesehen war ...

Immer wieder erstaunt mich, welche Dynamik Menschen, Personen, sogar Konstrukte wie Raumschiffe (die sogar besonders) im Perryversum entfalten. Da taucht eine Idee auf, eine Vorstellung, sie wird von mehreren Gehirnen durchdacht, überlegt, ergänzt, da macht Klaus seine Anmerkung, dann Tschechow, dann Verena, dann schickt Alfred, Arndt, Dirk oder Swen das Schiff zu den Sternen, in den Orbit eines Planeten, setzt es ins Licht einer fremden Sonne, dann stellt  uns ein Risszeichner das Innenleben vor, und plötzlich ist das Schiff wirklich da, fliegt, lebt.

Diese Zusammenarbeit ist immer wieder wie eine Werft, und in dieser Werft zu arbeiten, ist ein wirklich ganz besonderes Gefühl.

Die Broilers waren übrigens ganz phantastisch. Und wir freuen uns auf den Jungfernflug der ANTON PAWLOWITSCH TSCHECHOW (na gut, jedenfalls so ähnlich) im Perryversum.

Wim Vandemaan

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