Logbuch: Mythos Auflagenzahl

24.12.2014 08:05 von vpm

In jüngster Zeit gibt es immer wieder Diskussionen in den unterschiedlichsten Leserkreisen, bei Facebook ebenso wie im Forum auf unserer Internet-Seite, in denen die Entwicklung der PERRY RHODAN-Verkaufsauflage behandelt wird. Dabei werden leider immer wieder Fakten und Glaubensfragen durcheinandergewürfelt – deshalb hier ein Versuch, einige Dinge klarzustellen. Alle Zahlen, die im folgenden Text erwähnt werden, habe ich frei erfunden; man möge sie bitte künftig nicht als reale Zahlen zitieren.

Bei Heftromanen ist es vergleichsweise einfach, den wirklichen Verkauf festzuhalten: Der Roman liegt eine Woche lang im Handel, danach gibt es eine gewisse Zahl an Nachbestellungen – es sind nie mehr als 200 Exemplare. Ich habe also eine sehr exakte Auflage, die ich genau bestimmen kann. Eine Woche später ist so ein Roman normalerweise durch – nur noch wenige kaufen ihn dann.

Wenn ich bei einem solchen Roman also 10.000 Exemplare verkaufe, ist das fixiert; das ist klar kalkulier- und berechenbar.
Bei Büchern ist es schon anders: Bücher werden mit einer gewissen Auflage ausgeliefert – weil der Buchhandel üblicherweise vorbestellt –, dann »reinverkauft« und idealerweise »abverkauft«. Ein Buch ist somit über Monate und Jahre hinweg im Handel. Wenn alles gut läuft, wird ein solches Buch ein Bestseller, den Zig- oder gar Hunderttausende haben möchten. Wenn es nicht gut geht, bleibt das Buch einen Monat lang im Handel und wird dann zeitnah »verramscht«.

Konkretes Beispiel: Der erste PERRY RHODAN-Silberband ist seit 1978 ununterbrochen lieferbar und hat sich dabei sehr gut verkauft. Die Zahl ist verständlicherweise höher als die vom Silberband 119, den es erst seit einigen Jahren gibt. Diese Tatsache ist aber keine Vorausberechnung für die nächsten Jahre, denn kein Mensch weiß, wie sich die Verkaufszahlen künftig verändern werden. Die Auflagenzahlen bei Büchern steigern sich im Idealfall über die Jahre hinweg, sie bleiben nicht gleich.

Ich kann also nur von einer Momentaufnahme ausgehen, wenn ich hier von einer Verkaufsauflage spreche – ein riesiger Unterschied zum Verkauf bei Heftromanen.

Noch einmal anders ist es bei E-Books; sie sind theoretisch unendlich lang lieferbar. Praktisch wird das nicht so sein, weil sich in der nahen Zukunft sicher neue Formate entwickeln werden – und entsprechende jahrelange Erfahrungen für E-Book-Auflagen gibt es keine. Aber ein E-Book, das sich in der ersten Woche beispielsweise eintausend Mal verkauft hat, wird möglicherweise ein Jahr lang intensiv diskutiert und hat am Ende des Jahres eine zehnmal höhere Auflage – bei einem Romanheft ist damit nie zu rechnen.

Bei Zeitschriften im Allgemeinen unterscheidet man übrigens unter anderem nach vertriebener und verkaufter Auflage. Wenn eine Zeitschrift also sagt, sie hätte 100.000 Exemplare vertrieben, heißt das nicht, dass diese auch verkauft worden sind – das könnten beispielsweise kostenlose Bordexemplare im Flugzeug sein ... Gerade bei den Zeitschriftenverlagen werden gerne Zahlen in Umlauf gebracht, die nicht immer mit dem wirklichen Verkauf zu tun haben. Die jeweiliger Aussage ist selbstverständlich korrekt, die Verlage lügen hier nicht – aber es wird eben nicht der Verkauf beziffert.

Um es auf PERRY RHODAN zu beziehen: Man kann nicht einfach E-Book- und Heftroman-Auflagenzahlen vergleichen, zusammenzählen oder sonstwie in einen direkten Zusammenhang bringen. Ein solches Rechenbeispiel kann naturgemäß nie ganz exakt sein, weil die Zahlen unterschiedlichen Orten entstammen.

Klaus N. Frick

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