Logbuch: Er modernisierte das Perryversum

11.06.2013 08:22 von vpm

Klaus N. Frick

(Dieses Logbuch erschien bereits im Conbuch für den GarchingCon im Mai 2013. Auf dieser Internet-Seite sollten wir es aber auch bringen – es hat schließlich viel mit unserer Arbeit zu tun ...)

Das PERRY RHODAN-Universum, von den Fans häufig als Perryversum bezeichnet, hat sich in den über fünf Jahrzehnten seines Bestehens, immer wieder verändert. Es bildeten sich andere Schwerpunkte aus, es wurden andere Geschichten erzählt. Für die meisten Änderungen zeichneten Autoren verantwortlich: Karl-Herbert Scheer, William Voltz, Ernst Vlcek, Robert Feldhoff und Uwe Anton zählen zu jenen, die mit ihren Romanen und Ideen dem Perryversum immer neue Facetten hinzugefügt haben.

Es gibt darüber hinaus einen Mann, der ebenfalls viel für das Perryversum getan und es sehr geprägt hat: Dabei handelt es sich um Eckhard Schwettmann, dessen Name seit Mitte der 90er-Jahre für PERRY RHODAN-Marketing und für Bücher über PERRY RHODAN steht. Seine Rolle für die neuere Geschichte der Serie und ihres Umfeldes ist groß, und es ist sinnvoll, sie an dieser Stelle einmal zu würdigen.

Eckhard Schwettmann kam im Sommer 1996 als Marketingleiter zur Verlagsunion Pabel-Moewig, in einer Zeit also, in der viel um den Kurs der PERRY RHODAN-Serie diskutiert wurde. Unter dem Dach des Moewig-Buchverlages sollte die Serie weg vom Heftroman und hin zum Buch entwickelt werden, darüber hinaus ging es darum, sie zu modernisieren und in neue Medien zu führen.

Das war ideal für Eckhard Schwettmann, der zuvor jahrelang in der Musik-Branche gearbeitet hatte. Voller Energie und Tatkraft stürzte er sich auf seine Aufgabe: PERRY RHODAN, bis zu diesem Zeitpunkt vor allem als Print-Produkt bekannt, tauchte auf einmal in Form von Musik-Produktionen auf. Die bisher schleppend verlaufenden Versuche, PERRY RHODAN als Computerspiel zu veröffentlichen, wurden von ihm forciert; es gab eine ganze Reihe von neuen Produkten, die im weitesten Sinne mit der Vermarktung der Serie zu tun hatten.

Besonders wichtig: Eckhard Schwettmann war der erste, der überhaupt PERRY RHODAN als eine »Marke« begriff; er pflanzte den Markengedanken in die Hirne der Redaktion und des Autorenteams. Der Markengedanke sollte über allem stehen, und die Serie sollte sich konsequent und kontinuierlich in alle wichtigen Richtungen entwickeln. Er verortete PERRY RHODAN im Bereich der Popkultur, stellte die Serie in neue Zusammenhänge und verlieh ihr so ein frisches Image.

Der Erfolg gab ihm recht. Zahlreiche neue Publikationen erschienen, die Serie florierte und entwickelte sich. Wurde PERRY RHODAN     im Jahr 1995 noch von zwei Personen betreut, nämlich von Sabine Bretzinger und Klaus N. Frick, waren es Ende der 90er-Jahre bereits fünf; im Jahr 2001 kamen Redaktion und Marketing von PERRY RHODAN auf insgesamt sieben Personen. Mit dieser »Manpower« ließ sich einiges bewegen.

Eckhards Ideen stießen an »höherer Stelle« auf große Aufmerksamkeit. Bereits 1999 wurde er zum Verlagsleiter für die Moewig-Buchverlage ernannt, er war damit gleichberechtigt mit dem Verlagsleiter für den gesamten Zeitschriftenbereich. Als Buchverlagsleiter kümmerte er sich natürlich weiterhin um PERRY RHODAN, stieß aber jetzt zusätzliche Impulse im Buchgeschäft an. Moewig sollte stärker in die Mediengesellschaft verankert werden, wozu beispielsweise Pressekonferenzen gehörten oder eben auch Bücher, die außerhalb des »normalen« Buchgeschäfts funktionieren sollten.

2001 verließ Eckhard den Verlag, wechselte für einige Zeit ins Filmgeschäft, um sich dann vor allem um Bücher aller Art zu kümmern. Er war für Verlage wie Humboldt und Hannibal tätig, um nur einige zu nennen, und brachte die zwei Bereiche zusammen, die sein berufliches und privates Leben am meisten prägten: Popkultur im weitesten Sinne und Bücher.

Mit seinem fulminanten Prachtband »Der Allmächtige« setzte er Maßstäbe in Sachen PERRY RHODAN-Berichterstattung. Wer seitdem über die größte Science-Fiction-Serie der Welt spricht oder schreibt, muss dieses Mammutwerk kennen.

Seit einiger Zeit betreibt er weitere Projekte, diesmal nicht als Autor, sondern als Herausgeber. Drei Bände der »PERRY RHODAN-Chronik« sind wohl bereits erschienen, wenn der GarchingCon läuft; die »Johnny-Bruck-Biografie« würdigt darüber hinaus den wichtigsten Science-Fiction-Künstler des deutschsprachigen Raumes.

Das alles sind nur Streif- und Auszüge. Man könnte über Eckhard Schwettmann viel mehr schreiben und erzählen. Wer ihn kennt, weiß genügend Anekdoten und Berichtenswertes, das als Ergänzung dienen kann. Aber dass er mit seinen Arbeiten seit vielen Jahren für PERRY RHODAN streitet und aktiv ist, das wird ihm für immer einen Platz in der Chronik des Perryversums verschaffen – ein ganz spezieller Zellaktivator aus Gedanken, Ideen und Visionen ...

Klaus N. Frick

 

 

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