Logbuch: Das absolute Abenteuer – die neuen ATLAN-Taschenhefte (Teil 1)

17.01.2013 08:08 von vpm

von Rüdiger Schäfer

Das erste Gespräch über jenes Projekt, das am Ende »ATLAN – Das absolute Abenteuer« heißen sollte, führte ich mit Klaus N. Frick bereits im Mai 2012 auf dem ColoniaCon im Köln-Deutzer Jugendpark. Dort erklärte mir der PERRY RHODAN-Chefredakteur, dass die ATLAN-Taschenbücher im kommenden Jahr wohl eine Pause einlegen würden (was Anfang Januar dann auch offiziell verkündet wurde).

Um die Marke ATLAN jedoch weiterhin im Bewusstsein der Leser zu halten, plane man eine Neuauflage des Anfang der 1980er Jahre sehr erfolgreich gelaufenen SOL-Zyklus der alten ATLAN-Heftserie. Der einzige Haken: Man suche noch jemanden, der die immerhin über dreißig Jahre alten Manuskripte überarbeiten und modernisieren könne.

Für mich persönlich besitzt der SOL-Zyklus eine nicht geringe Bedeutung. Ich hatte 1975 – im Alter von gerade einmal zehn Lenzen – mit dem Lesen der PR-Serie begonnen. Sechs Jahre später verschlang ich mit ATLAN 500 (»Die Solaner« von William Voltz) mein erstes ATLAN-Heft und blieb der Serie bis zu ihrer Einstellung mit Band 850 treu. Damals wurde der Grundstein für meine bis heute anhaltende literarische Liebesbeziehung mit dem unsterblichen Arkoniden gelegt.

Insofern hatte sich Klaus (obige Fakten wahrscheinlich im Hinterkopf) fraglos den Richtigen ausgesucht. »Ich schicke dir nächste Woche einfach mal die ersten zwanzig Hefte als WORD-Dateien«, schlug er vor. »Du liest dich ein und sagst mir dann, ob sich der Stoff deiner Meinung nach für eine Neubearbeitung eignet.«

Gesagt, getan. Ein paar TageATLAN - Das absolute Abenteuer: Band 1 »Raumschiff SOL in Not» später begann ich also damit, den berühmten SOL-Zyklus zum zweiten Mal zu lesen. Im Juli 2012 verfasste ich dann eine längere Mail an Klaus. Nach diversen Ausführungen im Detail kam ich schließlich zu folgendem Urteil:

»Fazit: Falls das Projekt der Nachdrucke in Erwägung gezogen werden sollte, stehe ich gerne zur Verfügung. Über die Details müsste man sich dann – wie Du in Köln ja schon vorgeschlagen hast – im Rahmen eines Arbeitstreffens unterhalten. Für mich wäre diesbezüglich besonders wichtig zu erfahren, auf welche Punkte ihr bei der Bearbeitung der alten Romane besonderen Wert legt. Die Umstellung auf die neue Rechtschreibung ist dabei ja nur ein rein handwerklicher, und im Hinblick auf die Atmosphäre und die vom Text erzeugte Stimmung sekundärer Aspekt.«

Anfang September war es soweit. Sabine Kropp, die im Verlag die gesamte ATLAN-Produktpalette betreut, lud mich zu einem Arbeitstreffen nach Rastatt ein, bei dem sie und Klaus N. Frick das weitere Vorgehen mit mir besprechen wollten. Man einigte sich auf den 26. Oktober. Ich nahm an diesem Freitag also einen Tag Urlaub und machte mich am frühen Morgen auf die gut dreistündige Zugfahrt in das kleine Städtchen zwischen Karlsruhe und Baden-Baden. Pünktlich um zehn Uhr war ich vor Ort. Das Meeting fand in Sabines Büro statt.

Die Tatsache, dass man in der Redaktion in den vergangenen Wochen schon kräftig vorgearbeitet hatte, erfüllte mich auf der einen Seite mit Freude, machte mir aber auch ein bisschen Angst, denn jetzt gab es kein Zurück mehr. Ich hatte noch nie zuvor auf professioneller Basis Manuskripte bearbeitet und war schon ein bisschen nervös, als es an diesem trüben Oktobertag plötzlich ernst wurde. Die Nervosität legte sich aber schnell; schließlich war das nicht meine erste Zusammenarbeit mit Sabine und Klaus, und bisher hatte ich stets positive Erfahrungen gemacht und jedes Mal viel dazugelernt.

Das sollte auch an diesem Vormittag nicht anders sein. Sabine erklärte mir noch einmal in aller Ausführlichkeit den komplizierten Weg eines Manuskripts zum fertigen Roman, ein Prozess, von dem sich viele Leser naturgemäß kaum eine Vorstellung machen (und es ja auch nicht müssen). Klaus dagegen hatte einen Ausdruck von ATLAN 500 mitgebracht und einmal probehalber ein paar Seiten durchlektoriert. An diversen Beispielen erläuterte er mir nun, wie man am besten an so eine Aufgabe heranging und auf was man achten musste.

Auch ich selbst war nicht faul gewesen, hatte mir den Jubiläumsband von William Voltz im Vorfeld angesehen und eine Reihe von Fragen notiert. Meine größte Unsicherheit bezog sich dabei auf das Ausmaß der textlichen Veränderung, die ich mir erlauben durfte. Als zehnjähriger Hosenscheißer hatte ich einen William Voltz verehrt. Und nun sollte ich auf einmal seine Romane korrigieren, möglicherweise sogar kürzen oder teilweise umformulieren? Peter Griese und Wolfpeter Ritter hatten mich einst in ihren Schreibstuben empfangen und mir als unbedarftem Hobbyautor gute Ratschläge erteilt. Und nun sollte ich es sein, der in ihren Werken herumfuhrwerkte? Eigentlich unvorstellbar, aber wahrscheinlich gerade deshalb auch so ungeheuer reizvoll.

Für ungefähr eine Viertelstunde gesellte sich Marketing-Chef Klaus Bollhöfener zu uns. Gemeinsam mit einer Agentur hatte er eine Reihe von Entwürfen für die Gestaltung der Taschenhefte erstellt, die er jetzt präsentierte. Schriftzüge, Logos, Titelanordnung – es ist erstaunlich, auf was man alles achten muss, wenn man ein Taschenheft auf den Markt bringen will. Zu diesem Zeitpunkt hieß das Projekt übrigens noch »Die Abenteuer des Raumschiffs SOL«.

Sabine zeigte uns an ihrem Rechner die erste Version des Titelbilds, das Arndt Drechsler bereits geschickt hatte. Ich mochte den Stil des Künstlers schon immer, und freute mich, dass der Mann, der alle meine sieben ATLAN-Taschenbücher illustriert hatte, nun auch bei »ATLAN –Das absolute Abenteuer« mit dabei war.

(Teil 2 des Werkstattberichtes folgt morgen!)

Rüdiger Schäfer

 

 

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