Logbuch: Countdown für einen PR NEO-Roman (Teil 2)

23.05.2013 08:10 von vpm

Ein Werkstattbericht von Rüdiger Schäfer zu PERRY RHODAN NEO Band 44

Mein Abgabetermin war der 13. März, also hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch rund acht Wochen zur Verfügung. An sich mehr als genug Zeit; allerdings durfte ich seit vergangenem Dezember auch jeden Monat einen redigierten Band der neuen ATLAN-Taschenheftserie »Das absolute Abenteuer« abliefern, in der die Erlebnisse des unsterblichen Arkoniden an Bord des legendären Fernraumschiffs SOL nacherzählt werden. Da ich die Schriftstellerei als Hobby betreibe und im Hauptberuf einen durchaus fordernden Job bei einem weltbekannten Pharma- und Chemiekonzern ausübe, war ich in Sachen Zeitmanagement gezwungen, einige grundlegende Veränderungen einzuleiten und meine Freizeitaktivitäten zu priorisieren.

Obwohl ich die Aufgabe einiger Spartenredaktionen und ehrenamtlichen Tätigkeiten (z. B. in der PERRY RHODAN FanZentrale oder beim Fandom Observer) bedauerte, kommt die Schreiberei eben immer noch an erster Stelle – und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Inzwischen hatte sich Verena Themsen gemeldet, die mit Band 46 wiederum an meinen Roman anschließen sollte und damit gleichfalls ihren Einstand bei PR NEO gibt. Die Absprachen über das Ende meines und den Anfang ihres Textes waren allerdings schnell getroffen.

Es ist eine Erfahrung, die ich bislang bei allen meinen Romanen gemacht habe: Wenn man das Wort »ENDE« unter sein Manuskript gesetzt hat und die Glückshormone den Körper in unvorstellbaren Mengen fluten, ist man felsenfest davon überzeugt, den besten Text der Menschheitsgeschichte (oder doch zumindest der PERRY RHODAN-Historie) fabriziert zu haben. Die Ernüchterung folgt meist einige Tage später, wenn man feststellen darf, dass die diesbezügliche Beurteilung durch den Exposéautor oder den Chefredakteur geringfügig von der eigenen abweicht.

Immerhin war Frank zunächst einmal zufrieden. »Ich habe deinen Roman gestern zu Ende gelesen – und die Lektüre sehr genossen!«, begann er seine E-Mail am 20. März, um dann im Detail auf die ein oder andere Verbesserungsmöglichkeit hinzuweisen. Dazu hatte er meine Manuskriptdatei mit einer Reihe von Kommentaren versehen, die ich am gleichen Tag durchging und – sofern notwendig – in den Text einarbeitete.

Für mich (und hoffentlich für jeden Autor, der einen gewissen Anspruch verfolgt) ist diese Form des umfassenden Feedbacks ein unbezahlbarer Zusatznutzen der professionellen Schreiberei. Ich habe bislang bei jedem Roman dazugelernt und von den Tipps und Anmerkungen der Lektoren und Expokraten profitiert. So auch hier. Frank, der tiefer als jeder andere in der Serie steckt, bemerkt eben fast zwangsläufig Dinge, die man als Autor übersieht oder verdrängt – und nur so ist gewährleistet, dass das Endprodukt den schwersten und härtesten aller Tests übersteht: die Lektüre durch den Leser!

Klaus N. Frick konzentrierte sich in seiner ausführlichen Kritik wie üblich eher auf die stilistischen Aspekte des Textes. Der Wechsel der Erzählperspektive innerhalb eines Kapitels, zu wenig aktive und zu viele passive Formulierungen, Verwendung von Klischeewörtern, falsch gesetzte Absätze und ähnliche Dinge, werden da schonungslos angeprangert und einem um die Ohren geschlagen.

Immerhin fiel das Gesamturteil positiv aus. »Der Roman ist gut«, zog Klaus sein versöhnliches Fazit. »Er ist unterhaltsam, und die deutschtechnischen Geschichten wird Helmut alle gut hinkriegen. Alles in allem ein guter Roman!« Vom gestrengen PR Chefredakteur kommend, ist das für einen Autoren beinahe schon eine Seligsprechung …

Bei besagtem Helmut handelt es sich übrigens um Helmut Ehls, mit dem ich schon bei den ATLAN-Taschenbüchern zu tun hatte, einen sehr fähigen Außenlektor, der für PR NEO in etwa das macht, was ich für die ATLAN-Taschenhefte tue.

Trotzdem werde ich versuchen, für meinen nächsten NEO-Roman all die vielen Tipps von Frank und Klaus zu berücksichtigen. Die Tatsache, dass sich die beiden so viel Mühe gemacht und so viel Zeit investiert haben, sehe ich als Signal, dass sie durchaus noch Hoffnung haben, aus mir eines Tages einen passablen Schriftsteller machen zu können. Das Exposé für den neuen Band (diesmal ein spannendes Solo-Abenteuer von Perry himself!) liegt schon vor, und wenn dieser Werkstattbericht erscheint, bin ich bereits mittendrin im Vergnügen.

Auf jeden Fall bin ich sehr froh und durchaus ein kleines bisschen stolz, zum PR NEO-Team zu gehören, denn wer weiß: Vielleicht wird diese Serie einmal ebenso erfolgreich wie die Erstauflage, und dann kann ich sagen, dass ich von Anfang an dabei war!

Rüdiger Schäfer

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