Logbuch: »Back To The Roots« – Teil zwei

25.07.2013 08:00 von vpm

Ein Gast-Logbuch von Heinz J. Galle

H. J. Galle

(Einleitung der Redaktion: Heinz J. Galle ist einer der wichtigsten Experten für Unterhaltungsliteratur im deutschsprachigen Raum. Seine Arbeiten wurden in dem dreibändigen Standardwerk »Volksbücher und Heftromane« gebündelt. Im folgenden Gast-Logbuch, das in zwei Teilen erscheint, schreibt er über die Zusammenhänge zwischen PERRY RHODAN und »Sun Koh«, den Phantastik-Klassiker aus den dreißiger Jahren. Heute ist es Teil zwei.)

»Sun Koh« als Ideenlieferant tauchte in Verbindung mit PERRY RHODAN in diversen Publikationen jener Frühzeit der Serie auf. In der vierbändigen Publikation »Kommandosache K.H. Scheer« schrieb Dr. Hartmut Kasper:

»Die 60er Jahre waren das goldene Zeitalter der deutschen SF-Serienhelden. Niemand bestreitet, dass ihnen der eine oder andere Große vorangeschritten ist, Pioniere allesamt von eigenem Format, zuallererst jener ›Sun Koh, der Erbe von Atlantis‹ ... Als einen der Haupterben Paul A. Müllers wird man Karl-Herbert Scheer (1928-1991) ansprechen dürfen, dessen Serienfigur Perry Rhodan bereits mit dem Untertitel ›Der Erbe des Universums‹ in Sun Kohscher Tradition steht.“

(Dr. Hartmut Kasper, »Unsere Männer im All«. In: »Kommandosache K.H. Scheer«, Hrsg. Kurt Kobler, Terranischer Club Eden, 2006, Teil I, S.191/92).

Konkret lässt sich die Ahnenreihe zur »Sun Koh«-Reihe an einem Heft und dem darauf entstandenen Buch festmachen. Im Jahre 1933 kam das »Sun Koh«-Heft Nummer 20 mit dem Titel »Die Schleier des Kondors« heraus; hier stoßen die Helden in den Anden auf Hinterlassenschaften Außerirdischer.

Fünf Jahre später erschien Müllers Zukunftsroman »Die blaue Kugel«; dort griff er die Idee der Hinterlassenschaften Außerirdischer wieder auf. Seine Protagonisten entdecken ein kugelförmiges Raumschiff fremder Wesen und nehmen es in Besitz. Einer von ihnen schwingt sich damit zur »Dritten Macht« auf und will die Regierungen der Erde unter seinen Willen zwingen.

Am 8. September 1961 brachte der Moewig Verlag die Nummer 1 der PERRY RHODAN-Serie mit dem Titel »Unternehmen Stardust« heraus. Vergleicht man die Grundkonzeption des Romans »Die blaue Kugel« mit dieser Heftausgabe kommt sofort eine Frage auf: Duplizität der Ereignisse oder bewusste bzw. unbewusste Beeinflussung durch Müllers Roman?

In den beiden Szenarien stoßen die Protagonisten jeweils auf kugelförmige Raumschiffe außerirdischer Intelligenzen. Sie übernehmen deren technisches Wissen und verwenden diesen Vorteil gegenüber der restlichen Menschheit zur Errichtung einer eigenen Machtbasis.

Quintessenz: Beide Serien, also »Sun Koh – der Erbe von Atlantis« sowie »PERRY RHODAN – der Erbe des Universums«, weisen diverse Verbindungspunkte aus. Beides sind Periodika mit langer Laufzeit (bei »Sun Koh« für damalige Verhältnisse) und einer festen Identifikationsfigur; beide Reihen erlebten und erleben mehrere Auflagen.

Beide Serien tragen das Wort »Erbe« gemeinsam im Titel, in beiden Reihen spielte und spielt Atlantis eine wichtige Rolle; man denke bei PERRY RHODAN nur an die Parallelserie ATLAN (1969 bis 1988) mit 850 Einzeltitel sowie die danach veröffentlichten kurzen ATLAN-Serien.

Sogar die abgebildeten Helden weisen auf den Titelbildern eine gewisse Ähnlichkeit auf. In beiden Reihen existieren mehrere (unterschiedlich lange) Zyklen innerhalb der Handlung.

Ungeachtet aller hier aufgezählten Fakten und Details, ändert sich allerdings nichts an der Einzigartigkeit der PERRY RHODAN-Serie, die sich inzwischen zu einem eigenen PERRY RHODAN-Kosmos entwickelt hat.

 

Heinz J. Galle


(Dies ist der zweite Teil des Logbuches; der erste Teil kam gestern. – Die »Sun Koh«-Serie kommt übrigens jetzt neu heraus. In einer wunderschönen Paperback-Ausgabe des Verlags Dieter von Reeken werden die klassischen Romane verlegt. Weitere Informationen auf der Website des Verlages: www.dieter-von-reeken.de.)

 

 

 

Zurück