Logbuch: ATLAN bei Baukau

26.11.2015 08:30 von vpm

Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2013 schmiedeten wir große Pläne. Eckhard und Volker Schwettmann und ich saßen in einem Winkel unseres Messestandes und sprachen über die gemeinsame Zukunft. Die beiden Brüder hatten die feste Absicht, ihre Firma Baukau Media weiter expandieren zu lassen.

ATLAN-Blauband 43Bisher hatte Volker Schwettmann unter diesem Namen vor allem DVD-Boxen, CD-Produktionen und dergleichen angeboten; meist waren es Themen, die ihm persönlich lagen, die mit seinem Musikgeschmack oder dem Ruhrgebiet zusammenhingen. Eckhard Schwettmann wollte mehr: Er wollte einen »richtigen Verlag« aufbauen, der Baukau Media Verlag sollte sich stärker auf Science Fiction spezialisieren. Und was lag näher, als mit den ehemaligen Kollegen der PERRY RHODAN-Redaktion zusammenzuarbeiten?

Den ersten Gesprächen auf der Buchmesse folgte eine weitere Besprechung in einem Restaurant in Karlsruhe, dann kamen zahlreiche Telefonate – und zu Beginn des Jahres 2014 hatten wir eine klare »Marschrichtung« für die weitere Entwicklung der ATLAN-Bücher.

Am 24. März 2014 sollte das ATLAN-Buch 43 erscheinen. Dieses kam im September 2015 als E-Book heraus; mittlerweile sind alle 45 ATLAN-Hardcover-Bände auch in Form einer digitalen Ausgabe erhältlich. Dass wir mit der Serie überhaupt so weit kommen konnten, verdanken wir unter anderem dem Engagement der Schwettmann-Brüder. Das möchte ich an dieser Stelle noch einmal klar machen.

Denn zuvor war es mit ATLAN eine Weile hin und her gegangen. Wir hatten die Serie im Jahr 1992 gestartet, damals mit den ATLAN-Zeitabenteuern. Hans Kneifel hatte seine klassischen Taschenbücher noch einmal bearbeitet, wobei ihm Rainer Castor zur Seite stand, und wir machten aus den vielen Zeitabenteuern insgesamt 13 Hardcover-Bände.

EATLAN-Blauband 44s schloss sich die Arkon-Trilogie an, die von Rainer Castor allein verfasst worden war, dann folgten die sogenannten Jugendabenteuer, die zuvor als Heftromane erschienen waren. Als Verlag fungierte der Moewig-Buchverlag. Als dieser Ende 2006 seine Pforten schloss, kümmerte sich zuerst Edel um die ATLAN-Serie, verkaufte sie dann an Fantasy Productions. Von dort wechselte die Serie an den Lizenzpartner Ulisses, wo ATLAN leider nicht so gut funktionierte, wie wir alle es uns erhofft hatten.

Der Baukau Media Verlag erschien uns als ein sehr guter Partner, vor allem wegen der persönlichen Begeisterung der beiden Verleger. »Ich fand Atlan schon immer sehr interessant, als Romanfigur und als Serie«, begründete Eckhard Schwettmann das Engagement in einer Pressemitteilung, »und bin nun sehr glücklich, dass wir die Buchreihe in unveränderter Form weiterführen können.«

Im Frühjahr 2014 erlebte die Reihe tatsächlich einen »Neustart«. Der Baukau Media Verlag führte die Reihe fort, am 24. März 2014 erschien der ATLAN-Band 43. »Entgegen dem langjährigen Publikationsrhythmus wird Baukau 2014 gleich drei ATLAN-Bände veröffentlichen«, schrieben wir in einer entsprechenden Pressemitteilung.

Von Anfang an wollten die Schwettmanns zusätzliche Akzente für die Serie setzen. Mit der bloßen Fortsetzung der Serie wollten sie sich nicht begnügen.

VoATLAN-Blauband 45r allem Eckhard Schwettmann sah in der ATLAN-Serie nur den Anfang: »Wir haben auch noch viel mehr vor als diese drei ATLAN-Hardcover«, sagte er. »Als nächstes werde ich ein großes, reich bebildertes Hardcover unter dem Arbeitstitel ›Der Kristallprinz – Die Welt des ATLAN‹ projektieren, das könnte schon im Herbst 2014 erscheinen. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit!«

Auch die weiteren Bände kamen so in den Handel, wie es die Schwettmann-Brüder vorgesehen hatten. Im Juni publizierte der Verlag Band 44: »Die Macht der Sonnen«. Wieder hatte Rainer Castor sehr sorgsam gearbeitet, wieder hatte Arndt Drechsler ein schönes Titelbild gestaltet, wieder hatte Sabine Kropp die redaktionelle Arbeit abgewickelt und das fertige Buch gemeinsam mit Eckhard Schwettmann durch die Produktion »geboxt«.

Der erste Schicksalsschlag ließ leider nicht lange auf sich warten. Im Juni 2014 starb Volker Schwettmann ganz unerwartet. Sein Bruder Eckhard, der zu diesem Zeitpunkt bereits erkrankt war – was niemand von uns wusste –, führte die Geschäfte weiter. Während er versuchte, das Buchgeschäft voranzutreiben, musste er in Windeseile die Geschäftsbereiche Film und Musik übernehmen und sich in diese einarbeiten.

Seine Visionen zu ATLAN schwanden nicht. Er arbeitete an Konzepten und »wirbelte« weiter. Im September 2014 kam mit »Vorstoß der Rebellen« der Band 45 der ATLAN-Serie in den Handel. Damit waren die Jugendabenteuer abgeschlossen. Wir freuten uns alle darauf, und selbstverständlich stellte sich die Frage nach dem »Danach«.

Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2014 unterhielten sich Eckhard Schwettmann und ich angeregt über die Möglichkeiten, mehr aus ATLAN zu machen. Er dachte an neue Romane, er wollte die bisherigen Taschenbücher in Form von »Dreier-Paketen« noch einmal in den Handel bringen.

Wenige Wochen später starb er plötzlich. Es war ein Schock für uns alle, und als ich bei der Trauerfeier in Baden-Baden eine Rede hielt, empfand ich das als sehr schmerzhaft. Kein Jahr später kam der nächste Schlag: Rainer Castor verstarb im September 2015 – damit fehlte der Mann, der die Serie inhaltlich betreut hatte.

Wenn ich jetzt auf 45 ATLAN-Bände zurückblicke, die es in gedruckter Form und auch als E-Books gibt, bin ich sicher, dass Eckhard Schwettmann sich sehr über die schöne »Blauband«-Serie freuen würde. Dank seines Engagements hatten wir sie »im Print« zu Ende gebracht. Und er, mit dem wir 1999 erstmals ins Digitalgeschäft gestartet waren, wäre über die Komplettausgabe in Form von E-Books sehr glücklich gewesen.

Ähnliches gilt für Rainer Castor: Die ATLAN-Blaubände waren sein »Baby«, und er hätte diese Komplettveröffentlichung sehr geschätzt.

 

Klaus N. Frick

 

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