Der Redakteur erinnert sich: Wir feierten Seriengeburtstag

27.12.2013 08:03 von vpm

Kurz vor zehn Uhr begann es stärker zu regnen; aus dem sanften Nieseln wurde ein ausdauerndes Plätschern. Der Samstag, 8. September 2001, schien ein feuchter Tag zu werden, und dabei wollten wir doch in aller Ruhe und mit viel Freude den vierzigsten Geburtstag der PERRY RHODAN-Serie feiern.

Sorgenvoll schaute ich zum Dach hoch, das unser Büro- mit dem alten Lagergebäude des Verlages verband. Das Dach bestand aus stabilem gewelltem Plexiglas und hielt etwas aus, aber das dauernde Prasseln von Tropfen wurde immer lauter. Ebenso sorgenvoll blickte ich zum Bierkarussel, das wir mitten in den Hof hatten stellen lassen. Wer sich ein Getränk holen wollte, musste schnell sein, um nicht nass zu werden.

Ich wollte mir die gute Laune trotz aller Spannung nicht vermiesen lassen. In meinem Büro führte ich ein erstes Pressegespräch. Weitere sollten folgen, denn an diesem Tag waren zahlreiche Zeitungen nebst Rundfunk und Fernsehen vor Ort.

Als ich aus dem Verlagsgebäude trat und in den Hof kam, war alles so aufgebaut worden, wie wir es uns vorgestellt hatten. An der Kasse standen die Besucher schon Schlange, an einem schräg gestellten Tisch begann Alfred Kelsner damit, »live« ein Science-Fiction-Bild zu malen, und die Wurfbude wartete auf alte wie junge »Kindsköpfe«, die Lust darauf hatten, mit Bällen auf Blechdosen zu werfen, auf denen Außerirdische abgebildet waren.

Wichtig war die Wechselstube, an der uns eine Kollegin aus der Geschäftsleitung half. Wir hatten extra für die Veranstaltung den Galax eingeführt, eine Währung, die nur an diesem Tag galt. Der Einfachheit halber hatten wir einen Umtauschkurs von eins zu eins gewählt: Für eine Mark bekamen die Besucher einen Galax, mit dem sie sich Essen und Getränke kaufen oder später bei der Versteigerung mitmachen konnten. Und wer wollte, konnte sowieso am Stand der PERRY RHODAN-FanZentrale stöbern, wo haufenweise aktuelle Clubzeitschriften angeboten wurden.

Großen Anklang fand das Geschenk, das alle Besucher bekamen: eine schöne Faksimile-Ausgabe des allerersten PERRY RHODAN-Exposés, also etwas, das man nirgends kaufen konnte und um dessen Existenz sich seit Jahrzehnten allerlei Gerüchte rankten. Die meisten Besucher blätterten das Exposé erst einmal durch, bevor sie sich in das Getümmel stürzten: Während der Regen auf das Dach prasselte, kamen nämlich immer mehr Menschen zu unserem Tag der offenen Tür.

Ich machte das, was im Moment sinnvoll erschien: Ich repräsentierte. In aller vorgetäuschten Ruhe – obwohl in mir alles angespannt war – spazierte ich zwischen den Biertischen und Informationsständen herum, sprach mit Besuchern, schüttelte bekannten Personen die Hand, sprach mit den Autoren, die mittlerweile eingetroffen waren, sowie Alfred Kelsner und freute mich darüber, wie die PERRY RHODAN-Fans auch in den unteren Stock des Verlages gingen.

In diesem Flur hatten wir Originale von Johnny Bruck aufgehängt: einige Dutzend Bilder des PERRY RHODAN-Künstlers, alle hervorragend gerahmt und schön präsentiert, in einer Qualität, wie man sie bislang nur selten zu Gesicht bekommen hatte. Ich freute mich über das Staunen der Besucher und amüsierte mich, wenn einige besonders Neugierige versuchten, einen Blick in mein Büro zu erhaschen.

»Du hättest persönliche Führungen durch die Papierberge in deinem Büro anbieten sollen«, spottete der PERRY RHODAN-Autor Robert Feldhoff, als er die Neugierigen erblickte. »Mit einem speziellen Schloss für die Exposés und Original-Manuskripte natürlich.«

Gegen elf Uhr sollte die offizielle Eröffnung sein, und genau um diese Zeit hatte ich meinen Rundgang beendet. Die Lagerhalle der Verlagsunion Pabel-Moewig war gesäubert und für die Veranstaltung vorbereitet worden. Weiße Papierbahnen verdeckten die Regale, in denen Kartonagen und Druckunterlagen gestapelt waren; gleichzeitig wurden auf sie Bilder projiziert, womit der große Raum einen Science-Fiction-Charakter erhielt.

Die rund 120 Sitzplätze waren alle belegt, einige Dutzend Festbesucher standen im Hintergrund der Halle. Die einleitenden Worte sprach Klaus Löhning als Vertreter der Verlagsleitung, dann folgte mein Programmpunkt: Ich hielt einen Diavortrag über 40 Jahre PERRY RHODAN: mit Dias in kleinen Kunststoffhüllen, mithilfe eines klassischen Dia-Projektors. (Heute kann man sich das kaum noch vorstellen.)

Der Vortrag brachte dem echten Fan sicher nichts neues, bescherte aber hoffentlich den Menschen Informationen, die bisher von PERRY RHODAN noch nicht so viel wussten. Bei einigen witzigen Bemerkungen erntete ich Lacher im Publikum, die mir das Gefühl gaben, dass mein Vortrag ankam.

Es folgten Filmvorführungen, unter anderem zeigten wir eine Johnny-Bruck-Dokumentation, die im Fernsehen bereits bei »BR Alpha« gelaufen war. Da ich das alles kannte, verließ ich die Halle wieder.

Ich nutzte die Chance, mich erneut auf dem Gelände umzusehen: Es war mittlerweile zwölf Uhr mittags, es regnete immer noch in Strömen, aber nach den Schätzungen, die ich von Klaus Bollhöfener erhielt, waren bereits an die 400 Besucher anwesend, die sich zwischen Lagerhalle, Bewirtungsbereich, der Druckerei und dem eigentlichen Verlag ziemlich gut verteilten. Es herrschte ohnehin ein ständiges Kommen und Gehen; viele Menschen blieben nur für zwei oder drei Stunden, um sich zu informieren, und gingen dann wieder.

Insgesamt dürften wohl 700 Besucher den Weg zum Verlag gefunden haben: die meisten aus der Fan-Szene, wenige aus dem Verlag, praktisch niemand vom Rastatter Stadtfest, das an diesem Tag sowieso im Dauerregen versackte.

Meine Anspannung ließ langsam nach. Es sah so aus, als ob unsere Veranstaltung kein Flop werden würde. Ich hoffte zudem nach wie vor darauf, dass sich das Wetter irgendwann bessern würde ...

Klaus N. Frick

Zurück