Der Redakteur erinnert sich: Wie wir PERRY RHODAN NEO präsentierten

19.09.2014 08:00 von vpm

Ich war extrem angespannt an diesem Samstag. 1. Oktober 2011. Seit dem Vortag war ich kaum aus dem Kongresszentrum Rosengarten in Mannheim herausgekommen, der PERRY RHODAN-WeltCon 2011 lief. Tausende von Fans waren in den Hallen unterwegs, dazu kamen Autoren und Journalisten, Programmteilnehmer und Helfer; ich sprach praktisch ununterbrochen mit Menschen und hatte meine Mühe, alle Informationen permanent »auf dem Schirm« zu haben.

Und dann wollten wir auch die neue Science-Fiction-Serie präsentieren, an der wir in den vergangenen Monaten gearbeitet hatten. PERRY RHODAN NEO stand an, wir hatten den ersten Band dabei, der in einer Sonderauflage für die Besucher des WeltCons gedruckt worden war. Um 13.15 Uhr sollte ich zusammen mit Elke Rohwer, unserer NEO-Redakteurin, auf der Bühne des großen Saales stehen – da ich das nicht jeden Tag mache, war ich gebührend angespannt.

Es NEO-Cover Band 1 von Dirk Schulzberuhigte mich nicht, dass Elke Rohwer ebenso nervös war wie ich. Ich eilte von der Bühne – hinter der unsere improvisierte »Kommandozentrale« war – noch einmal hinunter in den unteren Stock. Dort waren die Aufenthaltsräume für die Helfer, und in diesen organisierte die Kollegin unter anderem die Verpflegung für Autoren und Helfer, Ehrengäste und Journalisten. Ich fand sie nicht – kein Wunder, denn Elke Rohwer hatte sich für unseren gemeinsamen Auftritt umgezogen.

Wir standen hinter dem Vorhang auf der Bühne, jeder von uns hatte sein Manuskript in der Hand. Ich hatte das Gefühl, dass das Papier langsam feucht wurde, so sehr schwitzten meine Finger. Wie würden die Fans unsere neue Serie aufnehmen, wie würden sie auf PERRY RHODAN NEO reagieren? Niemand wusste es; wir hatten das Thema lange Zeit streng geheim gehalten.

Auch wenn ich es nicht sah, war mir bewusst, dass sich die Helfer bereits in Stellung brachten. Sie hatten die NEO-Taschenhefte auf Paletten vorbereitet, sie mussten sie nur noch verteilen. Ich hoffte, dass das gut ging; vom WeltCon im Jahr 1999 her wusste ich sehr gut, wie schnell so eine Verteilungsaktion ablief und wie schwierig sie unter Kontrolle zu halten war.

Mike Hillenbrand, unser Conferencier, trat zu uns. Noch einmal sprach er mit uns den Programmpunkt durch. »Das klappt schon«, meinte er trocken. »Die fiebern schon vor Begeisterung, die lieben euch doch.« Er zwinkerte uns zu. Mikes ruhige Art half mir beim WeltCon oft über mein Lampenfieber hinweg; er war als Bühnenprofi einfach unglaublich erfahren in solchen Dingen.

Er trat auf die Bühne, die Techniker schalteten sein Mikrofon frei, und dann moderierte er uns an. Diesmal verzichtete er auf Witze, sondern hielt sich sehr zurück. Mike trat zur Seite und wies auf das Rednerpult.

Elke Rohwer und ich gingen nebeneinander ans Rednerpult und stellten uns auf die vorher vereinbarten Positionen. In dem Licht, das die Techniker auf die Bühne warfen, schimmerten wir geradezu blau; ich sah nicht viel und spürte vor allem die Hitze der Scheinwerfer. Aber was ich wahrnahm, war geradezu wuchtig: Der Saal war komplett gefüllt – und er war vor allem völlig still. Die Con-Besucher warteten gespannt.

Abwechselnd lasen Elke und ich das vor, was ich an einem Wochenende vor dem Con verfasst hatte. Wir sprachen über die Vergangenheit der PERRY RHODAN-Serie und ihre Zukunft, über das neue Projekt und seine Möglichkeiten – und wir machten klar, dass PERRY RHODAN NEO nicht das bisherige PERRY RHODAN-Universum ablösen würde.

»Die beiden Universen werden sich nie vermischen«, versprach ich, und an diesem Moment gab es sogar Szenenapplaus. Offensichtlich hatten die Con-Besucher genau auf diese Erklärung gewartet.

Während wir sprachen, liefern hinter uns auf der Leinwand die Bilder ab, die Marie Sann zu PERRY RHODAN NEO gezeichnet hatte. Ich konnte es leider nicht sehen (bekanntlich hat ein Mensch im Hinterkopf keine Augen) – aber ich sah den Lichtkegel im Hintergrund des Saales, der auf einen Tisch gerichtet war. Dort zeichnete Marie Sann ein neues Bild, quasi live zu unserem Vortrag. Das Bild wurde später auch hinter uns eingeblendet, und ich fand, dass es klasse aussah.

Nachdem wir mit unserer Präsentation fertig waren, gab ich bekannt, was nun passieren sollte. »Das Sonderheft ist heute unser Geschenk an euch«, versprach ich.

Die Helfer platzierten sich an den Ausgängen des Mozartsaales, jeder Fan bekam ein Heft, und danach sollte gleich die Autogrammstunde losgehen. Ich bat noch ein letztes Mal um Disziplin, dann standen die Fans auch schon auf.

Während die Helfer sich an den Seitentüren platzierten, steigerte sich die Unruhe im Saal. Im Applaus verließen Elke Rohwer und ich die Bühne. Ich sah, wie sich Trauben von Fans an den Türen versammelten, wie diese sich öffneten und wie dann alle ins Freie strömten. Jeder bekam ein Exemplar des ersten Romans von PERRY RHODAN NEO – ich sah, wie die ersten Fans gleich ihren Roman aufschlugen und noch im Gehen mit der Lektüre begannen.

Und ich war fürs erste froh, dass ich von der Bühne verschwunden war. Mike Hillenbrand schaute mich an. »Tat doch gar nicht weh«, meinte er.

Dann verschwanden wir in den »Katakomben«. Während der Autorgrammstunde, die vor allem die Autoren und Zeichner betraf, konnte ich in aller Ruhe etwas essen. Zumindest hoffte ich das ...

Klaus N. Frick

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