Der Redakteur erinnert sich: Wie Eckhard das Bloggen erfand

04.12.2014 08:00 von vpm

Das »Marketingbüro«, wie wir ab dem Sommer 1996 das Büro nannten, in dem Eckhard Schwettmann rings um die Marke PERRY RHODAN zu wirbeln begonnen hatte, war am Dienstag, 14. Januar 1997, der Ort einer Besprechung. Oliver Reiff und Matthias Schnurrer waren zu Besuch; die beiden Kollegen waren von Anfang an für unseren Internet-Auftritt zuständig.

Wir saßen um den Tisch, Eckhard auf der einen Seite, ich auf der anderen, die beiden Internet-Kollegen seitlich von uns. Das Fenster stand offen, wie Eckhard es auch bei frischen Temperaturen mochte, und es kam kühle Luft herein. Das war durchaus nötig; wir diskutierten intensiv über alle möglichen Fragen. Wie immer ging es darum: Was kann man mit diesem neumodischen Medium namens Internet eigentlich alles machen, wohin entwickeln wir die PERRY RHODAN-Seite?

Wie so oft, war Eckhard rasch mit einer neuen Idee dabei: »Die Leute lieben Geschichten. Und sie lieben Geschichten hinter den Geschichten.« Er erinnerte an »PERRY RHODAN-privat«, eine Rubrik, die es in den 70er- und 80er-Jahren auf der Leserkontaktseite der PERRY RHODAN-Serie gegeben hatte. »Lass uns so etwas auch auf unserer Internet-Seite machen«, so sein Argument.

Zuerst verstand ich gar nicht, was er meinte; die Internet-Kollegen waren schneller. »Eine Art Internet-Logbuch also«, ergänzte Eckhard. Er sah mich an. »Ein Logbuch der Redaktion.«

Ich sperrte mich ein wenig. Das sei eine zusätzliche Arbeit, so ein Logbuch müsse schließlich von mir geschrieben werden, und ich sei doch sowieso nicht gerade mit Langeweile gestraft.

Eckhard argumentierte dagegen. Ich sei derjenige, bei dem die Fäden der Redaktion zusammenliefen; die Autoren schickten ihre Manuskripte an mich, und ich sei die Person, mit dem sie kommunizierten. »Eine wöchentliche Kolumne wäre toll«, meinte er, »neues aus der Redaktion, ein wenig Tratsch und Klatsch.« Ich solle einfach über das schreiben, was mir einfiele; das würde man dann auf die Internet-Seite stellen.

Nach einigem Hin und Her kapierte ich seine Idee. Zwar befürchtete ich, dass die Routine meiner Arbeit niemanden interessieren würde. »Vielleicht empfinden die Leser das als belanglos, was so ein Redakteur macht«, orakelte ich.
Eckhard war anderer Ansicht, die zwei Kollegen von Trilobit – so nannten sie ihre kleine Zwei-Mann-Firma mit einer gewissen Eigenironie – schlossen sich ihm an. Und ich willigte ein. »Mal schauen, was daraus wird«, meinte ich pessimistisch; ich ging nicht davon aus, dass ich das lange machen würde.

Zwei Tage später schrieb ich mein erstes »Logbuch der Redaktion«. Unter anderem kündigte ich an, das die Leser künftig erfahren sollten, »was in den letzten Tagen in der PERRY RHODAN-Redaktion und ringsherum los war«. Darüber hinaus versprach ich: »Das können durchaus aktuelle Informationen sein, ebenso aber auch unstrukturierte Gedanken.« Letztlich hänge es von der Zeit ab, die ich dafür aufbringen könne, und von den Themen, die zu bearbeiten seien.

Unter anderem schrieb ich in diesem Logbuch über das aktuelle ATLAN-Buch, das von Hans Kneifel geliefert worden war. Ich hatte das Manuskript am Vortag in die Setzerei gegeben. Es waren die »Balladen des Todes«, also der zehnte Band der ATLANA-Buchreihe. Der Roman spielte im Mittelalter, und es tauchten wichtige Figuren wie Leonardo da Vinci, Christopher Columbus und Kopernikus auf.

Dabei amüsierte mich sehr, wie schön Hans Kneifel beispielsweise die Geschichte der Mona Lisa mit der des unsterblichen Arkoniden verbunden hatte: Die Dame auf dem Bild lächelt deswegen so seltsam, weil sie die Nacht zuvor mit Atlan verbringen durfte ... Das allerdings schrieb ich nicht; ich erzählte es jedoch Eckhard Schwettmann, der künftig Mona Lisa und Atlan in vielen Presse- und Marketinggesprächen erwähnte.

Zurück zum ersten Logbuch. Ich schrieb über die weiteren Fortschritte bei der ATLAN-Arbeit, erzählte vom Lektorat des umfangreichen Manuskriptes und vom Verfassen der zusätzlichen Texte. Letztlich ging es in diesem Logbuch also vor allem um Kleinkram.

Auf die aktuelle Romanhandlung blickte ich in diesem Logbuch auch; Eckhard hatte vermutet, dass das die Leser besonders interessieren könnte. Ich verwies auf ein anstehendes Exposé-Wochenende mit Ernst Vlcek und Robert Feldhoff in Hamburg. Bei diesem sollte es um die PERRY RHODAN-Romane ab Band 1875 gehen: um die geteilte Stadt Terrania, den Deltaraum der Baolin-Nda, das Geheimnis der Nonggo oder die Herkunft Shabazzas ...

Anfang schaffte ich es, jede Woche ein Logbuch der Redaktion zu schreiben. Nach einiger Zeit ließ der Elan aber nach, vor allem auch deshalb, weil sich die Themen rasch wiederholten. Aber seit diesem Januar 1997 zählte das Logbuch zu den festen Einrichtungen unserer Internet-Seite.

Klaus N. Frick

 

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