Der Redakteur erinnert sich: Vorbereitungen auf die Popkomm 96

29.07.2015 08:30 von vpm

Kaum war Eckhard Schwettmann im Haus, legte er bereits mit seinen Aktivitäten los. Im Sommer 1996 knüpfte unser neuer Marketingleiter an den unterschiedlichsten Ecken und Enden seine Kontakte – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Verlages. Er sprach im Verlag mit allen wichtigen Personen, und er telefonierte stundenlang mit ehemaligen Arbeitskollegen, die er aus der Kommunikationsbranche kannte. All diese Kontakte nutzte er, um seinen Marketingbereich aufzubauen.

In derselben Zeit organisierte Ute Gerlach, seine Assistentin, den tagtäglichen Ablauf im Büro. Und an jedem Tag saßen Eckhard und ich zusammen, um über aktuelle Themen zu sprechen und auszuloten, in welche Richtung man PERRY RHODAN denn »neu denken« könnte. Einige Dinge waren bereits angelaufen, etwa die Musikproduktion mit dem Komponisten Christopher Franke oder das Computerspiel – diese Projekte wurden durch Eckhard Schwettmann endlich beschleunigt.

Aber das reichte ihm nicht. »Wir müssen mit PERRY RHODAN einen richtig starken Auftritt hinlegen«, sagte er nicht nur einmal. »Wir müssen raus aus dem Heftroman-Umfeld, wir müssen dahin, wo die Medien sind, wo man junge Leute ansprechen kann.«

Nur dann könnte man darüber hinaus weitere Aktivitäten entwickeln. »Erst wenn wir eine richtig coole Marke mit Kultfaktor sind, erreichen wir die neuen Zielgruppen.« Das klang schlüssig, damit überzeugte er uns alle. Ein wenig irritiert war ich dennoch, als er mit der – aus seiner Sicht – logischen Schlussfolgerung kam: »Wir müssen auf die Popkomm!«

Von der Popkomm hatte ich selbstverständlich schon gehört. Ich wusste, dass es sich dabei um eine große Messe für Popkultur im weitesten Sinne handelte. Hier traf sich die Musikbranche aus halb Europa: zahlreiche Musiker, Journalisten, Branchenvertreter und Schaulustige. Im Sommer verwandelte sich Köln dann auch wegen des sogenannten Ringfestes in eine riesige Bühne für Popkultur im weitesten Sinne. Und da sollten wir mit PERRY RHODAN hin?

»Die Serie ist Kult«, beharrte Eckhard. »Jeder kennt sie, also müssen wir dafür sorgen, dass dieser Kult weiter getrieben wird.« Schon zu diesem Zeitpunkt hatte er in ersten Gesprächen festgelegt, dass es im Sommer 1996 noch eine eigenständige Musikproduktion zum Thema PERRY RHODAN geben würde. »Wir knacken den Jugendmarkt«, war seine Devise – und die Popkomm sollte ein erster wichtiger Schritt auf diesem Weg sein.

Mitte Juni stellte Eckhard in einem Fax das zusammen, was er sich für die Popkomm und PERRY RHODAN vorstellte. Dieses Fax schickte er an die Geschäftsführer der Musikkomm, der Gesellschaft also, die die Popkomm veranstalten sollte. Einer der beiden Ansprechpartner war ein alter Freund von ihm, den anderen kannte ich aus dem »subkulturellen Umfeld« der 80er-Jahre, weil er in einer Band gespielt hatte.

»So ungefähr stelle ich mir Perry Rhodan auf der Popkomm. vor« schrieb Eckhard und schlüsselte in sechs Punkten seine Überlegungen auf. Unter anderem hatte er einen Stand geplant, den er auch schon reserviert hatte. An diesem Stand wollte er Vurguzz ausschenken. Das Getränk beschrieb er so: »ist grün, alkoholhaltig und im ganzen Universum erhältlich, Erfindung von Clark Darlton alias Walter Ernsting, einer der drei PR-Erfinder«.


Dass Vurguzz nicht von Walter Ernsting erfunden, sondern von ihm nur in die Serie eingeführt worden war, wusste Eckhard – aber für diesen Kontakt waren die Details nicht so wichtig wie die Geschichte, die man um das Getränk herum stricken konnte.

Weitere Punkte betrafen die »Taschenbeileger« – jeder Popkomm-Besucher bekam eine Tüte mit allerlei Inhalt – oder einen Vortrag von Eckhard selbst. Er wollte über »Markenfusion und Medienkooperation« sprechen, über »Pop als Kommunikationsplattform«, was damals in der Tat ein spannendes Thema war.

Weil Eckhard immer ein Fan von Johnny Brucks klassischen Bildern gewesen war, wollte er unbedingt den PERRY RHODAN-Illustrator präsentieren. Johnny war erst neun Monate zuvor an den Folgen eines Verkehrsunfalls gestorben, und Eckhard wollte nicht, dass er schon in Vergessenheit geriet. »Johnny hat das Gesicht der Serie über Jahrzehnte hinweg geprägt«, argumentierte er, »seine Bilder haben die Serie bekannt gemacht.«

Aus diesem Grund wollte er während der Popkomm eine eigenständige Ausstellung zu »35 Jahre PERRY RHODAN« installieren. Er wollte kostbare Sammlerstücke zeigen, japanische Originalausgaben, Titelbilder von Johnny Bruck – natürlich die Originale – sowie weitere interessante Dinge. »Das fesselt die Medienschaffenden«, davon war er überzeugt.

Als Abschluss für die PERRY RHODAN-Aktivitäten in Köln hatte er eine Party geplant, die »nur für geladene Gäste« sein und im Stadtgarten stattfinden sollte. Als Thema dachte er an »Zukunft« im weitesten Sinne. Das Gelände sollte »mit (kultig-trashigem) Weltraumambiente aus dem PR-Universum geschmückt und bereichert« werden, so die Überlegung des neuen Marketingleiters.

Das Fax wurde abgeschickt, wobei einige Dinge, die darin standen, bereits im Vorfeld diskutiert worden waren. Und dann konnten wir an die eigentliche Arbeit gehen – schließlich sollte PERRY RHODAN in einem »zeitgeistigen Umfeld« möglichst modern und vielseitig präsentiert werden. Die Idee elektrisierte uns alle – und ich war schon sehr gespannt darauf, wie sich der Auftritt »anfühlen« würde ...

Klaus N. Frick

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