Der Redakteur erinnert sich: Konzeptarbeit für Andromeda

02.11.2012 08:00 von vpm

Der 24. Oktober 2001 markierte für die weitere Zusammenarbeit der PERRY RHODAN-Redaktion mit der Science-Fiction-Redaktion des Heyne-Verlags einen wichtigen Einschnitt: An diesem Tag verschickte ich endlich mein fertig gestelltes Konzept, in dem ich die Eckpunkte für einen möglichen Taschenbuch-Zyklus zusammengestellt hatte.

Ich griff einen wichtigen Punkt auf, den ich mit Sascha Mamczak bereits beim Frühstück in Philadelphia angesprochen hatte. Unsere Zusammenarbeit müsse unbedingt »Event-Charakter« haben. Konkret: »Die besten Mitarbeiter beider Verlage müssen hier zusammenwirken: Populäre Autoren wie Andreas Eschbach und Hans Kneifel, die sowohl PERRY RHODAN-Bezug haben als auch dem Leser der ›allgemeinen‹ Science Fiction bei Heyne etwas sagen, müssen dabei sein, dazu erfahrene PERRY RHODAN-Profis wie Hubert Haensel oder Uwe Anton (unter anderem Übersetzer für Heyne) und eventuell ein talentierter Neuling.«

Zielgruppe dieser Argumentation warCover: Andromeda 4 nicht die Redaktion. In der Science-Fiction-Redaktion bei Heyne kannte man sich aus – aber ich wollte die Vertriebsleute ansprechen, wollte diese für ein gemeinsames Projekt begeistern. Die Damen und Herren im Vertrieb kannten Andreas Eschbach, und sie wussten, dass dessen Romane sich gut verkauften; sie kannten ebenso Hans Kneifel, dessen historische Romane anfangs der Nuller-Jahre sehr populär waren. Und Uwe Anton gehörte zu den Stamm-Übersetzern für Science Fiction im Heyne-Verlag.

Ebenso argumentierte ich in punkto Optik so, dass die Vertriebskollegen und Kaufleute sofort verstehen sollten, was ich wollte: Beispielsweise sollten wir bei den Titelbildern »ganz klar den Fan des Weltraum-Abenteuers« ansprechen; deshalb stellte ich mir »besonders populäre Künstler wie Thomas Thiemeyer (Heyne) oder Swen Papenbrock (PERRY RHODAN)« vor. Vor allem der Kollege Thiemeyer, der ab Ende der Nuller-Jahre vor allem als Autor wahrgenommen wurde, war um 2000 und 2001 einer der populärsten Titelbildkünstler des Heyne-Verlages.

Meine Überlegung war, dass der Heyne-Vertrieb durchaus ein Interesse haben könnte, erneut mit PERRY RHODAN in die Buchhandlungen zu starten. Neben »BattleTech« oder »Shadowrun«, die bereits erfolgreich liefen, vor allem aber amerikanische Autoren veröffentlichten, sollte eine weitere Science-Fiction-Reihe den Verlag schmücken. Zudem spekulierte ich darauf, dass Leser, die bisher PERRY RHODAN ausschließlich als Heftroman kannten, künftig ergänzend Taschenbücher kaufen würden – nicht nur PERRY RHODAN, sondern auch andere.

Im Idealfall würden beide Verlage profitieren. Cover: Andromeda 5Ich wollte mit PERRY RHODAN wieder in den Buchhandel, wo ich den Silberbänden mit ihren Nachdrucken eine erfolgreiche Reihe mit neuen Romanen zur Seite stellen wollte. Meine Überlegung war zudem, mit den Taschenbüchern solche Leser zu gewinnen, die nach wie vor ein Interesse an PERRY RHODAN hatten, denen aber die Lust fehlte, sich auf lange Zyklen einzulassen.

Auch wenn Sascha Mamczak bereits wusste, wie wir arbeiteten, schrieb ich in das Konzept hinein, wie der Ablauf sein sollte: »Sollten sich beide Parteien einigen, wird die PERRY RHODAN-Redaktion einen erfahrenen Autor damit beauftragen, ein Rahmen-Exposé für den gesamten Mini-Zyklus sowie Exposés für die einzelnen Romane zu erstellen. Diese Exposés gehen dann an die jeweiligen Autoren, die zeitgleich an ihren Romanen schreiben. Dabei werden sie von einem Redakteur aus der PERRY RHODAN-Abteilung betreut und koordiniert, der sich auch um das Lektorat kümmert.«

Im weiteren Verlauf meines Konzeptes ging es um die Art und Weise, wie die Daten übertragen werden sollten – zu jener Zeit waren Mails noch nicht allgemein üblich –, oder schlichtweg um die Vertragsgestaltung. Wie hoch sollte das Autorenhonorar sein, wie hoch die Kosten für das Lektorat? Wie viel Prozente müssten in den Vertrag geschrieben werden, dass der Pabel-Moewig Verlag bei diesem Projekt nicht ins Minus rutschte, Heyne aber ebenfalls etwas verdienen konnte?

Und welche Marketing-AnstrengungenCover: Andromeda 6 mussten unternommen werden, damit das Projekt überhaupt erfolgreich sein könnte? Ideen dazu hatte ich einige, aber es hing natürlich davon ab, was Heyne selbst unternehmen wollte. Es genügte nicht, die Taschenbücher einfach zu publizieren und dann zu hoffen, dass sie jemand kaufte. Aber da vertraute ich auf Sascha Mamczak und seine Fähigkeiten, den eigenen Vertrieb entsprechend anzutreiben.

Nachdem ich das Konzept verschickt hatte, musste ich warten. Von Heyne kam ein Zwischenbescheid, Sascha Mamczak würde das Konzept intern diskutieren. Aber ich war sehr optimistisch, mit den Kollegen in München zumindest sechs Taschenbücher verwirklichen zu können ...

Klaus N. Frick

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