Der Redakteur erinnert sich: Ein Papier zur FanZentrale – zweiter Teil

07.01.2015 08:00 von vpm

In einem zwei Seiten umfassenden Arbeitspapier, das ich im Juni 1994 für rein interne Zwecke formulierte, stellte ich die Gedanken zusammen, die ich zu einer möglichen PERRY RHODAN-Fan-Zentrale hatte. Basis dafür waren vor allem Gespräche, die ich mit Hermann Ritter und einigen anderen Personen geführt hatte – bei einem langen Frühstück in seiner Küche im südhessischen Weiterstadt.

Mein Ziel war, einen offiziellen Auftrag des Verlages zu erhalten, um dann weitere Schritte einzuleiten. Mit den Überlegungen zu einer Fan-Zentrale wollte ich auf aktive Fanzinemacher und Clubs zugehen, um diese auf eine gemeinsame Linie einzuschwören. Zuerst aber musste ich den Chefredakteur auf meine Seite bekommen ...

Ein wichtiges Anliegen dabei war mir das geplante Magazin. Ich wollte, das die Fan-Zentrale ein internes Fanzine haben sollte, »eine Art PERRY RHODAN-Magazin mit guter bis semiprofessioneller Gestaltung«. In diesem Heft wollte ich »interne Dinge aus der PERRY RHODAN-Küche« bringen, aber auch »Berichte aus den Clubs«.

Eine Absage erteilte ich in meinem Konzept den »Einzelheft-Kritiken« und anderen Dingen, die es in den verschiedensten Club-Fanzines sowieso schon gab. Das Magazin sollte nach außen wirken können und sich teilweise durch Anzeigen des Verlages sowie des Versandhändlers Transgalaxis finanzieren.

»Als nächster und sehr wichtiger Schritt« benannte ich etwas, das beim ersten Gespräch am Frühstückstisch bei Hermann Ritter ein zentrales Thema gewesen war: Die Zentrale könnte einen Fanzine-Vertrieb aufbauen, »der einen regelmäßigen Katalog herausgibt, über den man sich weitere Fan-Produkte kaufen kann«. Die Überlegung von Hermann Ritter und mir war gewesen, »eine zentrale Vertriebsstelle für Fan-Produkte« zu schaffen, weil offizielle Stellen zu dieser Zeit planten, die portosparende Büchersendung abzuschaffen.

Wir hatten vor, den Fans mit dieser Aktion entgegenzukommen: Wer wollte, konnte die Fanzines von gleich mehreren Clubs auf einmal erhalten – das würde Porto sparen. An das Internet und seine Möglichkeiten dachte im Sommer 1994 noch niemand von uns; Fanzines als PDF oder gar E-Books waren so weit in der Zukunft, dass sie nicht einmal in Science-Fiction-Romanen auftauchten.

In meinem Arbeitspapier listete ich darüber hinaus zwei weitere Punkte auf, die Hermann Ritter und ich beide interessant gefunden hatten. Wir stellten uns vor, dass die Fan-Zentrale einzelne Lizenzprodukte preiswerter einkaufen und an ihre Mitglieder weiter vertreiben könnte – dann hätten diese Mitglieder bei manchen Dingen einen klaren Preisvorteil. Und wir dachten an »eigene Produkte«, die es »speziell von Fans für Fans« und »zu attraktiven Preisen« geben sollte.

Ich blickte vertrauensvoll in die Zukunft. Die Fan-Zentrale sollte man rasch gegründet haben, idealerweise gleich »mit einem Vorstand und einer Satzung«. Meine Überlegung: »Das Projekt kann erst laufen, wenn es schon besteht«, und dann könne endlich die Werbung dafür anlaufen. Für mich klang das logisch, und als ich das alles meinem Chef präsentierte, fand ich es noch logischer.

Im Vier-Augen-Gespräch trug ich alles vor, und Dr. Florian F. Marzin hörte sich meine Argumente mit gerunzelter Stirn an. Ich redete mich richtig in Begeisterung; meine Fan-Vergangenheit hatte mich gepackt. Endlich sah ich eine Möglichkeit, Fans und Verlag, Autorenteam und Leser zu einer vernünftigen Zusammenarbeit zu bewegen.

»Meinen Segen hast du ja«, brummte der Chefredakteur, nachdem er mein Konzept gelesen hatte. Er gab mir das ausgedruckte Papier zurück. »Aber jammer nicht rum, wenn es dir über den Kopf wächst oder dich die Fans nerven.«

»Wir müssen's zumindest versuchen«, argumentierte ich. »Mit dem Fandom gemeinsam können wir was in der Öffentlichkeit bewirken.«

»Dein Wort in Gottes Ohr«, kommentierte er trocken. Damit war die Sache erledigt, und ich verschwand wieder in meinem Büro.

Jetzt konnte ich an die nächsten Schritte gehen. Ich wollte das Projekt an die Öffentlichkeit tragen, es mit anderen Fans zumindest halb-offiziell diskutieren und dann irgendwann eine schöne PERRY RHODAN-Fan-Zentrale haben. Aber das würde eine andere Geschichte sein ...

 

Klaus N. Frick

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