Der Redakteur erinnert sich: Ein Café wird zum Namensgeber

26.03.2013 08:15 von vpm

Nachdem Ernst Vlcek meine Wohnung gründlich mit Zigarettenrauch angefüllt hatte, gingen er, Robert Feldhoff und ich noch einmal spazieren. Es war Montag, der 8. Februar 1999, und wir wollten mit unserer Exposé-Konferenz weitermachen. Gemeinsam bummelten wir von meiner Wohnung aus in die Innenstadt von Karlsruhe.

Während wir durch die kalte Fußgängerzone spazierten, sprachen wir über Comics und Musik, Science Fiction im Allgemeinen und PERRY RHODAN im Besonderen. Wie immer in solchen Fällen wechselten wir die Themen in raschem Tempo und kamen vom Hundertsten ins Tausendste. Immer wieder musste ich anhalten und einige Notizen zur Romanhandlung auf meinen Block schreiben, den ich sicherheitshalber mitgenommen hatte.

In einem Café legten wir erneut eine Gesprächspause ein. Ernst rauchte, Robert und ich tranken Kaffee, wir unterhielten uns weiter. »Wir brauchen noch einen Namen für die Galaxis, in die wir unsere Helden nach Band 2000 schicken«, sinnierte Ernst. »Der Name soll leicht verständlich und trotzdem originell sein.«

Roberts Blick fiel auf die Marke des Kaffees vor uns. »Wir nehmen das hier«, schlug er vor. »Segefredo klingt super.«
»Das ist der Name einer Marke«, protestierte ich, »das geht nicht.«

Robert grinste und meinte, dann müssten wir den Namen eben leicht abändern. Ins Protokoll nahmen wir als Begriff für die Galaxis einmal »Szegafredo« und einmal »Szega Fredo« auf. Wir legten darüber hinaus fest, dass sie groß sein sollte und sich »unterhalb« der Milchstraße befinden sollte, in einer Richtung also, die von heutigen Teleskopen nicht eingesehen werden kann. Damit wollten wir sichergehen, dass wir nicht die Vergangenheit einer Sterneninsel beschrieben, die man in der »heutigen Zeit« kannte.

»Wir schicken die SOL in die Vergangenheit«, das war unsere klare Absicht. Ich notierte im Protokoll: »Dabei werden die Geheimnisse des letzten Thoregon-Experiments geschildert; das alles, was im Prinzip bei der ES-Geschichte vorkommt.«

Die Besatzung der SOL solle einen Versuch beobachten, ein Thoregon zu schaffen. Nie hätten diese Versuche geklappt. In Szegafrendo allerdings sei man richtig weit: In dieser Galaxis sei »das klassische Thoregon-Prinzip (ein Gebiet des Universums ohne Kosmokraten und Chaotarchen) auch umgesetzt«. Vor allem Robert wollte auf den Ausgangspunkt des Thoregon-Komplexes zurückgreifen: Wie kann man in einem Universum voller fremdartiger Völker denn eigentlich Frieden schaffen?

Ernst und Robert schaukelten sich mit ihren Ideen geradezu auf: So sollte es unter anderem eine »Zivilisation geben, in der Frieden und Ausgleich dadurch geschaffen werden, dass man Geiseln austauscht.« Dies sei Ergebnis eines uralten Krieges, und als Folge dieser Ereignisse gebe es jetzt »auf jedem Planeten Angehörige anderer Völker«.

Zitat aus unserem Protokoll: »Eine andere dieser Zivilisationen ist auf völligem High-Tech angesiedelt; eine Art technische Utopie. Es gibt totale Datenvernetzung, es gibt unheimlich viele Transmitter, es gibt eine totale Informationsfreiheit.« Die Superintelligenz dieser Wesen solle eine Gemeinschaft aller Syntroniken sein, und dies wiederum sei ein Bewusstseinsspeicher für tote Lebewesen – daraus entstehe »die ES-Wurzel«.

Die SOL solle in der Galaxis Szegafredo aus einem sogenannten Megadom herauskommen, »der sich ebenfalls in einer Zone ohne virtuelle Teilchen befindet«. Dort sollte die Besatzung auf ein Wächtervolk treffen, auf die sogenannten Cranesen ...

Danach aber kümmerten wir uns vorrangig um den weiteren Verlauf der Handlung in der Milchstraße. Wir legten fest, dass es eine »Mutantenschwemme« geben sollte und dass die menschlichen Mutanten alle als Monochrom-Mutanten bezeichnet werden sollten. Wir wollten Mutantenschulen einrichten und uns dabei bewusst an den Anfängen der PERRY RHODAN-Serie orientieren.

Wir machten uns vor allem Gedanken darüber, wie sich eine solche Mutantenschwemme auswirken würde: »Was ist, wenn ein Mutant im Nachbarhaus wohnt? Es gibt verbrecherische Mutanten, es gibt welche, die keine Lust auf die Schule haben, und so weiter. Viele Terraner wollen natürlich auch keine Mutantenschule auf der Erde.«

Kriminelle Umtriebe in Zusammenhang mit den neuen Mutanten sollte es ebenfalls geben: »Kommandos, die versuchen, die einzelnen Mutanten zusammenzufassen und sie auf den etwa 5000 terranischen Siedlungswelten suchen« ...

Und außerhalb der Erde? Hier waren wir uns erstaunlich schnell einig: Die Macht der Arkoniden sollte rasant wachsen, das Kristallimperium sollte sich ausdehnen. Es solle künftig »10.000 Planeten, zu denen rund 20.000 ›kontrollierte‹ Sonnensysteme kommen«, umfassen. Weitere Eckpunkte unseres Milchstraßen-Hintergrundes: »Die LFT wächst auf 1500 Planeten plus assoziierte Welten an. Das Forum Raglund bleibt wie bisher, und das Galaktikum bleibt in Mirkandol.«

Eine Entscheidung an diesem 8. Februar 1999 sollte sich erst später zu einem wichtigen Entschluss ausweiten: »Das Kristallimperium bekommt einen neuen Imperator«, verzeichnet das Protokoll trocken.

Klaus N. Frick

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