Der Redakteur erinnert sich: Der Ferienfrachter startet in Gedanken

16.07.2014 08:00 von vpm

In all den Jahren, in denen Robert Feldhoff und ich zusammenarbeiteten, kamen wir immer wieder auf ähnliche Themen zurück. Eines davon betraf die Möglichkeiten, talentierte Autoren ausfindig zu machen und diese langfristig für die PERRY RHODAN-Serie zu etablieren.

Fast in jedem Gespräch schwärmte der eine oder andere von uns von den 70er- und 80er-Jahren: »Damals konnte ein Autor seine ersten Romane bei TERRA ASTRA veröffentlichen. Wenn er sich dort mit einem Einzelroman bewährt hatte, bekam er eine Trilogie oder eine kleine Serie angeboten, durfte später vielleicht bei ATLAN und MYTHOR mitschreiben.«

Wir träumten beide von einer Möglichkeit, Autoren zu fördern. Die Seminare an der Bundesakademie für kulturelle Bildung, wo wir beide als Dozenten tätig waren, hatten sich als schöne Methode erwiesen – aber wir wollten mehr. Und Robert hatte irgendwann eine Idee, die er mir im Herbst 2006 bereits mündlich vorstellte.

»Wir brauchen eine Möglichkeit, wieder Kurzgeschichten zu veröffentlichen, die im PERRY RHODAN-Universum spielen«, sagte er in einem Telefonat. »Damit können wir Autoren aufbauen – und wir schaffen den etablierten Autoren eine weitere Spielwiese.«

»Kurzgeschichtenbände verkaufen sich aber schlecht«, argumentierte ich dagegen, »und ich kenne keinen Buchverlag, der einen solchen Band veröffentlichen würde.« Bei uns selbst, also im Moewig-Buchverlag, sah ich für ein solches Projekt keinerlei Chancen. Außerhalb der Silberbände waren praktisch alle Versuche, neue Themen zu lancieren, kläglich gescheitert.

Robert wies mich auf meinen Denkfehler hin. »Solche Kurzgeschichten müssen in den PERRY RHODAN-Roman«, forderte er. »Nur dann haben sie den entsprechend großen Leserkreis.« Er stellte mir in groben Zügen vor, was er sich vorstellte: alle paar Wochen oder Monate eine Kurzgeschichte, das alles mit einem groben Rahmenexposé ausgestattet und vor allem auch honoriert. »Wenn wir Honorare bezahlen, können wir zudem echten Profis die Chance geben, bei PERRY RHODAN einmal ein Experiment zu wagen.«

Ich bat ihn, die grundsätzlichen Überlegungen in einigen Stichworten zusammenzufassen. Ich wollte dann über seinen Text »drübergehen« und ihn an Robert zurückschicken. Dann sollte er wieder ergänzen; so sollten wir im Idealfall recht schnell ein brauchbares Konzept haben, mit dem wir weiter arbeiten konnten.

Am 15. Januar 2007 schickte Robert Feldhoff mir ein Konzept, dem er die Überschrift »Ferienfrachter STARWAYS« und die Unterzeile »Kreuzfahrt im PERRY RHODAN-Universum« gab. Sein erstes Konzept enthielt vor allem viele Stichwörter, die ich noch ergänzen musste. Aber grundsätzlich wollte Robert eine »monatlich erscheinende Reihe von Kurzgeschichten aus dem Perryversum« veröffentlichen, die langfristig auch den PERRY RHODAN-Report ablösen sollte.

Damit es zu keinen größeren Umstellungen in der Produktion kommen würde, sollten die Kurzgeschichten wie der Report geplant werden: im selben Turnus, mit demselben Umfang, mit derselben Honorierung für die Mitarbeiter. Die monatliche Kurzgeschichte sollte dabei von »wechselnden Autoren verfasst« werden. Unter anderem nannte Robert Feldhoff gleich zu Beginn die Namen »Hans-Joachim Alpers, Andreas Findig, Uschi Zietsch oder Frank Borsch«. Und: »Teamautoren können ebenso Verwendung finden wie Gastautoren oder talentierte Newcomer.«

Ein Ziel sollte sein, »lizenzfähiges Material« zu schaffen, dass wir als Zweitverwertung« an Online-Portale« lizensieren wollten. An die rasante E-Book-Entwicklung, die wenige Jahre danach einsetzte, konnte im Januar 2007 noch niemand denken. Wichtig war, dass die Geschichten »streng unkomplex zu halten« seien; jede Geschichte sollte auf jeden Fall »unabhängig vom Perryversum funktionieren«.

Robert machte sich klare Gedanken zu einem inhaltlichen Konzept, wenngleich er diese nur kurz skizzierte: »Alle Autoren platzieren ihre Geschichte auf demselben Raumschiff – dem Ferienfrachter STARWAYS.« Es sollte einen klaren Hintergrund geben: »Ein Basis-Exposé gestaltet das Common Universe, im Wesentlichen das Raumschiff selbst und seine Besatzung. Sämtliches Stammpersonal der STARWAYS, wie z.B. Kapitän und Offiziere, sind Bestandteile des Basis-Exposés.«

Zum Hintergrund machte er sich schon erste Gedanken: »Der Ferienfrachter STARWAYS gehört zur privaten NEBULA-TERRA-Linie. Das Schiff befördert Passagiere, aber auch Fracht – deshalb ist es ein Ferienfrachter.«

Das Schiff steuere »exotische Welten« an, weshalb es an Bord »Urlaubs- und Wellnessprogramme für aller Herren Völker« gäbe. Andererseits seien auch oft »gefährliche oder exotische Frachtgüter« an Bord, »die für Verwicklungen sorgen«. Die STARWAYS sollte über verschiedene Einrichtungen verfügen: »über ein Kasino, über Kabinen für Fremdwesen, Wellness-Bereiche, Fitnessbereiche für Ertruser oder Siganesen, Sonnendecks, Exotik-Decks, Null-G-Schwimmbäder etc. pp.«

Damit die Geschichten auch für Leser interessant sein konnten, die die Serie nicht kennen, machte sich Robert Feldhoff bereits Gedanken zum technischen Hintergrund: »Technik an Bord der STARWAYS funktioniert, aber wir schildern sie nicht in Breite.« Ziel sei, »das Perryversum ein wenig kennen« zu lernen, aber »das Kopieren aus Datenblättern« sei ausdrücklich verboten.

Soweit die ersten Überlegungen von Robert Feldhoff. Nach einigem Hin und Her hatten wir am 6. März 2007 ein vernünftiges Arbeitsblatt zusammengestellt. Es basierte komplett auf Roberts Papier, ging aber in eine andere Richtung: So sollte der »Ferienfrachter STARWAYS« nicht mehr den monatlichen PERRY RHODAN-Report ersetzen, sondern »alle zwei Ausgaben das PERRY RHODAN-Journal«.

Wir definierten klarer, zu welcher Zeit die Handlung zu spielen hat: »in der aktuellen Zeit«, damit meinten wir »quasi vor der Invasion der Terminalen Kolonne TRAITOR aber nach dem Hyperimpedanz-Schock«. Das bedeutet konkret: »Syntrons, SERUNS, Metagrav und andere Supertechnik funktionieren nicht; stattdessen greifen die Akteure auf Positroniken, Linearantrieb und anderes zurück. Formenergie gibt es praktisch ebensowenig.«

Zum Start der redaktionellen Beilage sollte der PERRY RHODAN-Band 2402 werden, innerhalb der PERRY RHODAN-Redaktion sollte »Ferienfrachter STARWAYS« von Bettina Lang betreut werden. Als Redakteur der Serie wurde der PERRY RHODAN-Autor Frank Borsch bestimmt.

Wie aus einem Ferienfrachter ein ganz normaler Frachter und aus der STARWAYS die STELLARIS wurde – das ist Stoff für eine andere Geschichte. Aber im März 2007 legten wir so den Grundstein für eine erfolgreiche Kurzgeschichtenreihe, die es auch als Hörbuch und E-Book gibt.

Klaus N. Frick

 


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Enthält die folgenden Geschichten: »Ausgerutscht« von Michael Marcus Thurner, »Wolfsnächte« von Christian Montillon, »Die Planetenerfinderin« von Wim Vandemann, »Samenflug« von Andreas Findig, »Blau in Blau« von Hermann Ritter, »Mörder« von Wim Vandemaan, »Schatten der Vergangenheit« von Roman Schleifer, »Subterranean Homesick Blues« von Dieter Bohn, »Der ewige Sieger« von Wim Vandemaan  und »Der ganz normale Bordwahnsinn« von Dieter Bohn.

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