Der Redakteur erinnert sich: 40 Jahre und ein Dauerregen

30.12.2013 08:08 von vpm

Es war mittlerweile nach zwölf Uhr mittags an diesem Samstag, 8. September 2001, und es regnete immer stärker. Der »Tag der Offenen Tür«, den wir von der PERRY RHODAN-Redaktion auf dem Gelände der Verlagsunion Pabel-Moewig veranstalteten, entwickelte sich ausgesprochen feucht – und dabei wollten wir doch in aller Ruhe und mit viel Freude den vierzigsten Geburtstag der PERRY RHODAN-Serie feiern.

Viele Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen wirkten mit. Sie saßen an der Kasse, sie räumten den anfallenden Müll weg, sie halfen an den unterschiedlichsten Stellen. Sogar die Druckerei hatte ihren Schichtbetrieb darauf eingestellt und für diesen Tag einen PERRY RHODAN-Roman auf die Maschinen gelegt. Immer wieder eilten Gruppen von Besuchern durch den Regen hinüber zur Druckerei, wo sie eine Führung durch die Maschinenhallen bekamen. Wer wollte, konnte hinterher Andrucke und Druckfahnen aktueller Romane als Geschenk nach Hause mitnehmen.

Ich besorgte mir etwas zu essen und zu trinken. Um mich zu versorgen, musste ich das tun, was allen anderen Besuchern ebenfalls drohte: Ich musste das schützende Dach zwischen dem eigentlichen Bürogebäude und dem Lager verlassen und durch den Regen zu dem »Bierpavillon« eilen, den unser Getränkelieferant aufgestellt hatte. Ebenso schnell ging es zurück ins Trockene. Ich nahm es mit Humor, und ich war froh, dass die meisten Besucher sich ebenfalls locker und humorvoll verhielten: Sie saßen an Biertischen, als sei der Verlagshof eine einzige überdimensionierte Gaststätte, wo sie aßen und tranken und sich gut unterhielten.

Zwischendurch wurde ich gefragt, wie denn überhaupt die Idee entstanden sei, einen »Tag der Offenen Tür« zu veranstalten. »Schuld daran ist Sabine«, gab ich zur Auskunft.

Nachdem wir im Dezember 1999 einen großen PERRY RHODAN-WeltCon zum Band 2000 organisiert hatten, sahen wir uns nicht in der Lage, bereits zwei Jahre danach wieder einen WeltCon auszurichten. Aber selbstverständlich wollten wir den vierzigsten Geburtstag der PERRY RHODAN-Serie entsprechend feiern.

Sabine Bretzinger – heute Kropp – hatte die Idee während einer Autofahrt: Wir saßen gemeinsam im Fahrzeug und rollten von Garching, wo wir einen PERRY RHODAN-Con besucht hatten, zurück nach Karlsruhe. Wir sprachen über das anstehende Jubiläum, und Sabine hatte die richtige Idee: »Wir könnten die Leute mal zu uns einladen«, sagte sie, »nicht immer in andere Städte fahren und dort mit einem riesigen Aufwand etwas auf die Beine stellen.« Es könnte für die Fans doch auch interessant sein, einmal die Büros und die Druckerei zu sehen, jene Orte also, an denen ein wesentlicher Teil der PERRY RHODAN-Serie erarbeitet wird.

»Vielleicht war's ein schlechtes Omen«, unkte ich. Die Rückfahrt von Garching war nämlich im strömenden Regen verlaufen, mit einer streckenweise reduzierten Sicht auf der Autobahn – und an diesem Samstag hatten wir praktisch dasselbe Wetter in Rastatt.

Erfreulicherweise spielten die Besucher mit. Einige wärmten sich mit frischem Vurguzz auf, den es am Stand der PERRY RHODAN-FanZentrale gab. Andere ließen sich von einem professionellen Papierschöpfer zeigen, wie man Papier herstellt, und kauften bei ihm für wenige Galax handgeschöpftes Büttenpapier. Andere ließen sich von dem Cartoonisten und Verlagslektor Ulrich Magin zeichnen, wieder andere schauten Alfred Kelsner bei seiner Arbeit zu.

Ständig umlagert waren die Autoren, die sich unter das Volk mischten. Robert Feldhoff als Exposéautor musste Autogramme geben und beantwortete in seiner zurückhaltenden Art viele Fragen. Arndt Ellmer bummelte umher, und Michael Nagula, der zu diesem Zeitpunkt noch als Gastautor galt, freute sich sehr, einmal wieder unter PERRY RHODAN-Fans zu sein.

Für das Jahr 2001 boten wir etwas sehr Modernes an: einen Multimedia-Raum, in dem an sechs Computern gleichzeitig »gearbeitet« werden konnte. Eingerichtet worden war der Raum auf dem Flur, in dem sich auch mein Büro befand. Die Besucher konnten also an den klassischen Johnny-Bruck-Bildern, die an der Wand hingen und die 60er- bis 90er-Jahre verkörperten, vorbeigehen und dann in den Multimedia-Bereich spazieren, wo das neue Jahrtausend demonstriert wurde.

Unsere Partner von der Firma Trilobit präsentierten dort die Beta-Version der neuen CD-ROM »Abenteuer Universum Teil II«, an anderen Computern konnten allerlei elektronische Anwendungen rings um PERRY RHODAN ausprobiert werden. Interessierte Fans konnten sich einen Romananfang ausdrucken, der sie selbst als Autor oder auch Held des Geschehens schilderte. Sogar einen Internet-Anschluss gab es, mit dem die Besucher sich den PERRY RHODAN-Auftritt im damals noch sehr neuen Internet ansehen konnten.

Neben dem Multimedia-Raum hatten wir einen Besprechungsraum eingerichtet, der meist überfüllt war – in diesem stellten sich die Autoren in Einzelgesprächen gewissermaßen »Auge in Auge« den Fans. Ich bekam einige gute Frage-und-Antwort-Runden mit, das schien allen Beteiligten Spaß zu machen.

Dazu kam ein spezieller Raum, in dem die Ausstellung »Wie entsteht ein Heftroman?« zu sehen war. Durch ebendiese Ausstellung führte Sabine Bretzinger. Die Redakteurin zeigte den interessierten Besuchern die einzelnen Arbeitsschritte und beantwortete die zahlreichen Fragen, die unweigerlich aufkamen.

Klaus N. Frick

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